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Kein Körbewerfen mehr am Wochenende: Uni Trier sperrt Basketballanlage auf dem Campus

Uni sperrt Basketballanlage - Freie Szene sauer - Hallen in West und Feyen sollen Ende Juni wieder öffnen

(Trier) Die Basketballplätze unter freiem Himmel auf dem Campus der Universität sind beliebter Treffpunkt. Weil der Uni das Schließpersonal zu teuer ist, bleibt die Anlage allerdings ab dieser Saison an Wochenenden und Feiertagen gesperrt. Die Trierer Sportszene muss damit einen weiteren Verlust an Infrastruktur hinnehmen. Dossier zum Thema: topthemen

10.06.2015
Christiane Wolff
Trier. "Schönes Wetter! Los, zocken gehen!" Per SMS verbreitet sich die Nachricht in Triers freier Basketball-Szene - und schwupps geht es auf den beiden Plätzen auf dem Uni Campus rund. Die orangefarbenen Bälle fliegen, Gelächter, Wiedersehensfreude. Besonders viel los ist - bei trockener Witterung - an den langen Feiertagswochenenden. "Hier treffen sich dann alte Freunde, die sich drei, viermal im Jahr wiedersehen - und zwar immer hier auf den Uni-Basketballfeldern", sagt Peter Bieg.

Der gebürtige Trierer hat schon mit 15 Jahren dort gedribbelt und Körbe geworfen. Jetzt besucht der 28-Jährige die deutsche Journalistenschule in München.

Demnächst ist er wieder in Trier. Seinen Lieblingstreffpunkt gibt es allerdings nicht mehr.
Denn die Universität lässt die Basketballplätze seit kurzem an den Wochenenden abgesperrt. Aus Kostengründen. Um die Anlage, die von einem Zaun umgeben ist, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen auf- und zuzusperren, müsse die Uni "zusätzliches Personal finanzieren", was zu einem "dauerhaften Minus" führe, erklärt Uni-Pressesprecher Peter Kuntz. Das könne die Uni sich nicht weiter leisten. Nicht nur die Basketball-Anlagen, auch die Tennisplätze der Uni können am Wochenende und feiertags nicht mehr genutzt werden. Anders als die Basketball-Plätze mussten die Tennisanlagen vorab gegen Miete gebucht werden. "Doch diese Einnahmen reichen nicht, um die Personalkosten zu decken", sagt Kuntz. Der nahe Grillplatz der Universität kann ebenfalls nur noch unter der Woche gemietet werden.

Dem Arbeitskreis (AK) Sport des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (Asta) die Sperrung der Basketball-Anlage mitzuteilen, hat die Uni offenbar nicht für nötig gehalten. "Wir wissen von nichts", erklärt Richard Seidler vom Asta-AK Sport. Dass die Basketballanlagen am Wochenende nicht mehr zur Verfügung stehen, findet Seidler allerdings bedauerlich. "Da wird an der falschen Stelle gespart." Triers freie Basketballszene - etwa 120 Hobbyspieler zwischen 12 und 40 nutzen die Uni-Plätze regelmäßig - hat der Uni Lösungsvorschläge unterbreitet. Freiwillige haben angeboten, den Schließdienst am Wochenende zu übernehmen. "Geht nicht", sagt Uni-Pressesprecher Peter Kuntz. "Wenn wir die Anlage geöffnet lassen, dann muss darauf Verlass sein und die Öffnungszeiten müssen regelmäßig eingehalten werden - so was ist mit Ehrenamtlichen nur schwierig dauerhaft zu gewährleisten."

Peter Bieg, Sprecher der freien Basketball-Szene, hat eine weitere Idee: "Warum wird der Zaun nicht einfach abgebaut und die Basketballfelder - genauso wie der Uni-Fußballplatz - freigegeben?" Mit einem Schild könne man auf die Öffnungszeiten - am Wochenende bis 20 Uhr - hinweisen und auch ankündigen, dass bei Vermüllung und Vandalismus Konsequenzen drohen. "Wenn man dann noch darauf verweist, dass die Nutzung auf eigene Gefahr ist, müsste da doch was möglich sein", sagt Bieg, "zumindest einen Versuch wäre es wert!"

