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Erinnerungen an den ersten Schultag: Volksfreund-Leser und ihr Klassenstart - Teil zwei (Fotos)

(Region) Wir hatten unsere Leser aufgefordert, uns ihre Fotos und Anekdoten zum ersten Schultag zu schicken. Das haben sie fleißig getan - heute gibt's deshalb den ersten Teil der Beiträge. Wir sagen danke und verteilen eine glatte 1 an alle Teilnehmer. Dossier zum Thema: Schulanfang 2017 in Rheinland-Pfalz

11.08.2017
1969 Grundschule Ehrang-Ort
Einige Tage vor dem Einschulungstermin schickte meine Mutter mich zum Friseur. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mittellange, lockige Haare. Die sollten für den großen Tag noch etwas in Form gebracht werden.

Während meine Mutter im „Dorf“ ihre Einkäufe erledigte, saß ich beim Friseur. Auf die Frage, wie denn die Haare geschnitten werden sollen, zeigte ich auf meine Freundin Alexandra, die mich begleiten durfte, und sagte: „Ich will so aussehen wie sie!“

Als meine Mutter uns dann abholte, war sie entsetzt, mich so „geschoren“ zu sehen. Noch beim Fotografen (damals „Komm“ in der Niederstraße in Trier-Ehrang) lamentierte sie über den Haarschnitt, der mich wie einen Jungen aussehen ließ. Mir aber gefiel meine neue Frisur, und ich trug die Haare noch eine ganze Weile so kurz.
Marita Lenz (geborene Schmutz), Trier-Feyen/Weismarkgeb. Schmutz Feyen-Weismark


1965: Grundschule Schöndorf

Mein erster Schultag war am 1. April 1965. Damals gab es noch sogenannte Kurzschuljahre, vom 1. April bis 30. November und dann vom 1. Dezember bis 31. Juli. Wir waren 35 Erstklässler aus vier benachbarten Orten: Schöndorf, Bonerath, Ollmuth und Hinzenburg und wurden zusammen in der Grundschule in Schöndorf, einer der Grundschulen in der Verbandsgemeinde Ruwer, die heute vor dem Aus steht, eingeschult.

Zunächst mussten wir die zwei Kilometer von Bonerath nach Schöndorf zu Fuß zur Schule gehen, später fuhr uns der Besitzer eines VW-Busses. Unsere Lehrerin war Cäcilia Bänsch, sie wohnte mit ihrer Familie unmittelbar neben dem Schulhof.

Als ich am ersten Schultag zum Fototermin musste, habe ich geweint, da meine Mutter entfernt von mir stehen musste. Es gab noch keinen Kindergarten, so war es das erste Mal, dass ich mich unfreiwillig trennen musste. In der damaligen klassischen Rollenverteilung war es ausschließlich die Mutter, die die Kinder begleitete. Obligatorisches Outfit waren Kopftuch, Schürze und Lederranzen. Selbstverständlich wurde noch mit Kreide auf Schiefertafeln geschrieben. Beate Niewel (58), Saarburg

1955: Lorenz-Kellner-Schule Trier
Monika Herres (geborene Jungbluth), 68 Jahre alt, aus Ralingen wurde im April 1955 eingeschult - in die Lorenz-Kellner-Schule in der Trierer Kaiserstraße (später Volksschule St. Antonius). "Meine Klassenlehrerin war in den ersten drei Jahren Frau Becker", erinnert sie sich.

1952: Volksschule Zewen
Es war anno 1952 im April. Der erste Schultag stand an in der Volksschule in Zewen. Der Teufel war los in der Kordelstraße 30. Ich wollte einfach nicht in diese langen Strümpfe mit Leibchen (Strapse) schlüpfen. Aber meine Mutter blieb stur und sagte noch dazu: „Hättest du dir gestern nicht dein Knie aufgeschlagen, dannNa gut, rein in die Klamotten, Ranzen auf den Buckel, Tüte in den Arm und ab zum Fototermin vor der Haustür.

