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Hängepartie nach Bruch der Stützmauer im Trier-Palliener Mühlenweg

(Trier-Pallien) Zwei Monate nach dem Bruch der Stützmauer ist noch kein Neubau in Sicht, weil zu viele Fragen offen sind. Die Bewohner des Bachtals können ihre Häuser weiterhin nur zu Fuß erreichen.

14.11.2017
Roland Morgen
Den Boden unter den Füßen verlieren - das sprichwörtliche Schicksal ist den Bewohnern des oberen Palliener Mühlenwegs erspart geblieben. Es war gegen 22.15 Uhr am 13. September, als die Stützmauer nahe der Napoleonbrücke barst und mit ihr die Straße. Kubikmeterweise rauschten Steine und Erdreich hinab in den Sirzenicher Bach, auch ein Stück Straße verabschiedete sich Richtung Tiefe (der TV berichtete).

Zum Glück war spät abends niemand im Mühlenweg unterwegs. So blieb es für die Anwohner beim Schrecken. Doch der Boden bleibt weiterhin verloren und damit ist der Mühlenweg mit Autos nicht mehr befahrbar. Lediglich Fußgänger können ihn passieren. Mauer und Straße müssen an der beschädigten Stelle neu gebaut werden. Stadt-Pressesprecher Michael Schmitz macht keine Hoffnung, dass das so schnell passieren wird. "Derzeit arbeitet ein externes Ingenieurbüro die möglichen Instandsetzungsvarianten aus. Wenn klar ist, auf welche Weise Mauer und Straße instand gesetzt werden, können die Kollegen vom Tiefbauamt die Arbeiten ausschreiben", erläutert Schmitz. Seine Einschätzung: "Baubeginn frühestens im ersten Quartal 2018." Dauer: noch unklar.

Denn es ist ganz offenkundig nicht damit getan, einfach "nur" ein großes Loch zu schließen und eine Fahrbahn darüber zu legen. Es müssen Ver- und Entsorgungsleitungen berücksichtigt und möglicherweise umgeleitet werden, was das ganze Projekt kompliziert macht, und, wie es aus dem Rathaus heißt, "die Kosten maßgeblich beeinflussen kann".

Die sechs Bewohner der drei von der Mühlenweg-Sperrung betroffenen Häuser müssen derweil ihre Fahrzeuge in einiger Entfernung parken. Mal kurz vorfahren um Einkäufe abzuladen - das geht bis auf weiteres nicht. Für Cornel Böhning, Besitzer des mittleren Hauses, hat sich das vermeintlich größte Problem inzwischen erledigt. Er hatte befürchtet, dass sein Propangas-Tank vor dem Winter nicht mehr aufgefüllt werden könnte. Die Anlieferung vergangene Woche habe sich schwierig gestaltet, weil die Distanz zwischen Tankwagen und Gastank "ziemlich groß war und mit dem Schlauch der Bach überbrückt werden musste, aber es hat dann doch alles geklappt. Jetzt muss ich nicht frieren." Er wie auch die Nachbarn würden die ungewohnte Situation "mit Fassung tragen. Es gibt wirklich Schlimmeres", sagt Böhning.

Die Ursache des Mauerbruchs ist weiterhin unklar. "Wir wissen noch nichts Neues", sagt Schmitz. Aufschluss erhoffe man sich von den Untersuchungen der Ingenieure.
Auch zum Alter der heute komplett aus Sandstein bestehenden Mauer gibt es im Rathaus keine Erkenntnisse. Auf historischen Aufnahmen und auf gemalten Bildern aus dem frühen 20. Jahrhundert präsentiert sie sich noch teilweise mit einem Holzgeländer.
Extra: SPAZIERWEG UND MATTHIASPILGER-ROUTE

Der Mühlenweg hat seinen Namen offiziell erst seit 1913. Damals war Pallien frisch nach Trier eingemeindet und über die Kaiser-Wilhelm-Brücke direkt an die Stadt angebunden. Mühlen dürfte es entlang des Sirzenicher Bachs schon im Mittelalter gegeben haben. Der obere Teil des Weges endet für Fahrzeuge in einer Sackgasse. Hinter dem letzten Haus geht es über Treppenstufen weiter. Seine Bedeutung als beliebte Spazierroute hat der Mühlenweg mit dem Niedergang der Ausflugsgastronomie im benachbarten Busental (von Boussenthall = Waldtal) eingebüßt. Heutzutage sind hier vor allem Wanderer und Pilger unterwegs: Der Mühlenweg ist Teil der 14. und letzten Etappe des Fernwanderwegs des Eifelvereins von Aachen zum Apostelgrab in Trier-Süd. Die von Wintersdorf kommenden Matthias pilger gehen aber nicht unter der Napoleonbrücke hindurch bis nach Alt-Pallien, sondern biegen auf die Bitburger Straße ab in Richtung Kaiser-Wilhelm-Brücke.