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Flächennutzungsplan 2030 hat es in sich - Jetzt ist die Meinung der Bürger gefragt

Noch keine Entscheidung zu Wohngebiet Brubacher Hof

(Trier) Die Diskussion um den Flächennutzungsplan birgt Sprengstoff. Denn es geht um die Zukunft der Stadt Trier. Mit der Bürgerbeteiligung wollen Verwaltung und Rat nun zusätzliche Erkenntnisse und Argumentationshilfen erhalten, zum Beispiel für oder wider ein Wohngebiet Brubacher Hof.

18.01.2016
Rainer Neubert
Trier. Wer sich im blauen Verwaltungsgebäude IV am Augustinerhof den Entwurf für den Flächennutzungsplan (FNP) ansehen will, findet dort eine bunte Karte mit dem Stadtgebiet von Trier. Trotz ihrer Plakatwand-Dimension ist sie viel zu klein, alle Details des komplexen Planwerks zu zeigen. Die Erläuterungen von Gerd Olk sind deshalb stark gefragt. "Das Interesse an dem Entwurf ist groß", sagt der Mitarbeiter des Baubürgerbüros. Es gebe häufig auch Nachfragen zu besonderen Fragen.
Der FNP legt fest, welche Nutzung für welche Fläche möglich ist. Bis 4. März kann jeder Bürger der Stadt den Plan und die drei dazugehörigen Aktenordner sichten und seine Meinung dazu abgeben (siehe Extra). Gemeinsam mit den Stellungnahmen der sogenannten "Träger öffentlicher Belange" wie Wirtschaftskammern, Umweltverbände oder Polizei werden diese individuellen Meinungsäußerungen dann von den Gremien des Stadtrates diskutiert und - je nach Entscheidung des Rates - in den FNP-Entwurf eingearbeitet. "Wir kommen mit dem Flächennutzungsplan nun in die entscheidende Phase", sagt Baudezernent Andreas Ludwig. "Wer eine Meinung hat, soll sie nun sagen. Wir sind gespannt darauf."
Besondere Bedeutung hat die Bürgerbeteiligung auch deshalb, weil sich Stadtverwaltung und Rat neue Hinweise und Argumentationshilfen zu den möglichen Baugebieten Brubacher Hof bei Mariahof und Unterm Langenberg zwischen Euren und Zewen erhoffen. Der Stadtrat hat beschlossen, dass nur eines von beiden in die FNP-Schlussfassung übernommen werden soll.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Gegen den Landfraß" wollen deshalb die Chance nutzen, ihre Ablehnung einer großflächigen Wohnbebauung bei Mariahof zu äußern. BI-Sprecher Ingo Hennen hat allerdings Zweifel am Erfolg: "Das Gebiet ist im Vergleich am leichtesten zu vermarkten, deshalb hat sich die Stadtplanung schon entschieden." 2500 Unterschriften gegen das Baugebiet sollen dem Protest zusätzliches Gewicht geben.
Weniger pessimistisch fällt die Beurteilung der Auslegung des FNP-Entwurfs in Kürenz aus. Ortsvorsteher Bernd Michels hat für heute sogar zu einer Bürgerinformation eingeladen. Beginn ist um 19 Uhr im Pfarrsaal St. Bonifatius. "Für unseren Stadtteil bieten sich derzeit Chancen, wie wir sie in den nächsten 100 Jahren nicht mehr bekommen werden", ist Michels überzeugt. Moselbahndurchbruch, Walzwerk, Bahnhaltepunkte und Ortsumgehung sind nur einige Stichworte, mit denen er diese Einschätzung unterstreicht. "Ich möchte, dass sich die Betroffenen aktiv beteiligen und ihre Meinung klar darstellen."
Zumindest mit Blick auf eine Neuordnung der Nahversorgung in Kürenz bekommt er dafür auch aus dem Nachbarstadtteil Unterstützung. Die Beschäftigten des Lebensmittelmarkts im Gartenfeld halten nichts von neuer Konkurrenz und rufen ihre Kunden auf, im Rahmen der FNP-Bürgerbeteiligung gegen Veränderungen in Kürenz zu protestieren.
Wie es zeitlich nach dem 4. März weitergeht, ist laut Heike Defourny, FNP-Koordinatorin im Stadtplanungsamt, noch nicht klar. "Es gibt noch keinen konkreten Zeitplan für das weitere Vorgehen." Eine erneute Beteiligung für alle geänderten Bereiche des Planentwurfes sei aber Pflicht. "Um den Flächennutzungsplan 2030 noch in diesem Jahr abzuschließen, muss wirklich alles ineinandergreifen."
Meinung
Es geht um die Zukunft Triers

Der Flächennutzungsplan 2030 ist in seiner Komplexität schwere Kost. Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick ist die Fülle der Informationen kaum überschaubar. Das kann sie auch nicht sein, denn bei dem Planwerk geht es um nicht weniger als die Zukunft der Stadt Trier und ihrer Stadtteile, Grünflächen und Wälder weit über das Jahr 2030 hinaus. Die Eckpunkte für alle räumlichen Entwicklungen werden in dem Planwerk definiert. Zwar bedeutet das nicht, dass in 20 Jahren ein Wohngebiet, eine Umgehungsstraße oder eine Gewerbefläche tatsächlich dort entstanden ist, wo es laut Plan möglich ist. Die Definition für alle Bodennutzungen wird aber festgeschrieben. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen mit dem Entwurf befassen und ihre Meinung sagen. Wer es nicht tut, darf sich später nicht über Entwicklungen beklagen, die ihm nicht passen. r.neubert@volksfreund.de
Extra
Bürgerbeteiligung: Die Unterlagen zum Flächennutzungsplan 2030 können im Baubürgerbüro im Erdgeschoss von Gebäude VI (blaues Gebäude am Hochbunker) am Augustinerhof eingesehen werden. Das Büro ist montags bis mittwochs und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet sowie donnerstags von 8.30 bis 16.30 Uhr. Stellungnahmen können bis 4. März per Post an das Stadtplanungsamt, Am Augustinerhof, 54290 Trier, geschickt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, im Baubürgerbüro eine mündliche Erklärung zu Protokoll zu geben. Unter www.trier.de/bauleitplanung (Aktuelle Verfahren) steht zudem ein Formular für Online-Eingaben bereit. Alle Teilnehmer erhalten nach Ende der Offenlage eine Eingangsbestätigung und im weiteren Verlauf eine Mitteilung, wie über ihre Eingabe entschieden wurde. red

 

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