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Eifeler Taliban will keiner mehr sein - Afghanischer Asylbewerber widerruft im Prozess ältere Aussagen

(Trier) Überraschende Wende im Prozess gegen den zuletzt in Prüm lebenden afghanischen Asylbewerber Khan A.: Der unter anderem wegen Beihilfe zum Mord angeklagte 21-Jährige hat in der Verhandlung am Koblenzer Oberlandesgericht sein Geständnis widerrufen. Das bestätigten ein Gerichtssprecher und der Verteidiger des Mannes auf Anfrage unserer Zeitung.

14.09.2017
Von Rolf Seydewitz
Demnach hat sich der junge Afghane die zu seiner Festnahme und der Anklage führende Geschichte angeblich nur ausgedacht, um seine Chancen zu erhöhen, als Asylbewerber in Deutschland anerkannt zu werden. 

„Ich halte die jetzige Version für glaubwürdig“, sagt Khans Anwalt Daniel Sprafke. Es sei nicht das erste Mal, dass Asylbewerber falsche Angaben machten, um ihre Bleibechancen zu erhöhen, so der Karlsruher Strafverteidiger.
Der junge Afghane hatte sich bei der Anhörung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge selbst Dutzender Verbrechen an der Seite der Gotteskrieger bezichtigt. Danach war er als Leibwächter eines Taliban-Kommandeurs in mindestens 50 Fällen dabei, als von den Gotteskriegern zum Tode verurteilte Afghanen abgeholt und von einem Exekutionskommando der islamistischen Terror-Bewegung ermordet wurden.

Kurze Zeit, nachdem Khan A. dies freimütig erzählt hatte, wurde er von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei in seiner Prümer Wohnung festgenommen. Seitdem sitzt er in Wittlich in Untersuchungshaft. In dem seit Juli laufenden Prozess vor dem Koblenzer Staatsschutzsenat hatte der junge Afghane zunächst geschwiegen. 

Dass er die auf seinen Angaben basierenden Vorwürfe der Bundesanwaltschaft nun bestreitet, kam für Insider nicht überraschend. Bereits häufiger in der Vergangenheit hatten afghanische Asylbewerber Geständnisse über ihre angebliche Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung später widerrufen. Welche Version die richtige ist, müssen am Ende die Richter entscheiden. Für den Prozess wurden inzwischen weitere Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt. Anwalt Sprafke glaubt, dass das nicht reichen wird.