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Elisabeth-Krankenhaus schließt Babystation - Mutterhaus und Marienkrankenhaus bauen Geburtshilfe aus

(Trier) Ende einer fast 100-jährigen Tradition: Das Evangelische Elisabeth-Krankenhaus hat seine Geburtshilfeabteilung geschlossen. Werdenden Müttern bleibt in Trier nun nur noch die Möglichkeit, ihre Kinder im Mutterhaus in der City oder im Ehranger Marienkrankenhaus zur Welt zu bringen. Beide Kliniken rechnen mit einem deutlichen Geburtenanstieg.

30.10.2015
Christiane Wolff
Trier. "Du warst das letzte Baby, das im Trierer Elisabeth-Krankenhaus geboren wurde!" Wie oft der kleine Mathis diesen Satz wohl in seinem späteren Leben hören wird? Noch ist dem Kleinen, der so friedlich im Arm von Papa Timm Westedt schlummert, es allerdings völlig egal, dass seine Geburt einen zumindest kleinen historischen Moment in der Trierer Stadtgeschichte markiert. Und auch Mutter Sonja Rock ist es gar nicht so wichtig, dass die Entbindung auch für das Team der Geburtshilfe des Elisabeth-Krankenhauses eine ganz besondere war. "Ich war einfach nur glücklich, dass ich mein Kind noch hier zur Welt bringen konnte", sagt sie.

Geboren um 5.05 Uhr


Hätten die Geburtswehen nur ein paar Stunden später eingesetzt, wäre das nicht mehr möglich gewesen.
Offiziell ist zwar der heutige 1. November der Termin, an dem die Geburtshilfestationen der Schwesternkliniken EKT und Marienkrankenhaus in Ehrang zusammengelegt werden (der TV berichtete am 24. September). Damit aber keine Frau mit ihrem Neugeborenen von der City in den Randstadtteil verlegt werden musste, wurden werdende Mütter nur bis Sonntag, 18. Oktober, im EKT aufgenommen. "Wir sind um 20 Uhr am Sonntagabend ins Elisabeth-Krankenhaus gekommen - und waren damit die letzten", berichtet Mutter Sonja Rock. Geboren wurde der kleine Mathis dann am frühen Montagmorgen um 5.05 Uhr.
Schwangeren bleibt in der Trie rer City nun nur noch das große Mutterhaus zur Entbindung (siehe Extra). "Ich wollte aber mein Kind viel lieber in einem kleinen, familiären Haus als in einer Großklinik zur Welt bringen", sagt Sonja Rock. "Leider fehlt Müttern künftig diese Alternative - das ist wirklich schade für eine Großstadt wie Trier mit einem so großen Einzugsgebiet", ergänzt Papa Timm.

Fünf Kinder, eine Klinik


Auch die Triererin Franca Günther hatte sich für das Elisabeth-Krankenhaus entschieden - und zwar bei allen ihren fünf Geburten. Michael (1988) und Tamara (1991) kamen noch im Altbau des Krankenhauses zur Welt. René 1996 dann im heutigen Neubau, genauso wie Nino (2002) und Ashley (2004). "Im Elisabeth-Krankenhaus war die Atmosphäre sehr persönlich, man fühlte sich nie allein", erzählt Franca Günther, warum sie sich immer wieder für das EKT entschieden hat.
Ihre älteste Tochter Tamara hat es ihr mittlerweile gleichgetan - und auch ihre drei Kinder im Elisabeth-Krankenhaus zur Welt gebracht. "Es ist schade, dass die Geburtsstation nun nach Ehrang verlegt wird - man reißt dem Krankenhaus damit sein Herzstück heraus."
Die Fünffach-Mutter Franca Günther (46) und die Erstgebärende Sonja Rock (40) verbindet allerdings nicht nur das gleiche Krankenhaus, sondern auch die gleiche Hebamme: Sabine Zein hat nicht nur die jüngsten drei Kinder von Franca Günther zur Welt gebracht und drei ihrer insgesamt fünf Enkelchen. Sondern auch den kleinen Mathis.
Die erfahrene Hebamme ist nun zusammen mit rund 20 Kolleginnen und Krankenschwestern der Babystation vom EKT mit ans Ehranger Marienkrankenhaus umgezogen, wo die Geburtshilfeabteilungen der Doppelklinik zusammengelegt wurden.
Am Elisabeth-Krankenhaus endet damit eine knapp 100-jährige Tradition: Eingeweiht wurde das Krankenhaus - die erste und bislang einzige evangelische Klinik im erzkatholischen Trier und im Umkreis - zwar bereits im November 1895, die "Belegabteilung Geburtshilfe" wird in der Chronik des Krankenhauses allerdings erstmals erst im Jahr 1918 erwähnt. 1930 wurde die Abteilung für Wöchnerinnen erweitert.
 

