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Hilfe in brenzligen Situationen

Nathalie Beßler engagiert sich in der Gemeinschaft für Psychologische und Soziale Dienste

Nathalie Beßler (33) ist Mitglied in der Gesellschaft für Psychologische und Soziale Dienste (GPSD) in Trier. Der Verein ist eine Beratungsstelle für Themen wie Schulden, Sozialrecht und psychologische Probleme, vor allem für Menschen mit einer chronischen Erkrankung. In der TV-Serie "Mein Verein" erzählt Beßler, selbst an Multiple Sklerose erkrankt, wie sie berät und in schwierigen Situationen weiterhilft.

03.02.2015
Aufgezeichnet Nina Wuttke
Als ich vor fünf Jahren meine Diagnose erhielt, traf es mich wie ein Schlag. Man denkt: "Das Leben ist vorbei", aber das stimmt nicht. Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Krankheit, die das zentrale Nervensystem befällt und dabei das Gehirn, Sehnerven und Rückenmark schwächen kann. Die meisten denken, wer Multiple Sklerose hat, landet im Rollstuhl. Dabei trifft das eigentlich nur in einem Drittel der Fälle zu.

TV-Serie Mein Verein



Man kann also trotz Krankheit sein Leben ganz normal weiterführen und muss nicht direkt alles über den Haufen werfen. Genau da kommt die Gesellschaft für Psychologische und Soziale Dienste (GPSD) ins Spiel: Wir helfen Betroffenen dabei, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und beraten sie bei allen wichtigen Lebensentscheidungen. Ich bin selbst 2010 zur GPSD gegangen, um mir dort helfen zu lassen, und ich muss sagen: Ich bin diesem Verein hier wirklich dankbar!
Dadurch, dass ich mich mit meiner Krankheit auseinandergesetzt habe, kam ich besser damit zurecht. Ich habe gemerkt, dass ich anderen, die in einer ähnlichen Situation stecken, helfen möchte. Daraus wurde dann unser erstes Projekt "Tag". Es startete 2012 und lief bis Ende vergangenen Jahres. "Tag" richtete sich vor allem an Neudiagnostizierte und junge Erwachsene mit MS. Mit diesem Projekt wollten wir den Betroffenen ein Beratungsangebot liefern, um Wissenslücken zu schließen und Vorurteile über die Krankheit aus dem Weg zu räumen. Diese Panik aufgrund des Nicht-Bescheid-Wissens muss aufhören. Der zweite Schwerpunkt lag auf einem auf MS-Kranke abgestimmtem Sport- und Bewegungsangebot. Den MS-Krafttrainingskurs gibt es bis heute.
Vor kurzem ist unser neues Projekt "Tims" gestartet. "Tims" (Trierer Informationsstelle Multiple Sklerose) richtet sich nicht nur an die Betroffenen selbst, sondern auch an ihre Angehörigen. Denn was macht man, wenn die Freundin oder die Tochter plötzlich die Diagnose erhält, chronisch krank zu sein? Wir bieten dafür eine telefonische und psychologische Beratung an. Außerdem wird es viele Seminare und Vorträge zum Thema MS geben, um den Leuten alle wichtigen Informationen zu vermitteln. Natürlich hilft die GPSD nicht nur MS-Kranken. Wir beraten Schuldner, bieten psychologische und Sozialrechtsberatung an. Oft hängen aber viele Probleme zusammen: Wer krank ist, zieht sich zurück, hört auf zu arbeiten und gerät schnell in eine Verschuldung. Wir versuchen, die Menschen aus dieser Abwärtsspirale herauszuholen und ihnen wieder auf die Beine zu helfen.
Das Besondere an unseren Projekten ist: Sie sind von Betroffenen für Betroffene. Wir versuchen ,Neulingen\' die Angst zu nehmen, Fragen zu beantworten und mit ihnen Erfahrungen auszutauschen - also eine ,Infrastruktur\' zu entwickeln. Jeder, der uns dabei helfen möchte oder Hilfe braucht, ist hier willkommen.
Aufgezeichnet von Nina Wuttke
Extra
Der Verein Gesellschaft für Psychologische und Soziale Dienste (GPSD) wurde im Jahr 2000 gegründet und zählt aktuell 48 Mitglieder. Er hat seinen Sitz in der Saarstraße 51-53 in Trier-Süd, wo regelmäßig Vorträge und Seminare zu verschiedenen Themen stattfinden. Darüber hinaus gibt es ein persönliches und telefonisches Beratungsangebot für alle, die Fragen haben. Dies ist von montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 0651/9760830 möglich. Die Leiter der administrativen und psychologisch-pädagogischen Abteilungen sind Markus Tyrell und Jürgen Birster. nw gpsd-trier.de