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Feuerball über der Region unterwegs: Augenzeugen berichten begeistert von verglühendem Meteoren

(Trier/Luxemburg) Wer am Donnerstagvormittag keine Zeit hatte, in den Himmel zu schauen, dürfte sich nun ärgern. Denn zahlreiche Augenzeugen berichten von einem hellen Feuerball mit langem Schweif. Laut Max-Planck-Institut für Radioastronomie handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Meteoriten, der so tief in die Atmosphäre eintauchte, dass er verglühte.

25.02.2016
Katharina de Mos
„Ech hun gemengt ech gif spennen“ (frei übersetzt: Ich dachte, ich spinne) schreibt eine Luxemburgerin auf Facebook angesichts dessen, was sie am Donnerstagvormittag gegen halb 12 in Perl an der Mosel sah: Ein „riesiger Feuerball“ raste über den Himmel. „Sichtbar war eine recht kurze, fast senkrechte Flugbahn von oben nach unten mit Spektralfarben grün (im oberen Teil) und orange/weiß zur Erde hin. Die Erscheinung hat sich über dem Horizont aufgelöst“, schreibt ein anderer Augenzeuge, der das Phänomen von Bollendorf aus beobachtete. 

Auch im Saarland und in zahlreichen Orten der Region Trier staunten Augenzeugen über das Himmelsphänomen. Eine TV-Leserin aus Konz schreibt, es war „sehr schnell und sehr hell, mit Schweif.“ Für einen Trierer sah es gar so aus, als sei das Objekt bei Mariahof in einem sehr steilen Winkel abgestürzt – von einem Einschlag ist allerdings nichts bekannt.

Was bitte war denn da am Donnerstagvormittag im Himmel über der Region los? Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat auf die TV-Anfrage keine Antwort, denn es gab dort „keine Meldung über etwas Außergewöhnliches“. Allerdings würden Himmelslaternen oder Drohnen auch nicht vom Radar erfasst, sagt eine DFS-Sprecherin. Riesengroße Vogelschwärme hingegen tauchten zuweilen auf dem Radar auf. 

Tatsächlich war am Donnerstag das Krächzen von Kranichen über der Region zu hören. Nur haben die mit einem Feuerball in etwa so viel Ähnlichkeit wie ein Katzenbaby mit einem Bulldozer. 

Zum Glück gibt es da noch das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Die Wissenschaftler erforschen das Universum im Bereich der Radiowellen, „die einen ganz anderen Zugang zum Kosmos liefern als das sichtbare Licht, wie wir es mit unseren Augen sehen“, sagt deren Sprecher Norbert Junkes. 

Dennoch kann er auch über die außergewöhnlich sichtbare Himmelserscheinung über der Region Auskunft geben: Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um einen Meteoren – einen wie Junkes sagt „etwas größeren Brocken“ – der mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eingetreten und als Feuerball verglüht ist. „Das klingt stark danach“, sagt der Institutssprecher angesichts der  Augenzeugenberichte. Solche extrem hellen Ereignisse seien eher selten.

„War en fantastechen Moment, an Héngerhaut geht engem do äus“ (frei übersetzt: Das war ein fantastischer Moment. Da kriegt man Gänsehaut), schreibt ein Luxemburger über seine erste Begegnung mit einem Feuerball. Fotos von dem Phänomen gibt es offenbar leider keine. 

Extra

Der wohl größte Meteorit seit dem spektakulären Absturz eines Meteoriten in Russland (siehe Foto) ist erst kürzlich nahezu unbemerkt über dem Atlantik explodiert. Nach Aufzeichnungen der Nasa trat der Himmelskörper am 6. Februar rund 1800 Kilometer vor der Küste Brasiliens in die Erdatmosphäre ein. Der Meteorit setzte eine Energie von 13 Kilotonnen TNT frei.

Die Auswirkungen seien vergleichsweise gering gewesen, schrieb Wissenschafts-Blogger Phil Plait. In einem bewohnten Gebiet hätten vermutlich „ein paar Fenster gescheppert“, ernsthafte Schäden hätte es aber nicht gegeben.

Die Druckwelle eines in der Region Tscheljabinsk im russischen Uralgebirge explodierten Meteoriten hatte im Februar 2013 Tausende Gebäude beschädigt. Zerplatzte Fensterscheiben verletzten etwa 1500 Menschen. Forschern zufolge hatte der Stein ein Gewicht von 10.000 Tonnen, einen Durchmesser von bis zu 20 Metern und war mit einer Energie von 500 bis 600 Kilotonnen TNT explodiert – das entspricht dem 30- bis 40-Fachen der Hiroshima-Atombombe. dpa

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