Hundertjährige Geschichte


"Aufgrund dieser langen Historie ist es uns leider nicht möglich, eine Schätzung über die Anzahl der stattgefundenen Geburten zu wagen", bedauert Jana Jochum, Pressesprecherin des Ökumenischen Verbundkrankenhauses, zu dem sich EKT und Marienkrankenhaus 2010 zusammengeschlossen haben.
Es dürften allerdings wohl Zehntausende Babys gewesen sein, die in den vergangenen 100 Jahren im Elisabeth-Krankenhaus ihre Lungen das erste Mal mit Luft gefüllt und zum Schrei angesetzt haben.
Das letzte von ihnen ist der kleine Mathis.
Extra
Ehemals konnten Schwangere im Trierer Stadtzentrum zwischen drei Kliniken wählen: Neben dem Mutterhaus und dem Elisabeth-Krankenhaus gab es noch am Herz-Jesu-Krankenhaus (HJK) in der Friedrich-Wilhelm-Straße in Trier-Süd eine Geburtshilfestation. Im Zuge der Reform der Klinik wurde die Abteilung 1996 geschlossen. In den Folgejahren wurden weitere Abteilungen der Klinik ans Mutterhaus verlegt, anschließend das HJK in eine psychiatrische Klinik verwandelt, die 2005 allerdings ebenfalls schloss. 2007 wurde das HJK abgerissen. An seiner Stelle entstand das Wohnquartier Herz-Jesu-Garten. Weitere Krankenhäuser in der Region haben in den vergangenen Jahren ihre Geburtshilfeabteilungen geschlossen oder in angegliederte Geburtshäuser verwandelt - zum Beispiel die Klinik in Saarburg. Am Mutterhaus sind im Gegenzug die Geburten in den vergangenen Jahren gestiegen: von 804 im Jahr 2005 auf 964 im Jahr 2010 und schließlich 1214 Entbindungen im Jahr 2014. Für 2015 rechnet das Krankenhaus mit einem neuerlichen Anstieg auf 1532 Geburten. "Bereits in diesem Jahr haben wir deshalb zwei neue Hebammen, zwei ärztliche Mitarbeiter und drei zusätzliche Mitarbeiter für die Ambulanz, in der auch die Schwangeren aufgenommen werden, eingestellt", sagt Mutterhaus-Pressesprecherin Helga Bohnet. Außerdem wird ein vierter Kreißsaal eingerichtet. Je nachdem, wie sich die Geburtenzahlen entwickeln, besteht die Option auf Ausbau eines fünften Kreißsaals. Im Elisabeth-Krankenhaus gab’s im Jahr 2014 genau 491 Geburten, im Marienkrankenhaus Ehrang 779. An seinem Standort Ehrang rechnet das Ökumenische Verbundkrankenhaus künftig mit mehr als 1000 Geburten. Von den insgesamt 2484 Geburten an EKT, MKT und Mutterhaus stammten laut Statistischem Landesamt die Eltern von 976 Babys aus der Stadt Trier, die übrigen aus der Region. woc
Extra
Die beiden Gynäkologen Holger Kühlwein und Christoph Apel, die bislang als Konsiliarärzte am Elisabeth-Krankenhaus tätig waren, wechseln als festangestellte Chefärzte mit an die Geburtshilfestation des Marienkrankenhauses Ehrang. Parallel dazu betreiben die beiden ihre bisherige Praxis in der Engelstraße weiter. Am Standort Elisabeth-Krankenhaus erhalten bleiben außerdem die meisten Geburtshilfekurse - zum Beispiel Babymassage, Säuglingspflege, Geburtsvorbereitungskurs, Rückbildungskurs, Akupunktur bei Beschwerden in der Schwangerschaft oder Yoga für Schwangere. Lediglich die Kreißsaalführung und der Geschwisterkurs, bei dem Geschwister vor Ort schauen können, wo die Babys auf die Welt kommen, werden nach Ehrang ans Marienkrankenhaus verlegt. Der übrige bisherige Kursplan am Marienkrankenhaus bleibt unverändert. Die entsprechenden Termine sollen in Kürze auf der Homepage des Ökumenischen Verbundkrankenhauses veröffentlicht werden (www.oevk-trier.de). Von der Zusammenlegung der Geburtshilfestationen am Standort Ehrang verspricht sich das defizitäre Ökumenische Verbundkrankenhaus nach TV-Informationen rund 400 000 Euro pro Jahr. woc

 

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