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Kreativität findet Stadt: Innovative Ideen für Trier

Hochschule und Rathaus schließen Kooperationsabkommen

(Trier) Mehr als 20 000 Studenten leben in Trier. Doch das Potenzial an Ideen und Initiativen, das daraus für die Stadt entstehen könnte, bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Die Hochschule Trier (früher: FH) und die Stadt wollen das ändern - und entwickeln dafür spannende neue Konzepte.

22.01.2014
Dieter Lintz
Trier. Es ist ein hoffnungsfroher Start im stimmungsvoll-bunt angeleuchteten Gebäude der HS-Abteilung für Gestaltung am Paulusplatz. Man verspricht sich einiges von der verstärkten Partnerschaft zwischen Hochschule und Stadt, die an diesem Abend am Rand des Neujahrs-Empfangs des Fachbereichs Gestaltung besiegelt werden soll.
"Kreativpotenzial und Engagement für die Weiterentwicklung der Stadt gewinnen", will Oberbürgermeister Klaus Jensen. Und, wenn\'s geht, einen Schuss "Jugendlichkeit und Lebendigkeit" für Deutschlands Älteste. Sein Wirtschafts- und Kulturdezernent Thomas Egger hofft, "kluge Köpfe leichter in Trier behalten zu können", wenn man ihnen Türen öffnet und "ihre Gründungsmotivation verbessert".
Die Hochschule wiederum hat seit ihrer verstärkten Präsenz in der Stadt entdeckt, welche Chancen eine enge Anbindung an das städtische Leben mit sich bringt. HS-Präsident Professor Norbert Kuhn setzt auf eine "breite Basis der Zusammenarbeit", Fachbereichs-Dekan Franz Kluge träumt von einem "Flair von Attraktivität", das Studenten nach Trier locken und hier binden soll.
Die Struktur ist dabei klar: Eine Leitungsgruppe mit Spitzenvertretern von Stadt und Hochschule soll sich regelmäßig treffen, Projekte initiieren, den Rahmen abstecken und ein konkretes Arbeitsprogramm auf den Weg bringen. Themen: Stadt am Fluss, kulturelles Erbe, demografischer Wandel, Netzwerke, Kreativwirtschaft. Ausnahmslos Bereiche, in denen Trier gute Ideen dringend brauchen kann.
Wie das konkret aussehen soll, zeichnet sich freilich nur sehr allmählich ab. Es könnten drei Bereiche sein, in denen die Zusammenarbeit greift:
1. Campus für Gestaltung
Die Hochschule ist dabei, ihren Radius zu vergrößern. Der Fachbereich Architektur soll in absehbarer Zeit an den Irminenfreihof umziehen. Damit entstünde ein gestaltbarer Campus vom Paulusplatz bis zum Moselufer - der auch die Trierer City wesentlich näher an den Fluss bringen könnte. Noch im Frühjahr sollen Pläne auf den Tisch, in Höhe der HS (Einfahrt Böhmerstraße) eine Fußgängerbrücke über die Mosel zu schlagen und eine direkte Verbindung zur Europäischen Kunstakademie zu schaffen, die dann weiter zur alten Lokrichthalle und der ehemaligen Jägerkaserne in Trier-West führen könnte - möglichen Standorten für ein Gründerzentrum.

2. Nutzung von Potenzialen
Die vielfachen Talente und Möglichkeiten der angehenden Gestalter und Architekten an der HS sollen stärker und systematischer mit den Bedürfnissen von Stadt, Wirtschaft und Institutionen in Trier verzahnt werden. In der aufwendigen Broschüre "Trier Univers.City" (erhältlich beim Dekanat) sind Ideen und bereits laufende Projekte beispielhaft dokumentiert: Von Vorschlägen für Stadt- oder Straßenmarketing über Design-Ideen und Website-Gestaltungen bis hin zu kühnen Architektur-Entwürfen oder frischen Konzepten für spektakuläre lokale Events wie die Illuminale.
3. Gründer-Initiativen
Angestrebt wird eine Art Netzwerk der jungen Kreativ-, Design- und Kulturwirtschaft in Trier. Praktische Hilfe, Vermittlung von Kontakten, gemeinsame Außendarstellung: der Bedarf ist groß. Da passt es ins Bild, dass die Stadt nach langer Anlaufzeit nun eine Koordinationsstelle für diesen Bereich schaffen will.
Meinung
Eine Chance ist es allemal

Zu versuchen, die eigenen Kräfte zu bündeln und zu mobilisieren, bringt wesentlich mehr, als über schwierige Rahmenbedingungen zu jammern. Deshalb ist die Absicht von Stadt und HS lobenswert, die Zusammenarbeit künftig nicht mehr zufälligen Einzel-Projekten zu überlassen, sondern einen Rahmen zu schaffen und damit den öffentlichen Stellenwert spürbar zu erhöhen. Die innovativen Köpfe vom Fachbereich Gestaltung wissen, was sie für die Stadt wert sein könnten. So ist ihre Initiative auch Ausdruck gewachsenen Selbstbewusstseins der einstigen "kleinen" FH, die sich anschickt, mit dem "Gestaltungs-Campus" eines der ambitioniertesten Projekte der Trierer Stadtentwicklung an den Start zu bringen. Papier ist freilich geduldig, und ein Kooperationsvertrag noch kein Aktionsprogramm. Es wird darauf ankommen, ob es gelingt, die kleinteilige, schwer fassbare Kreativ-Szene mit ins Boot zu nehmen - egal, ob die Akteure jetzt von der HS kommen, die Uni absolviert haben oder Autodidakten sind. Eine Garantie, dass das funktioniert, gibt es nicht. Aber eine Chance ist es allemal. d.lintz@volksfreund.de

 

 

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