Dann ging es zuerst in die Kirche, danach zur Schule. Hier lernte ich meine etwas übergewichtige Lehrerin, Fräulein Pietka (ich nannte sie später Fräulein Pitschka, weil sie so gut kneifen konnte), kennen. Froh war ich, als diese zwei ersten Stunden zu Ende waren, denn ich wollte ja wissen, was in der Schultüte steckt. Ich war begeistert, als ich den Inhalt musterte: ein iPhone, ein Tablet, einen Gutschein für McDonald's... Ha ha ha, nein, ich freute mich über eine Tafel Schokolade, Ahoj Brause, Würfel, ein paar Bonbons, dazu ein paar Schulutensilien – ah, und ein Stück weiße Kreide, um die Lehrerin zu bestechen.

Dann schnell nach Hause. Hier gab es ein super Mittagessen: gebratene Nudeln an Mehlknödel und eingemachten Mirabellen. Kaum mit dem Essen fertig, ging es ab zum Spielen – am liebsten auf einen dicken Haufen Sand. Denn wir aus der Kordelstraße waren in ganz Zewen bekannt als „Kurdeler Sandrutscher“. Ich möchte keinen Tag missen aus dieser Zeit und denke gerne an meinen ersten Schultag zurück. Es sind gerade 65 Jahre her – und ich habe mich kaum verändert. Oder? Kurt Horsch wohnt jetzt in Trier-Ehrang
1950, Grundschule St.Matthias Am 18. April 1950, es war der Dienstag nach dem Weißen Sonntag, wurde ich in die katholische Volksschule St. Matthias in Trier eingeschult. In diesem Jahr wurde der Beginn des Schuljahres in Rheinland-Pfalz vom Herbst auf das Frühjahr umgestellt; die letzte Einschulung war im Herbst 1948 gewesen, somit wurden nun eineinhalb Jahrgänge eingeschult. Ich wohnte damals bei meiner Großmutter in der Matthiasstraße direkt gegenüber der Schule, und das große Gebäude mit seinen zwei getrennten Schulhöfen – einer für Jungen, der andere für Mädchen – war mir vertraut. Jungen und Mädchen wurden auch in getrennten Klassen unterrichtet. Meine Oma hatte mir extra für den ersten Schultag ein Kleid gestrickt, die Wolle dafür (dunkelbraun und beige) stammte von einem aufgezogenen Pullover meines verstorbenen Großvaters. Meine langen Zöpfe wurden hochgesteckt und mit einer weißen Seidenschleife verziert, dann schulterte ich meinen neuen Ranzen mit Schiefertafel, Griffelkasten und Schwammdöschen und machte mich auf den Weg zur Schule. Die beiden „Läppchen“ zum Reinigen der Tafel hatte ich selbst gestrickt. Auf dem Mädchenschulhof warteten etwa 50 Mädchen auf ihre Einschulung, alle begleitet von ihren Müttern und fast alle mit einer bunten Schultüte im Arm. Kein Vater wäre damals auf die Idee gekommen, sein Kind zur Einschulung zu begleiten, außerdem hatte ein Großteil der Kinder gar keinen Vater mehr, sie waren im Krieg gefallen, vermisst oder noch in Gefangenschaft. Verschämt stellte ich mich in eine Ecke, meine Mutter hatte nicht gesagt, dass sie zu meiner Einschulung kommen würde, und von einer Schultüte war auch nie die Rede gewesen. Eine junge Mutter kam auf mich zu und fragte freundlich: „Bist du ganz alleine, hast du keine Mutter?“ Ich war so verwirrt, dass ich mit Nein antwortete. Sie nahm mich bei der Hand und sagte: „Komm, dann gehst du einfach mit uns!