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Jetzt steht es fest: 2017 zieht die Rallye-WM ins Saarland - Region Trier offenbar zu teuer (Update)

(Trier/München) Das Präsidium des ADAC hat am Mittwoch beschlossen, die Organisation der Rallye Deutschland ab 2017 an den Regionalclub Saarland zu übertragen. Trier ist damit als Start- und Zielort weg vom Fenster. Ob auch die Wertungsprüfungen in der Region Trier verlegt werden, ist noch offen. Dossier zum Thema: rallyewm

17.03.2016
Jörg Pistorius
Die Entscheidung ist gefallen: Das Präsidium des ADAC ist der mehrheitlichen Empfehlung der Sportkommission gefolgt und überträgt die Verantwortung für die Rallye Deutschland ab 2017 an den ADAC Saarland. Der Regionalclub Mittelrhein, bisher der Regisseur des Motorsportspektakels, ist damit raus aus dem Spiel, und mit ihm die Stadt Trier als Zentrum, Start- und Ziel. Die Sportkommission besteht aus den Leitern der 18 deutschen Regionalclubs des ADAC und tagt nur zweimal im Jahr.
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Die Entscheidung: Das Präsidium hat generell der Verlängerung des deutschen Laufs zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) um weitere vier Jahre zugestimmt und damit die Zukunft dieser Veranstaltung in Deutschland bis 2020 gesichert. Nur läuft diese Zukunft möglicherweise nicht mehr in der Region Trier ab.
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Die Konsequenzen: Hier hält sich der ADAC noch sehr bedeckt. Die Rallye Deutschland umfasst in ihrer aktuellen Auflage vom 18. bis zum 21. August noch Wertungsprüfungen in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg, dazu kommt die populäre Panzerplatte in Baumholder (Landkreis Birkenfeld). Ob es diese Stationen auch 2017 noch geben wird, kann zurzeit offenbar niemand mit Sicherheit sagen. „Der ADAC Saarland hat jetzt die Aufgabe, in den kommenden Monaten sein tragfähiges, zukunftsweisendes Konzept zu finalisieren, das mit einem effizienteren Streckenmanagement neue Highlights setzt“, sagt ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk. Das klingt vage.

Die Präzisierung: ADAC-Sprecher Oliver Runschke stellt sich den offenen Fragen. „Das Präsidium hat keineswegs eine komplette und pauschale Verlegung der Rallye ins Saarland beschlossen“, betont er. „Lediglich der Ausrichter wird gewechselt. Bisher ist es noch der ADAC Mittelrhein, ab 2017 wird es der ADAC Saarland sein.“ 

Was der Regionalclub Saarland dann aus der Rallye mache und welche Strecken und Wertungsprüfungen er genau plane, sei im Grundsatz dessen Angelegenheit. Nur eines steht offenbar fest: „Die Stadt Trier wird ab 2017 wohl nicht mehr Start- und Zielort sein“, sagt Runschke. Der Showstart und die Siegerehrung vor der Porta Nigra und der Servicepark bedeuteten bisher immer hohe Begeisterung, schöne Szenen mit Champagnerduschen und fünfstellige Zuschauerzahlen.

Der ADAC Saarland: Eine erste Reaktion der ADAC-Leitungsebene im Saarland lässt hoffen, dass die Rallye sich nicht komplett aus der Region verabschieden wird. Der Vorsitzende des Regionalclubs Saarland, Karl-Heinz Finkler, erklärt: „Wir gehen davon aus, dass wir so umfangreich wie möglich in den bestehenden Strukturen weiterarbeiten und diese mit unseren Rallye-Fachleuten ergänzen.“ Die Rallye solle „kompakter“ werden, betont Finkler, „ohne ihren einzigartigen Charakter einzubüßen“. Sicherheit und Zuschauerlenkung haben Priorität.
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Die Hintergründe: Offiziell nennt der ADAC keinen einzigen Grund für den Ausrichterwechsel vom Regionalclub Mittelrhein zum Nachbarn ins Saarland. Doch das interne Papier, das der Sportkommission vergangene Woche als Beschlussgrundlage vorlag und durch den TV öffentlich wurde, nennt klar die Kosten als Hauptmotivation. 

In diesem Papier heißt es, unter der Regie des ADAC Mittelrhein seien in Zukunft Mehrkosten zu erwarten, „da eine weitere Optimierung ohne gravierende Qualitätseinbußen nicht mehr möglich ist.“ Das Ziel seien aber die Optimierung und „die Reduzierung der benötigten finanziellen ADAC-Mittel“. 

Auch in diesem Punkt stellt sich ADAC-Sprecher Oliver Runschke den Fragen des TV – und bestätigt, dass es in der Hauptsache um die Kosten geht. „Es ist natürlich das Ziel des ADAC, die ADAC Rallye Deutschland im internationalen Wettbewerb zu halten.“ Doch ein Deutschlandlauf sei lange unsicher gewesen. „Es stand die Frage im Raum, wird in Deutschland oder in China gefahren?“ Um eine Rallye-WM weiterhin und dauerhaft in Deutschland fahren zu können, müsse die Kostenseite „so effizient wie möglich“ geregelt werden, betont der Sprecher des ADAC.
Stimmen zum Thema
Manfred Kronenburg, Motorsportenthusiast und langjähriger Rallye-Abschnittsleiter in Trier: „Unabhängig davon, ob es ab 2017 noch einzelne Wertungsprüfungen in der Region Trier geben wird, höre ich definitiv auf. Ich lehne diese Vorgehensweise der ADAC-Spitze ab und werde mich aus Loyalität zum ADAC Mittelrhein und natürlich zur Region Trier in Zukunft nicht mehr an der Organisation der Rallye beteiligen. Dieses Jahr mache ich meinen Job natürlich noch mit voller Kraft, aber danach ist Schluss.“
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Sven Teuber, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat: „Ohne Verhandlungen beschließt der ADAC einseitig die Verlegung ins Saarland. Die Rallye ist ein wichtiger wirtschaftlicher und touristischer Faktor. Wir hätten zumindest ein Gespräch erwartet. Doch dieser Umgang ist alles andere als kooperativ. Die Verlegung bestürzt und enttäuscht uns. Um so mehr hoffen wir, dass wir mit unserer Bewerbung für die Tour de France für 2017 erfolgreich sein können.“
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Hans-Albert Becker, Prokurist der Trier Tourismus und Marketing GmbH: „Die Rallye ist eine Veranstaltung mit internationaler und weltweiter Bedeutung. Mit ihr stand auch Trier als Gastgeberstadt im Mittelpunkt des Interesses. Die Leute haben auf diese Weise gesehen, wie schön es in Trier ist. Der Tages- und Übernachtungstourismus leidet mit dem Wegfall der Rallye. Wir werden uns einiges einfallen lassen, um das zu kompensieren.“
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Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Rheinland-Pfalz: „Das ist ein schwarzer Tag für die Stadt und die Region Trier.“ 
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Gerd Guillaume, Vorsitzender der City-Initiative Trier: „Grundsätzlich tut eine Veranstaltung mit einem internationalen Bekanntheitsgrad der Stadt gut. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass die Rallye in Trier hätte bleiben können.“

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