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Externe Lösung: Das Trierer Exhaus zieht zeitweise um

(Trier) Es war eine Hiobsbotschaft, die im Mai 2015 das Exhaus erschütterte: Weil das im Besitz der Stadt befindliche historische Gebäude in der Zurmaiener Straße aktuellen Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen nicht genügt, wurden dem Betreiberverein Exzellenzhaus strenge Auflagen gemacht (der TV berichtete). Jetzt gibt es eine Übergangslösung.

01.02.2016
Frank Göbel
Die Auflagen in Sachen Exhaus sind unmissverständlich: In den größten Saal dürfen bei Veranstaltungen nur noch maximal 200 Gäste, in das kleinere „Exil“ sogar nur 50. Entschieden zu wenig für die zugkräftigsten Events wie etwa das Bunker-bebt-Festival: Die traditionelle Leistungsschau der lokalen Musikszene am Jahresbeginn fiel kürzlich ebenso aus wie andere Veranstaltungen. 
Ein existenzbedrohliches Problem für das Jugendzentrum, das sein vielfältiges Engagement über eigene Veranstaltungen sowie die Vermietung der Räume finanziert.

Jetzt soll die größte Not aber entschieden gelindert werden: Das Jugendzentrum erhält ein Ausweichquartier am Domfreihof. „Bis zur vollendeten Ertüchtigung des Exzellenzhauses im Sinne von Brandschutz und Barrierefreiheit werden die Räumlichkeiten der ehemaligen ,Grünen Rakete’ zur Verfügung gestellt“, beantwortet der städtische Sprecher, Ralf Frühauf, eine Anfrage des Trierischen Volksfreunds.
Nach der Zusicherung der Stadt, das historische Gebäude in Trier-Nord für rund drei Millionen Euro zukunftssicher zu machen, ist das eine weitere gute Nachricht für den langjährigen Hausleiter Hilger Hoffmann: „Wir sind mit der Stadt schon lange auf der Suche und haben einige Locations wie etwa den Messepark oder das Walzwerk in Kürenz ins Auge gefasst, die sich aber letztlich als ungeeignet erwiesen haben.“

Die Nachricht, am Domfreihof einziehen zu können, bedeute darum eine riesige Erleichterung. „Vor allem, weil sich das am Anfang so angehört hat, als bräuchten wir uns eigentlich nur noch den Schlüssel abholen“, sagt Hoffmann.
Ganz so schnell geht es nun aber doch nicht: „Der Eröffnungstermin ist noch nicht mit Gewissheit zu datieren“, schränkt Ralf Frühauf ein. Derzeit peile man im Rathaus Anfang Mai an. Grund für die Verzögerung: Auch am Domfreihof muss einiges auf Vordermann gebracht werden. Die Räume, im Zentrum ein großes Tunnelgewölbe, sind seit August 2014 nicht mehr genutzt worden. 
Der bisher letzte Mieter war der Club Grüne Rakete – beziehungsweise dessen Trägerverein Kunst- und Kulturförderung. Dieser war 2009 maßgeblich durch Franceso Senna gegründet worden, der damals auch Betreiber mehrerer Diskotheken war. Deren Insolvenzen folgte 2014 der Zusammenbruch des Kulturvereins und damit die Schließung des Cafe Kokolores im Erdgeschoss und der Rakete im Keller.

Der neue Mieter wird am Domfreihof für einiges Aufsehen sorgen. Mit dem denkmalgeschützten Turm Jerusalem, in dem fast täglich geheiratet wird, der Bücherei und der Volkshochschule sowie der umliegenden Gastronomie finden sich schließlich jede Menge Nachbarn, die auf gepflegtes Ambiente Wert legen – vom Dom ganz zu schweigen.
„Wir stehen da unter ganz strenger Beobachtung“, ist sich Exhaus-Leiter Hoffmann jedenfalls sicher. „Das treibt uns aber nur an, in der Rakete einiges besser zu machen und für alle Beteiligten akzeptable Bedingungen zu schaffen.“ Das Exhaus ist beliebter Anlaufpunkt für viele illustre Subkulturen, denen man nachsagt, dass sie gerne mal etwas rustikaler feiern.
 
Der Streetworker Cornelius Günther warnt aber vor Vorurteilen: „Meiner Erfahrung nach benehmen sich zum Beispiel Punks viel zivilisierter, als viele Leute das vielleicht denken.“ Krasse Enthemmungen und Kontrollverluste erlebe man viel eher bei Studenten, „die nach außen schön brav wirken“.
Eine Sichtweise, die Günthers Chef Hoffmann teilt: So sei das kürzlich vom Exhaus in die Arena verlegte Summerblast-Festival für die Sicherheitskräfte extrem ruhig verlaufen. „Und das bei 2800 Besuchern!“ 
Für einen ganz so großen Ansturm muss sich der Domfreihof aber ohnehin nicht wappnen: Das Exhaus wird nur eine der beiden verfügbaren Ebenen für Publikum nutzen: Dieser Gewölbekeller, den die Stadt von der Nikolaus-Koch-Stiftung anmietet, fasst etwa 300 Gäste.

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