Rathaus ist hilflos


Die Uni sieht auch das anders: Bei Nässe bestehe - anders als auf dem Asche-Fußballplatz - auf den Basketballfeldern "starke Rutschgefahr", erklärt Kuntz. Bei Regen müssten die Felder daher abschließbar sein. "Die Universität steht hier in der Verkehrssicherungspflicht", sagt Kuntz. Auch hinsichtlich Müll und Beschädigungen habe man in der Vergangenheit "negative Erfahrungen" gemacht, wehrt Kuntz ab.

Der Verlust der Basketballplätze am Wochenende ist für die freie Trierer Basketballszene ein herber Schlag. Zwar gibt es in der Nähe weitere Basketball-Plätze. "Aber die sind sämtlich offenbar am grünen Tisch geplant worden", kritisiert Peter Bieg. Das Kleinspielfeld am Tarforster Einkaufszentrum sei zu klein für ein echtes Fünf-gegen-Fünf-Spiel. Vor dem Korb auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände geht es nach nur wenigen Metern den Hang hinab. Und die Basketballkörbe am Stadion in Trier-Nord hingen viel zu hoch.

Die Stadtverwaltung bedauert die weiteren Einschränkungen der Sportinfrastruktur in Trier. In der Lage etwas dagegen zu tun, sieht sich das Rathaus allerdings nicht: Bereitstellung und Betrieb der Anlagen "obliegen ausschließlich der Universität", eine "etwaige Kostenübernahme seitens der Stadt sei nicht möglich", erklärt Rathaus-Sprecher Dieter Jacobs.
Meinung
Absurd!
Es ist absurd: In Trier sind elf Sporthallen derzeit so marode, dass in ihnen kein Basketball gespielt werden kann. Auf dem Uni-Campus gibt es dagegen zwei völlig intakte, hervorragend ausgestattete und stark frequentierte Plätze - aber auch die stehen den Basketballern an Feiertagen und Wochenenden nicht mehr zur Verfügung. Wie viel kann es kosten, die Plätze morgens auf- und abends zuzusperren? Der Uni offenbar zu viel. Zu gering scheint dagegen die Bereitschaft, ernsthaft nach Alternativen zu suchen. Die Uni zieht sich auf Totschlagargumente wie ihre Verkehrssicherungspflicht zurück. Dabei sind die Plätze bei Regen ohnehin leer. Weshalb es auch bisher nicht Usus war, bei zwischenzeitlichen Regengüssen die Plätze umgehend ab- und anschließend wieder aufzuschließen. Das Rathaus macht es sich mit dem Argument "Das ist Sache der Uni, wir haben kein Geld" ebenfalls zu einfach. Erstens gibt es bei der Uni-Sporthalle doch durchaus schon Kooperationen mit der Stadt. Zweitens ist hier für relativ wenig Geld viel zu erreichen. Die Kosten-/Nutzen-Relation dürfte jedenfalls besser sein als bei den Frühschwimmern im Nordbad: Für die wird - auch wenn die Temperaturen nachts erst knapp über den Gefrierpunkt steigen - das Schwimmerbecken für immense Summen ab dem 1. Mai eines jeden Jahres pünktlich für 6 Uhr auf 24 Grad aufgeheizt. Ganz offenbar haben die Frühschwimmer eine andere Lobby als die jungen Basketballer. c.wolff@volksfreund.de
Extra
Die Schließung der Uni-Basketballplätze am Wochenende ist eine weitere Einschränkung für Sporttreibende in Trier. Vier Sporthallen sind derzeit wegen Baufälligkeit geschlossen, in sieben weiteren dürfen wegen maroder Deckenkonstruktionen derzeit keine Ballspiele stattfinden. Besserung ist allerdings in Sicht: Die seit Januar gesperrten Bezirkssport-Hallen in Trier-West und -Feyen sollen nach entsprechenden Sicherungsarbeiten voraussichtlich Ende Juni wieder in Betrieb genommen werden. Die Sanierung der gesperrten Halle der Grundschule Barbara soll Ende August abgeschlossen sein. woc