“ Rektor Scherf, ein älterer, freundlicher Herr, führte uns ins Klassenzimmer und stellte unsere Lehrerin vor. Fräulein Milles war Anfang 20, sie hatte gerade ihr erstes Lehrerinnenexamen bestanden. Ich spürte sofort: Mit ihr würde das Lernen Spaß machen! Sie teilte uns den Stundenplan mit: von Montag bis Samstag Unterricht von 8 bis 12 Uhr, dienstags und freitags um 7 Uhr Schulmesse in der Basilika St. Matthias – der Besuch der Messe war Pflicht. Wir waren mehr als 50 Mädchen in einer Klasse. Dann wurden wir entlassen, und ich machte mich bedrückt auf den Heimweg. In der Matthiasstraße kam mir meine Mutter entgegen, im Arm eine bunte Schultüte, und begleitet von meiner heulenden Schwester, die immer wieder schrie, sie wolle auch eine Schultüte, sie hätte bei ihrer Einschulung keine bekommen. Schließlich antwortete unsere Mutter entnervt: „Bei deiner Einschulung 1947 hatte niemand eine Schultüte, wir waren froh, wenn wir überhaupt etwas zum Essen hatten. Deine Schiefertafel hat mich damals ein großes Stück Speck gekostet!“ Wir fuhren dann mit der Straßenbahn in die Stadt, und im Fotoatelier Seiwert in der Glockenstraße wurde ich mit Schulranzen und Schultüte fotografiert. So ist mir dieser Tag doch noch in angenehmer Erinnerung geblieben...Rosel-Bernarda Thiesen (geborene Berens), 73 Jahre alt, lebt heute in Alf (Kreis Cochem-Zell). Trier ist sie trotzdem treu geblieben: „Seit mehr als 40 Jahren beziehe ich den TV per Post, um die Verbindung zur alten Heimat nicht zu verlieren.“ 1944, Volksschule St.Matthias Es war der 1. August 1944 und Tag der Einschulung. Meine Mutter begleitete mich zur Volksschule St. Matthias in Trier, die seit dem 13. April 1937 laut Chronik den „neuen, stolzen Namen“ Horst-Wessel-Schule erhielt. Als wir auf dem Schulhof ankamen, waren dort schon die meisten Lehrer und Schüler versammelt. Bänke waren aufgestellt, der Schulhof war mit Hitlerfahnen eingesäumt, es wurden Deutschlandlieder gespielt und Reden gehalten. Wir „I-Gaggcher“, die Erstklässler, sollten mit dem ganzen Pomp der Nazis in die Schulgemeinschaft aufgenommen werden. Aber mir gefiel das ganze „Brimborium“ nicht. Irgendwie hatte ich Angst vor dem Wechsel aus meiner kleinen, häuslichen, familiären Welt zu diesem – meiner Ansicht nach – riesigen Schulbetrieb. Nach der Feier sagte ich zu meiner Mutter: „Ich gehe morgen nicht mehr zur Schule, mir gefällt das alles nicht.“ Meine Mutter anwortete: „Aber Kind, du bist jetzt schulpflichtig, du musst morgen wieder zur Schule.“ Ich: „Nein, nein, ich gehe unter keinen Umständen morgen in die Schule.“ Meine Mutter: „Du musst, ob du willst oder nicht.“ Aber ich sollte recht behalten. Auf dem Nachhauseweg, in Höhe der Volksbank St. Matthias, kam uns aus dem gegenüberliegenden Obstgeschäft Frau Oberbillig entgegen und rief uns zu: „Frau Oly, Frau Oly, haben Sie die neusten Nachrichten nicht gehört? Alle Schulen sind ab sofort geschlossen!“ Meine Freude über diese Nachricht war grenzenlos. Ich machte Luftsprünge und schrie: „Ich hab's ja gewusst, ich muss nicht mehr zur Schule, ich muss nicht mehr zur Schule! Mutti, ich habe es dir ja gesagt, ich gehe nicht mehr zur Schule.“ Meine Mutter sagte nur „Ja, ja mein Kind“ und dachte sich das Ihre. So waren der Anfang und das Ende meines ersten Schuljahres als „i-Gaggchen“ an einem Tag vorbei, bis auf die drei Schultage im Januar 1945 in Bergweiler (bei Wittlich). Im Herbst 1945 wurde ich dann gleich ins zweite Schuljahr eingeschult. Roland Oly (78), Trier