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Entschärfung in Trier-Ehrang: Bombenalarm ohne Angst und Drama (Fotostrecke/Video)

(Trier) Die Evakuierung von 800 Menschen in Ehrang läuft am Mittwochabend ebenso routiniert ab wie die Entschärfung der Fliegerbombe. Es ist der zweite Fall in zwei Wochen. Die Betroffenen reagieren gelassen und oft geradezu heiter. Dossier zum Thema: Bombenfunde

13.09.2017
Jörg Pistorius und Rebecca Schaal
Drei Jungs und ein Mädchen spielen Fußball, Anwohner stehen in kleinen Gruppen zusammen und trinken Kaffee, dazwischen blitzen die gelben, roten und blauen Uniformen der Feuerwehrleute und der Rettungskräfte der Malteser und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Das Szenario im Schulzentrum am Mäusheckerweg ist völlig frei von Angst und Drama. Vor grob zwei Wochen haben alle Anwesenden diese Aktion schon einmal erlebt. Die Routine nimmt offenbar auch einer Bombe ihren Schrecken.

70 Menschen werden am Mittwochabend im Schulzentrum versorgt. Hier warten sie, bis der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz Entwarnung gibt. Viele der Wartenden sind ältere Menschen, manche sitzen im Rollstuhl und werden von den Maltesern und den ASB-Helfern abgeholt und später wieder nach Hause gebracht. Aber auch junge Familien sind dabei. Jeder, der während der Entschärfung nicht bei Freunden oder Familie unterkommen kann, ist im Mäusheckerweg willkommen. „Wir kennen uns ja mittlerweile aus“, sagt eine Anwohnerin schmunzelnd. „Ich bin mal gespannt, wie viele Bomben hier noch auftauchen. Wir sitzen ja wie auf einem Pulverfass.“ Sie lacht, und die Leute an ihrem Tisch lachen mit ihr. Eine weitere Anwohnerin ergänzt: „Heute kommt sowieso nichts Gescheites im Fernsehen.“

Sabine Farber hat einen langen Abend vor sich. „Ich wohne weit genug von der Bombe weg, muss aber dennoch hier sein“, erklärt sie. „Denn ich bin die Chefin der Putzkolonne, die dafür sorgt, dass die Schule morgen früh für die Kinder wieder bereit ist.“ Aber wo ist denn die Putzkolonne? Sabine Farber lächelt. „Ich habe sie nach Hause geschickt. Was nachher hier zu machen ist, das mache ich selbst. Es ist ja nicht viel.“

Bis 19 Uhr müssen 800 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen haben. Wieder läuft die Evakuierung ohne Ärger ab. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe sind keine Fälle bekannt, in denen die Polizei Anwohner hätte zwingen müssen, ihr Heim zurückzulassen.

Die Stadt hat die betroffenen Anwohner wieder mit Handzetteln vorgewarnt – dieses Mal auch auf Arabisch. Denn einige arabisch sprechende Anwohner der Evakuierungszone hatten laut Mitteilung der Feuerwehr im August Probleme, die Informationen der alten Handzettel zu verstehen.

Brunhild Kunkel hat die Evakuierung vor zwei Wochen ebenfalls mitgemacht. Damals hat sie überlegt, ob sie ihren Hund mitbringen soll, ließ ihn dann aber Zuhause. „Heute hat sich diese Frage nicht mehr gestellt“, erzählt sie. „Ich musste ihn am Sonntag einschläfern lassen, das geht mir ganz schön an die Nieren.“ Die 72-Jährige sucht nun eine kleine Hündin. Nur kosten sollte sie möglichst nichts. „Ich habe ja nicht so viel.“

Am Fundort der Fliegerbombe in der Ehranger Heinestraße kämpft das Team der Entschärfer mit erschwerten Bedingungen. Der Dauerregen am Mittwoch hat die Baugrube, in der die Bombe liegt, unter Wasser gesetzt. Deshalb liegt auch der 125 Kilo schwere Sprengkörper im Wasser, als Frank Bender und drei weitere Experten vom Kampfmittelräumdienst kurz vor 20 Uhr mit der Entschärfung beginnen.

Am Ende brauchen sie 20 Minuten, um 20.16 Uhr kommt die Meldung „Es besteht keine Gefahr mehr“ von der Berufsfeuerwehr Trier. „Dieser Zeitraum ist für eine Entschärfung völlig normal“, sagt Bender. Die Überreste der Fliegerbombe werden nach Koblenz gebracht und vernichtet. Die Anwohner kehren in ihre Häuser zurück. „Bis zum nächsten Mal“, ruft eine ältere Dame den Einsatzkräften zu. 
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