Autor: Von unserer Mitarbeiterin Mechthild SchneidersOrt:DruckenE-Mail
Eine Chefin, die lebt, was sie propagiert
Die Lokale Agenda 21 in Trier ist eine Erfolgsgeschichte, weil es sie nach elf Jahren noch gibt und sie immer wieder Preise abstaubt — etwa für das Zukunftsdiplom. Das ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der Frau, die die Lokale Agenda seit zehn Jahren vorantreibt: Charlotte Kleinwächter.
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Nachhaltige Entwicklung aus Überzeugung: Charlotte Kleinwächter ist seit zehn Jahren Geschäftsführerin der Lokalen Agenda 21 Trier. TV-Foto: Mechthild Schneiders
Trier. Jeden Morgen radelt Charlotte Kleinwächter vom Petrisberg zu ihrem Büro in der Palaststraße - und abends wieder zurück. "Ich fände es komisch, zu erklären, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, wenn ich es nicht vorlebe." Sie achte auch beim Einkauf auf fair gehandelte und sinnvoll produzierte Produkte. Nachhaltige Entwicklung ist der Job von Charlotte Kleinwächter, seit zehn Jahren Geschäftsführerin der Lokalen Agenda 21 (LA 21). Und mehr als das. Die 44-Jährige lebt, was sie propagiert. So ist ihr Haus am Wasserband - Teil der Bauausstellung der Landesgartenschau (LSG) 2004 - nachhaltig gebaut: ein Niedrigenergiehaus aus gesunden Baustoffen mit Solaranlage. "Wir haben auf Konversionsfläche platzsparend gebaut", erklärt sie, "also keine Flächen zubetoniert." Wir, das sind Kleinwächter, ihr Partner Bernhard Riedel und die beiden Kinder.
An Kinder richtet sich ihr Projekt mit bundesweiter Auswirkung: das Zukunftsdiplom. "Wir haben fast jedes Jahr einen Preis erhalten", sagt die Initiatorin. 2009 gab es den wichtigsten: die "Land der Ideen"-Auszeichnung, eine Initiative von Bundespräsident Horst Köhler. Entwickelt hat Kleinwächter das Zukunftsdiplom als Agenda-Beitrag für die LGS. "Das lief so gut, dass schnell klar war, dass wir das wiederholen wollen." Inzwischen ist es ein Selbstläufer mit mehr als 200 Kindern in 113 Veranstaltungen von 70 Organisationen. Bildung für nachhaltige Entwicklung liegt Kleinwächter sehr am Herzen: "Man hofft, dass man viele Samen sät und diese aufgehen." Die kleine Geschäftsstelle mit ihren zwei Mitarbeitern macht, so die Chefin, "tierisch viel, weil wir Partner haben und einen engagierten Vorstand". So gebe es eine aktive Gruppe, die sich mit dem Thema Energie beschäftige. Und gerade habe sich eine Arbeitsgruppe Verkehr gebildet, berichtet die Diplom-Geografin aus Hannover, die 1989 zum Hauptstudium nach Trier kam. Als Kleinwächter nach ihrem Job als Umweltberaterin arbeitslos wurde, habe der Vorstand des damals neu gegründeten LA-21-Vereins gefragt, ob sie die neu installierte ABM-Stelle übernehmen wolle. Sie wollte. Es sei ein Luxus, "dass ich in einem Bereich arbeite, der mir zusagt, mein persönliches Anliegen ist". Dadurch, dass das Trierer Vereins-Modell nicht in Verwaltungsstrukturen eingebunden sei, habe sie viele Gestaltungsmöglichkeiten. Das Tolle an ihrem Job sei, dass die verschiedenen Projekte unterschiedliche Ansätze erforderten.
Bundesweit gehört der Trie rer Agenda-Prozess zu den erfolgreichsten. "Wir sind in vielen Bereichen aktiv - etwa bei Bürgerbeteiligung, Energie, Klimaschutz und nachhaltigem Wirtschaften." Die Stadt werde dafür hoch geschätzt. "Diese Effekte könnte sie stärker nutzen", fordert Kleinwächter. Dennoch wäre es schön, nicht nur gute Projekte zu entwickeln, die Erfolg haben. Sie wünsche sich, "dass nachhaltige Entwicklung ein verbindliches Ziel wird, dem sich andere Dinge unterordnen. Damit wir in einer Gesellschaft leben, in der alle ähnliche Chancen haben."
Extra Der Verein Lokale Agenda Trier 21 (LA 21) wurde nach einem Stadtratsbeschluss 1999 gegründet. Seine Aufgabe ist es, das Aktionsprogramm Agenda 21, das von der Konferenz der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, auf Stadt und Region Trier herunterzubrechen und umzusetzen. Dabei arbeitet die LA 21 mit Bürgern, Vereinen, Verbänden, Kammern, Schulen und Hochschulen, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirche und anderen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammen. In der Geschäftsstelle sind drei hauptamtliche Mitarbeiter tätig. Aktives Gremium ist der Vorstand mit dem Vorsitzenden Alfred Gettmann. Der Lenkungsausschuss ist das zentrale und steuernde Gremium. Ihm gehören Mitglieder von Verwaltung, Stadtrat, Institutionen und Organisationen an. (mehi)
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