Autor: Von unserem Redakteur Jörg Pistorius Ort: TrierDruckenE-Mail
Hilfspolizist in Trier: Nur zu zweit auf Parkraumstreife
24 Hilfspolizisten fahnden täglich nach Falschparkern in Trier und klemmen die als Knöllchen verhassten kostenpflichtigen Verwarnungen an die Windschutzscheiben. Einer von ihnen hat genug: "Die Stadt schickt uns immer häufiger allein los. Wir werden ständig beleidigt und attackiert."
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Eine Doppelstreife in Aktion: Zwei Hilfspolizistinnen kontrollieren in der Rindertanzstraße. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. "Wenn diese Einzelstreifen nicht aufhören, werde ich den Dienst quittieren." Der Hilfspolizist bittet darum, seinen Namen nicht zu nennen. "Die Situation wird immer schlimmer, die Stimmung bei uns ist katastrophal." In der kommenden Woche wollen die Hilfspolizisten mit Oberbürgermeister Klaus Jensen reden. "Der Termin steht bereits. Wir werden fordern, diesen Irrsinn abzustellen, der uns allmählich krank und kaputt macht."
Rückendeckung und Unterstützung
Wer Knöllchen verteilt, sollte immer zu zweit unterwegs sein und damit auf die Rückendeckung und Unterstützung des Partners zurückgreifen können - so lautet das Kernargument der Parkraumfahnder. "Die falsch parkenden Fahrer reagieren völlig anders, wenn sie sehen, dass der Kollege, der sie verwarnt, allein unterwegs ist", sagt der Mitarbeiter. "Beschimpfungen und verbale Attacken kommen ständig vor. Deshalb sind auch immer wieder viele von uns krank." Was dann zu weiteren Einzelstreifen führt.
Doch nicht nur die Personalplanung stört den Mann, der laut eigener Aussage täglich bis zu 50 Protokolle schreibt. "Die Stadt lässt es so aussehen, als seien wir ein großes Minusgeschäft, dessen Kosten die durch Verwarnungen erzielten Einnahmen übersteigen." Doch das sei falsch. "Ich nehme mein Gehalt manchmal an drei oder vier Tagen durch Verwarngelder wieder ein. Doch die Stadt will offenbar um jeden Preis den Eindruck vermeiden, sie erziele Gewinne mit dem Abkassieren von Falschparkern."
SPD-Stadtrat und Rechtspfleger Peter Spang bestätigt den Eindruck des Hilfspolizisten: "Im Gegensatz zu vielen anderen Haushaltspositionen rechnet die Verwaltung in der Überwachung des ruhenden Verkehrs alle möglichen zusätzlichen Kosten den Einnahmen gegen, um den Eindruck zu vermeiden, mit Knöllchen Gewinne zu erwirtschaften." Der Sozialdemokrat stellt sich auf die Seite der Hilfspolizisten: "Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, Doppelstreifen einzusetzen."
Die genauen Summen und Haushaltspositionen verrät das Extra (siehe links). Das Presseamt der Stadt meldet zu diesem Thema: "Die von den Hilfspolizisten generierten Einnahmen sind niedriger als die Personal- und Sachkosten."
Oberbürgermeister Klaus Jensen betont, dass die Hilfspolizisten "grundsätzlich" in Doppelstreifen eingesetzt werden. "Beim Ausfall eines Streifenpartners kann es zu Einzelstreifen kommen, aber nur tagsüber." In den Abendstunden seien die Mitarbeiter immer zu zweit unterwegs.
Jensen weist auf nicht vorhersehbare Dienstausfälle hin, die zu Einzelschichten führen. "Mitarbeiter erhalten kurzfristig Urlaub, um persönliche und familiäre Dinge regeln zu können. Diese familienfreundliche Vorgehensweise hat komplizierte Umorganisationen der Schichtdienste zur Folge."
Auf Streitgespräche gar nicht erst einlassen
Die Sicherheit der Mitarbeiter sei ein wichtiges Thema. Aber: "Konfliktfälle können nur dann entstehen, wenn zufällig die Fahrzeugführer beim Protokollvorgang anwesend sind." Und das sei eher die Ausnahme - hier widerspricht Jensen dem Hilfspolizisten deutlich. "Die Kräfte sind angehalten, sich nicht auf Streitgespräche einzulassen und haben außerdem immer Funkkontakt zur Leitstelle."
Meinung
Sicherheit hat Priorität
Ein Knöllchen ist für viele Autofahrer ein rotes Tuch, ein Adrenalinstoß und eine aus ihrer Sicht fiese Abzocke. Nicht alle, aber doch einige nehmen den Hilfspolizisten ins Visier, um ihren Ärger loszuwerden. Das Fahnden nach Falschparkern ist aufgrund des hohen Ärger- und Frustpotenzials der Ertappten ein riskanter und belastender Job. Wer - auch tagsüber - allein auf Streife geht, wird leichter zum Ziel. 95 000 Verwarnungen pro Jahr sind ein klares Signal. Jeder der 24 Hilfspolizisten schreibt im Schnitt elf Verwarnungen pro Tag. Die Doppelstreife ist bei der Polizei und dem kommunalen Vollzugsdienst eine Selbstverständlichkeit. Sie muss auch in der Parkraumüberwachung eingesetzt werden, um unnötige Eskalationen im Sinne aller beteiligten zu verhindern. j.pistorius@volksfreund.de
Extra Der Haushaltsplan zeigt, dass die Stadt Trier 2009 mit der Bewirtschaftung des öffentlichen Parkraums Erlöse in Höhe von 2,5 Millionen Euroerzielt hat. Die Kosten werden mit 750 000 Euro beziffert. In dieser Position stecken jedoch nur die ordnungsgemäß gezogenen und bezahlten Parkzettel. Die Knöllchen verbergen sich in der Überwachung des ruhenden Verkehrs. Hier liegen die Erlöse bei 1,2 Millionen und die Kosten bei 1,5 Millionen Euro. Für das Jahr 2009 listet der Haushaltsplan 95 000 kostenpflichtige Parkverstöße auf. (jp)
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