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Gastronomen in Trierer Innenstadt sollen stille Örtchen öffnen

(Trier) Nicht nur in Zügen sind Toiletten derzeit ein Thema, sondern auch in der Trierer Innenstadt. Mehr als vier Millionen Tagestouristen pro Jahr und nur drei öffentliche Toilettenanlagen in der City, die in teils schlechtem Zustand sind: Dieses Problem will die Stadtverwaltung Trier angehen und denkt dabei über eine Kooperation mit den Restaurants, Kneipen und Cafés der Innenstadt nach.

29.01.2016
Christiane Wolff, Michael Schmitz
Etwa drei Quadratmeter groß ist der Raum, in dem Georg Vogt seine Tage verbringt. In der einen Ecke ein kleiner Kühlschrank, darauf eine Kaffeemaschine und eine Tüte Toastbrot. In der anderen Ecke der Kärcher-Dampfreiniger. "Für die Grundreinigung", sagt Vogt.

Zusätzlich geht er regelmäßig mit dem Lappen über die Schüsseln und Urinale der Toilettenanlage, die sich an den winzigen Aufenthaltsraum anschließen. Seit Januar betreibt Vogt im Auftrag der Stadtverwaltung die öffentliche Toilettenanlage unter dem Trierer Hauptmarkt. 20 Pissoirs, dazu je zwei Kabinen für Männer und für Frauen.


Die Anlage war seit längerem geschlossen, bevor Vogt übernommen hat. Denn einträglich ist das Geschäft nicht: 600 Euro pro Monat erhält der Trierer von der Stadt als Aufwandsentschädigung. "Davon kaufe ich auch Toilettenpapier, Putzmittel, Seife", sagt Vogt. 50 Cent kostet Passanten die Nutzung des stillen Örtchens. An diesem Donnerstag im Januar waren allerdings bis 16 Uhr noch keine 20 Gäste da. "Macht weniger als zehn Euro", sagt Vogt. "Aber immer noch besser als arbeitslos."

100 Städte machen mit


Von der Idee des politischen Vereins Freie Wählergemeinschaft (FWG) Trier, dass die Gastrobetriebe in der City demnächst die sanitären Anlagen ihrer Restaurants, Kneipen und Imbisse den Besuchern der Stadt kostenfrei zur Verfügung stellen sollen, hält Vogt nichts: "Nicht nur, weil das meinen Job überflüssig machen würde. Sondern weil ich glaube, dass da die Gastronomen nicht gerne mitmachen. Welcher Restaurantbetreiber will schon, dass eine Touristengruppe mit 30 Leuten zwischen den Tischen durch zur Toilette trampelt?".

Deutschlandweit haben allerdings schon mehr als 100 Städte - darunter Wittlich - das von einer Werbeagentur aus Aalen (Baden-Württemberg) entwickelte Konzept "Nette Toilette" umgesetzt. Zum Kooperationsvertrag zwischen Kommunen und Betrieben gehört die Vereinbarung, dass die Gastronomen den Passanten freien Zugang zu den Toiletten gewähren - ohne, dass die Leute etwas verzehren müssen. Die Städte übernehmen die Vermarktung der "Netten Toiletten" und drucken Aufkleber und Stadtpläne, die auf den Gratis-Service hinweisen. Außerdem zahlen die Kommunen den Betrieben eine Art Aufwandsentschädigung, in Wittlich zwischen 20 und 40 Euro pro Toilettenschüssel und Monat - je nachdem, ob das Klo barrierefrei oder über Stufen zu erreichen ist.

Auch OB will Verbesserung


Die FWG hatte die Idee, die Umsetzung des "Nette-Toilette"-Konzepts in Trier zu prüfen, in die jüngste Sitzung des städtischen Steuerungsausschusses eingebracht - und dafür die breite Zustimmung des Ausschusses erhalten. Ob "Nette Toilette" oder ein anderes Konzept - wichtig sei, dass die Situation möglichst schnell verbessert werde, betonte auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Die Stadtverwaltung sei daher seit längerem dabei, entsprechende Ideen zu entwickeln. "Neulich hatte ich alle Stadtführer - mehr als 100 insgesamt - zum Gespräch ins Rathaus eingeladen. Ihr dringendstes Anliegen war, dass wir mehr Toilettenmöglichkeiten für die Touristen schaffen müssen, die öffentlichen Anlagen reichen einfach nicht aus."

Thomas Egger, Stadtbeigeordneter und Geschäftsführer der Trier Tourismus Management GmbH TTM, betont: "Die drei zentralen öffentlichen Toilettenanlagen sind in quantitativer und qualitativer Hinsicht nicht in ansprechendem Zustand." Die TTM helfe daher gerne bei der Ausarbeitung des Projektplans "Nette Toilette".

Wittlich hat das Konzept "Nette Toilette" bereits vor zwei Jahren eingeführt. "Der Grund dafür war, dass es in Wittlich nur zwei öffentliche Toilettenanlagen gab, deren Zukunft durch bevorstehende Bauprojekte gefährdet war", sagt Carsten Mathar, Geschäftsstellenleiter des Vereins Wittlicher Stadtmarketing. Anders als in Wittlich gibt es in Trier dagegen nicht nur mehrere öffentliche Toiletten (siehe Extra), sondern neben Kaufhof, Karstadt und Trier-Galerie in der City auch noch mehrere Parkhäuser mit größeren Toilettenanlagen. Während die Nutzung in den Parkhäusern kostenlos ist, bitten die Betreiber in Kaufhof, Karstadt und Trier-Galerie die Besucher um 50 Cent.

