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aus unserem Archiv vom 10. Juni 2012
Autor: Dieter Lintz Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Hoffen auf die Landesregierung

Es gärt an allen Ecken und Enden der Trierer Schullandschaft. Vertreter des von massivem Schülerschwund gebeutelten Friedrich-Spee-Gymnasiums sind diese Woche zu Gesprächen im Mainzer Schulministerium. Die Elternvertreter der anderen Gymnasien haben einen Brandbrief an Ministerin Doris Ahnen geschrieben.

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"Die Hoffnung stirbt zuletzt". FSG-Direktor Hermann Bous, der zum Schuljahresende in Ruhestand geht, greift angesichts der Situation seiner Schule zu den ganz großen Vokabeln. Die Lage ist tatsächlich ernst. Keine 60 Schüler haben sich aus eigenem Antrieb für die gemeinsame Orientierungsstufe mit der benachbarten Realschule plus am Standort Mäusheckerweg angemeldet. 150 müssten es wohl schon sein, damit beide Schulen nach der Trennung ab der 7. Klasse vernünftig weiter machen können - inklusive FSG-Oberstufe.
 
Misstrauen bei den Eltern
 
 
Wo das Problem liegt, darüber hat man am FSG eine klare Meinung: Die Eltern, die ihre Kinder gerne für das Ganztags-G8-Gymnasium mit dem schnelleren Weg zum Abitur anmelden wollen, trauen der gemeinsamen Orientierungsstufe mit der R-plus nicht. Zu Recht, meinen Lehrer wie Gisbrecht Isselstein.
Seit die ehemaligen Hauptschüler in die einst gut funktionierende Orientierungsstufe gekommen sind, seien die Schüler so unterschiedlich, "dass es unmöglich ist, allen gerecht zu werden". Zumal es für die de-facto-Gesamtschule in den Klassen fünf und sechs "keinen ausreichenden Personalbestand gibt".
Was die FSGler verzweifeln lässt, ist der Umstand, dass ihr eigentliches G8-Angebot, das mit der 7. Klasse beginnt, allseits gelobt und für gut befunden wird. Anders als in anderen Bundesländern hat man die Lehrpläne wirklich entrümpelt und punktgenau auf die Ganztagsschule abgestimmt. "Es läuft gut", sagen Schüler wie Angela Zobelt und Kristof Görlitz. Und Elternvertreter wie Anne-Marie Borne und Beate-Ruth Mies versichern, dass in der Regel nach Schulschluss keine Hausaufgaben mehr das Schüler-Dasein trüben. Alle Beteiligten loben das "exzellente Lehrer-Schüler-Klima".
 
Schule als Lebensraum
 
An der "Schule als Lebens- und Gestaltungsraum" basteln Direktor Bous und sein Team immer wieder neu. Aktuelle Errungenschaft: eine Verlängerung der gemeinsamen unterrichtsfreien Zeit am Mittag auf 70 Minuten. Zeit fürs kommunikative Essen, aber auch - wenn man mag - für Sport oder Musik. Oder für die Schüler-Firma. Neu sind auch schuleigene Nachhilfeangebote, für die Fachlehrer zur Verfügung stehen. Fächer wie Geschichte hat man gründlich renoviert - weg von der langweiligen Chronologie. Die Schule nutzt ihre Spielräume bei Lerninhalten aus.
Eigentlich müsste da die Nachfrage brummen. Das G8-Angebot sei "im Kern gut konzipiert", bestätigen sogar die Elternbeiräte der anderen Trierer Gymnasien. Aber der schlechte Ruf von G8 in anderen Bundesländern, das Problem mit der Orientierungsstufe und die Randlage der Schule lassen die Schülerzahlen ständig schrumpfen.
Mit Folgen für die ganze Schullandschaft. "In Trier stehen zurzeit faktisch keine sechs, sondern nur fünf Gymnasien zur Verfügung", heißt es in einem Brandbrief aller Gymnasial-Elternvertreter an die Mainzer Bildungsministerin Doris Ahnen. Die Kritik der Eltern: G8 bekomme in Trier keine echte Chance, und die anderen Gymnasien in der Stadt - ohnehin in jeder Hinsicht an der Kapazitätsgrenze - müssten die politischen Fehlentscheidungen ausbaden. Und natürlich auch die Schüler, die via "Lenkung" umgeleitet oder - sofern aus dem Kreis - in Trier völlig abgewiesen würden.
Gemeinsam mit dem FSG fordern alle Schulelternsprecher die Auflösung der dortigen gemeinsamen Orientierungsstufe - und ein Gesamtkonzept von Land, Stadt sowie Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion für die Trierer Schulen.
Noch keine Antwort aus Mainz
 
 
Der Brief datiert vom 27. April - eine Antwort ist bislang nicht eingegangen, "nicht einmal eine Eingangsbestätigung", sagt Andrea Petersen, Elternsprecherin am Humboldt-Gymnasium.
FSG-Leiter Bous hofft derweil auf das Gespräch im Ministerium. Und darauf, dass einige Schüler nach der Orientierungsstufe an anderen Schulen zum 7. Schuljahr doch noch den Verlockungen von G8 folgen. Sein Hinweis: "Wir sind jederzeit offen".
Meinung
 
Signal aus Mainz gefragt
 
 
Offenbar weiß man im schweigsamen Ministerium nicht recht weiter mit der verkorksten Situation am Mäusheckerweg. Aber es sind Entscheidungen gefragt, und zwar schnell. Die gemeinsame Orientierungsstufe an diesem Standort hat keine Zukunft. Nicht, weil ein gemeinsamer Unterricht von stärkeren und schwächeren Schülern grundsätzlich keinen Sinn hätte - sondern weil er voraussetzt, dass der nötige Rahmen geschaffen wird, und dass die Beteiligten dieses Modell auch wollen. Beides ist in Ehrang offensichtlich nicht der Fall. Das Misstrauen ist zu groß und die Interessen sind zu unterschiedlich, als dass auf dieser Basis ein reformerischer Schulansatz gedeihen könnte. Mainz wird ein Signal setzen müssen, und das Trierer G8-Gymnasium wird noch einmal Starthilfe von allen Seiten brauchen. Wenn man das nicht will, sollte man so ehrlich sein, diese Schulform ganz aufzugeben. Eine Perspektive braucht allerdings auch die Realschule plus am Mäusheckerweg. Das könnte Richtung zweiter Integrierter Gesamtschule (IGS) gehen, aber schlimmstenfalls auch Richtung Schließung. Da ist weniger Mainz als die Trierer Schulentwicklungsplanung gefragt. Man darf auf die Vorschläge des aktuellen Gutachtens gespannt sein. d.lintz@volksfreund.de
 




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