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Gute Zahlen, große Sorgen

(Trier) Die Volksbank Trier wächst, das belegen die Geschäftszahlen des Jahres 2016 klar. Dennoch macht sich der Vorstand Sorgen über die "europäische Regulierungswut" und räumt ein, nicht alle 43 Filialen auf Dauer halten zu können.

21.03.2017
Jörg Pistorius
Trier 2016 war ein gutes Jahr für die Volksbank Trier. "Zwei Jahre nach dem Zusammenschluss der Volksbanken Trier und Hochwald-Saarburg sind alle Fusionsarbeiten abgeschlossen", sagte Volksbank-Vorstand Alfons Jochem während der Bilanzpressekonferenz am Montagabend im neuen Beratungszentrum gegenüber dem Viehmarkt.
Auch sein Kollege Norbert Friedrich lässt Zufriedenheit mit den Geschäftszahlen des vergangenen Jahres erkennen. "Wir wachsen stetig und haben unsere Bilanzsumme um 6,2 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro erhöht." Das Gesamtkundenvolumen sei um 6,5 Prozent angestiegen und weise ein Ergebnis von 3,1 Milliarden Euro aus. Das Betriebsergebnis liege bei 13,5 Millionen Euro. Die Dividendenausschüttung für die fast 38 000 Mitglieder wird ebenso wie 2015 vier Prozent betragen.
Also alles im grünen Bereich? Nicht direkt. Die Pressekonferenzen der Volksbank zeichnen sich dadurch aus, dass die Vorstände offen ihre Sorgen und Nöte schildern. Deren Spitzenreiter bleibt die Zinslage.
"Was früher unvorstellbar war, ist heute Realität", sagen die Vorstände. "Hohe Einlagenvolumina bringen die Banken in die Bredouille und können zum Minusgeschäft werden." Die Volksbank müsse 0,4 Prozent ihrer Liquiditätsmasse an Zinsen an die Europäische Zentralbank zahlen. "Und auch 2017 wird es keine nachhaltigen Zinssteigerungen geben."
Nummer zwei auf der Sorgenskala ist die "europäische Regulierungswut", so die Worte von Alfons Jochem. "Neben den Negativzinsen belasten regulatorische Vorgaben wie die 2016 neu eingeführte Wohnimmobilienkreditlinie das Kreditgeschäft insbesondere mit jungen Familien und älteren Kunden." Mittlerweile binden diese Regularien eine komplette Arbeitskraft, die sich um nichts anderes kümmert.
Die Volksbank Trier hat zurzeit 321 Mitarbeiter und führt 43 Filialen. "Wir werden diese Filialen nicht alle auf Dauer halten können", räumt Jochem ein. Konkrete Schließungen seien für 2017 jedoch nicht geplant. "Wir bieten in den Filialen eine Dienstleistung an, die immer weniger nachgefragt wird." Wer die Kommunikation mit der Volksbank online führen wolle, "dem stellen wir die geeignete Plattform zur Verfügung", sagt Jochem. Als Beispiele nennt er das Versenden von Kleinbeträgen bis 30 Euro per Handy ohne Überweisungsauftrag und das einfache Abfotografieren und Einlesen einer Rechnung.
Ein großer Erfolg sei das Spendenportal "Viele schaffen mehr". Dieses dreht sich um Projekte auf Vereins- und Ortsebene, die auf privater Basis angestoßen und über Spenden finanziert werden. Das Prinzip: Für jede Spende ab fünf Euro gibt die Volksbank zehn Euro dazu. In den ersten vier Monaten wurden zehn Projekte realisiert. 50 000 Euro an Spendengeldern kamen zusammen, die Hälfte davon hat die Volksbank Trier als Co-Sponsor getragen.

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