"Trotzdem würde ich Trier die Umsetzung des ,Nette-Toilette’-Konzepts empfehlen", sagt Mathar. "Es ist eine Win-win-Situation: Stadtbesucher werden den Service schätzen und als positives Signal empfinden. Die Gastro-Betriebe werden von potenziellen Kunden aufgesucht, die vielleicht für einen Kaffee oder ein Essen wiederkommen."

Liebe Leserinnen und Leser, was halten Sie von der Idee, Gastronomie-Toiletten öffentlich zugänglich zu machen und das mit städtischen Mitteln zu fördern? Bitte mailen Sie uns Ihre Meinung an echo@volksfreund.de. Name und Anschrift bitte nicht vergessen.
Meinung
Unser Klo soll schöner werden

Gibt es nichts Wichtigeres in Trier, als über Klos zu diskutieren? Klar, mit diesem Argument und dem Blick auf Themen wie die Verkehrs- oder Finanzprobleme der Stadt wäre die "Nette Toilette" schnell vom Tisch. So einfach sollte man sich das aber nicht machen. Denn eine Stadt, die so stark vom Tourismus und vom Einzelhandel lebt wie Trier, muss sich eigentlich ständig fragen, ob das Bild, das sie abgibt, ein vernünftiges ist. Deshalb ist es so wichtig, die Bahn zu drängeln, dass der Hauptbahnhof endlich saniert wird. Deshalb ist es so wichtig, das Pflaster in der Fußgängerzone instand zu halten. Und deshalb ist es so wichtig, dass auf die Einhaltung der Werbe- und Gestaltungssatzung genau geachtet wird. Man kann den Freien Wählern daher durchaus dankbar sein, dass sie nun auch die öffentlichen Toiletten in den Fokus gerückt haben. Wenn sich hier etwas verbessert, ist das sicher kein Schaden für die Stadt. Dabei ist aber nicht nur die Verwaltung in der Pflicht. Sondern es sind auch diejenigen, die vom schönen Stadtbild und der funktionierenden touristischen In frastruktur profitieren: Handel, Gastronomie und Gewerbe. Also: Setzt euch zusammen und verschafft uns die nette Toilette! m.schmitz@volksfreund.de
Extra
"Toilettenbenutzung nur für unsere Gäste", prangt deutlich auf gleich zwei Zetteln an einem Restaurant am Basilikavorplatz in Trier. In den meisten anderen Gastrobetrieben der City dürfen Touristen dagegen durchaus die sanitären Anlagen benutzen, ohne ein Getränk oder einen Kaffee zu sich zu nehmen - meist allerdings gegen einen Obolus von 50 Cent. Auch im Café/Restaurant Zur Steipe am Hauptmarkt hängt vor den Toiletten ein Zettel mit dem Hinweis, dass die Nutzung für alle, die nicht Gast des Hauses sind, 50 Cent kostet. "Aber wir kontrollieren das nicht und gehen damit auch eher locker um", sagt Geschäftsführer Andreas Jungbluth. "Die meisten, die von der Straße reinkommen, fragen aber freundlich nach und legen dann später 50 Cent auf die Theke." Ein allzu großes Thema sei die Sache ohnehin nicht. Würde das Konzept "Nette Toilette" eingeführt, könnte sich das allerdings ändern, meint Jungbluth. "Wenn man die Toilettennutzung offensiv bewirbt, dann ist der Andrang sicherlich größer - und unser Aufwand dafür auch. Um zu beurteilen, wie ich zu der Idee stehe, muss ich das erst noch mal durchdenken." woc
Extra
In der Trierer City gibt es drei öffentliche Toilettenanlagen: am Simeonstiftsplatz, auf dem Hauptmarkt und im Palastgarten, Nähe Basilika. Dazu kommen sieben weitere öffentliche Anlagen, die in unterschiedlicher Form betrieben werden: Die öffentlichen Toiletten am Simeonstiftsplatz und im Bereich des Petrisparks werden von den dortigen Gastronomen mitbetrieben und unterhalten. Für die Anlagen unter dem Hauptmarkt, im Palastgarten, am Friedhof St. Matthias, am Friedhof St. Paulin und an der Kyllstraße in Ehrang fallen jährliche Gesamtkosten für Strom, Gas, Wasser und Reinigung sowie sonstige Aufwendungen in Höhe von 35 000 bis 40 000 Euro an. Drei weitere öffentliche automatische Anlagen werden in der Stadt von einem Konzessionär, der auch die öffentlichen Außenwerbeflächen in der Stadt betreibt, unterhalten. Bis auf die Toilettenanlagen unter dem Hauptmarkt und die beim Brunnenhof/Simeonstiftsplatz sowie die Automatenanlagen sind alle öffentlichen stillen Örtchen kostenlos. woc

 

 

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