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Ideen für die Westentasche

Trierer Informatiker tauschen sich über Anwendungen für den Mini-Rechner Raspberry Pi aus

(Trier) Der "Raspberry Pi" hat nichts mit Himbeerkuchen zu tun, auch wenn die englische Aussprache des Namens mit der Kreiszahl Pi das suggeriert. Hinter dem Wortspiel steht ein kleiner Computer im Scheckkartenformat. Informatiker und Bastler lieben das Gerät, und auch in Trier hat der Kleinstrechner bereits eine Anhängerschaft.

18.01.2013
Kim Björn Becker
Trier. Er habe da so eine Idee, sagt Arne Schmidt. Der 26-Jährige ist Informatiker, genauer: Er ist Sprecher der Informatik-Fachschaft an der Hochschule Trier. Das sind Menschen, die gut im Rechnen sind und die außerdem mit Computern die unglaublichsten Dinge anstellen können. Und wenn jemand wie er "so eine Idee" ankündigt, dann kann man sich gewiss auf etwas gefasst machen. Nun denn: Sein Couchtisch hat es ihm angetan - der soll, schon bald, elektrisch höhenverstellbar sein.
Das braucht kein Mensch, ist aber lustig und auch praktisch und überhaupt. Ein Elektromotor macht\'s möglich - und ein kleiner Computer.
Der kleine Computer kommt von der Stange, er ist der Grund, warum Arne Schmidt am Donnerstagnachmittag an einem der langen Tische in der Turnhalle der Hochschule Trier sitzt. Und 50 andere auch, vorwiegend sind es Studenten von Universität und Hochschule, aber auch einige Dozenten. "Raspberry Pi" heißt der scheckkartengroße Mini-Rechner, der 2008 von Informatikern an der britischen Elite-Universität Cambridge entwickelt wurde und der seit knapp zwei Jahren in Massenproduktion gefertigt wird. Schätzungsweise eine Million Geräte sollen seitdem weltweit verkauft worden sein. Gedacht für Schüler, die mit ihm das Programmieren lernen sollen, hat er vor allem in Technikbegeisterten die treuesten Anhänger gefunden. Der "Pi", wie Kenner ihn liebevoll abgekürzt nennen, hat kein Gehäuse, er besteht nur aus einer Platine mit Anschlüssen. Ideal für Bastler wie Arne Schmidt. Zusammen mit Daniel Fett (26), Informatik-Doktorand an der Universität Trier, hat Schmidt das Treffen der Raspberry-Pi-Anhänger organisiert. Dort wird referiert, vorgeführt, diskutiert - und jeder bringt mit, was er hat.
Auch Daniel Fett hatte so eine Idee, was er mit dem kleinen Ding anstellen könnte. Aktuell dient der "Pi" ihm als Anzeige, wann die nächsten Busse an seiner Haltestelle abfahren. Dazu hat er den Computer entsprechend programmiert, er zieht sich die Daten selbstständig von der Internetseite der Trierer Stadtwerke. Zur Anzeige hat Fett ein altes Display von einem Mobiltelefon angeschlossen. "Im Prinzip funktioniert der Rechner genauso wie die große Anzeige am Hauptbahnhof", sagt er.

Minicomputer lenkt Segelboote



Und dann ist da noch Peter Sturm, Professor für Systemsoftware an der Uni Trier. Im Spätsommer will er eine Regatta mit Miniatur-Segelbooten auf dem Wasserband des Petrisbergs veranstalten, Schülerteams sollen die Boote mit den Mini-Computern ausstatten und diese so programmieren, dass die Boote den Weg zum Ziel eigenständig finden. Überhaupt ist Sturm der erkennbar größte Fan des kleinen Rechners an diesem Tag. "Er ist sexy", sagt Sturm begeistert, "Für Informatiker sexy."