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Expedition in den Trierer Untergrund: Erste Arbeiten für neuen Kreisel an der Römerbrücke

(Trier) Es ist eines der ersten wirklich sichtbaren Zeichen des Millionenprojekts Stadtumbau West. Am Brückenkopf der Römerbrücke sind am Mittwoch Bodenproben genommen worden. Deren Ergebnisse helfen bei der Planung eines Straßenbauprojekts, das als wegweisend bei der Umgestaltung des Stadtteils gilt.

29.09.2016
Harald Jansen
Tiefbauvorhaben in Trier sind so eine Sache. Schnell findet sich ein Mosaik aus der Römerzeit oder ein mittelalterliches Kloster. Das Umfeld der Römerbrücke auf der Trier-Wester Seite ist ein darüber hinaus noch sensibleres Terrain als andere Areale in der Altstadt. Denn dort queren schon seit rund 1800 Jahren Fahrzeuge die Mosel. Derzeit passieren weit mehr als 10 000 Autos und Lastwagen diesen Knotenpunkt. Tendenz steigend.

So groß wie der Donut-Kreisel

Mitarbeiter eines Ingenieurbüros haben dort am Mittwoch Löcher gebohrt und Proben gezogen. Nach Auskunft der Stadt geben die Ergebnisse wichtige Anhaltspunkte für ein sogenanntes Leuchtturmprojekt - also eines, das wegweisend ist: Der Bau eines Verkehrskreisels mit nach derzeitigem Planungsstand 30 Metern Durchmesser (siehe Grafik in den Bildern). Das entspricht in etwa der Größe des Kreisels an der Konzer Saarbrücke, dessen Innenraum von einem roten Donut gekrönt wird.

Für die Bohrarbeiten musste auch eine Fahrbahn der Aachener Straße gesperrt werden. Dies ist notwendig gewesen, da ein tellergroßes Loch in die Fahrbahn geschnitten worden ist. Diplom-Geologe Joachim Schäfer vom Büro Dr. Jung und Lang sagt: "Wir wollen erkunden, wie der Untergrund aussieht." Geklärt werden soll unter anderem, wie mächtig der vorhandene Straßenaufbau ist, ob möglicherweise teerhaltiges Material benutzt wurde und wie der Boden unterhalb der Straße aussieht. An vier Stellen auf der Kreuzung wird das geprüft. Im Bereich der Sparkasse sind bereits früher Proben entnommen worden. Dort ist man möglicherweise auch auf Mauerwerke gestoßen. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich, dass es der Untergrund der Aachener Straße in sich hat. Kann Techniker Jörg Mayer den Asphalt noch relativ leicht mit einer etwas größer geratenen Bohrmaschine auffräsen, so wird es darunter kleinteiliger.

Da muss dann eben ein handlicher Presslufthammer ran und ein Stemmeisen, ehe ein Rammbohrer weiter ins Erdreich getrieben werden kann. Wie tief es hinabgeht, hängt nach Auskunft von Joachim Schäfer von der Beschaffenheit des Untergrunds ab. Kommt schnell Fels oder ist das Gelände nur aufgeschüttet wie auf der anderen Moselseite, wo zwei Pfeiler der Moselbrücke unter aufgeschüttetem Material verschwunden sind? All dies gibt Hinweise darauf, wie der Kreisel geplant werden muss.

Wann mit dem Bau des Kreisverkehrsplatzes begonnen wird, steht nach Auskunft der städtischen Pressestelle noch nicht fest. Denn es müssen noch einige Planungsschritte absolviert werden. So viel lässt sich jedoch schon sagen: Es wird eine langwierige Baustelle werden. Denn eine Vollsperrung des Kreuzungspunkts Aachener-/Luxemburger/Eurener Straße soll es wohl nicht geben. Dazu ist diese Verbindung zu wichtig. Stattdessen wird wohl in Teilabschnitten gebaut. Das dauert viel länger. Und behindert den Verkehr.

Im Jahr 2020 sollen am neuen Bahnhaltepunkt Römerbrücke nur einen Steinwurf vom geplanten Kreisel entfernt die ersten Züge der neuen Regionalbahnlinien 83 und 84 abfahren. Dann soll laut Planer Hubert Westrich von der Stadtverwaltung Trier der Kreisverkehrsplatz fertig sein.
Extra
Bis Mitte der 1970er Jahre gab es bereits einen Kreisverkehr am Trier-Wester Brückenkopf. Er wurde zugunsten einer Ampelanlage aufgegeben, da der Kreisel nach damaliger Auffassung der steigenden Verkehrsbelastung nicht mehr gewachsen war. Auf der zur Altstadt hin gelegenen Seite regelte für viele Jahre ein Polizist von einem Podest aus den Verkehr.