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Künstlich geschaffene Sprache: Ido-Anhänger treffen sich in Trier

Deutsche Ido-Gesellschaft wählt neuen Vorstand - Weltweit beherrschen es nur wenige Tausend Menschen

(Trier) Der Traum einer gemeinsamen Sprache für alle Völker ist so alt wie die Erzählung vom Turmbau zu Babel. Einer der zahlreichen Versuche, eine einfach zu erlernende Hilfssprache zu schaffen, ist das 1907 entstande Ido. Dessen Anhänger haben sich am Wochenende in Trier getroffen.

21.08.2011
Trier. Sprechen Sie Ido? Vermutlich nicht, denn die Zahl der Menschen, die diese Sprache beherrschen, wird auf gerade einmal 1000 bis maximal 5000 geschätzt.
Ido ist eine sogenannte Plansprache (siehe Hintergrund), die künstlich geschaffen wurde, um die Verständigung zwischen verschiedenen Völkern zu erleichtern. Die bekannteste und am weitesten verbreitete Vertreterin dieser Art von Sprachen ist Esperanto, von dem sich Ido im Jahr 1907 abgespalten hat.

Elemente aus sechs Sprachen


In Trier hat sich am Wochenende die Deutsche Ido-Gesellschaft (DIG) zu ihrer Jahreshauptversammlung getroffen. Die DIG hat kaum mehr als zwei Dutzend Mitglieder - wenn auch mit steigender Tendenz - und ist damit kleiner als die meisten Dorfvereine. Den erhofften Durchbbruch hat Ido also auch innerhalb von 100 Jahren nicht geschafft.
Detlef Groth, neu gewählter Vorsitzender, ist dennoch von den Vorteilen der Plansprache überzeugt: "Wer Ido gelernt hat, dem fällt es leichter, andere Sprachen zu lernen." Der Grundwortschatz stammt nämlich aus sechs Quellsprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, italienisch, spanisch und russisch. Was Ido einfacher macht, ist die Tatsache, dass es nur einige Hundert Grundwörter gibt, aus denen viele weitere abgeleitet werden. Beispiel filio (Kind), filiulo (Sohn), filiino (Tochter).
Die Grammatik ist einfacher als in vielen natürlichen Sprachen, weil es keine unregelmäßigen Formen gibt. Doch das ließe sich beispielsweise vom Usbekischen auch sagen. Und doch ist für die meisten Europäer Usbekisch nicht leicht zu erlernen, weil Wortschatz und Satzbau völlig anders sind als in den europäischen Sprachen. Umgekehrt findet ein Usbeke im Ido kaum etwas Bekanntes.
"Ido hat aber auch für Nichteuropäer Vorteile", sagt der in seinem Amt bestätigte stellvertende DIG-Vorsitzende Thomas Schmidt. Würde Ido zumindest in Europa überall beherrscht, müsste man nur eine Sprache lernen, um sich auf dem ganzen Kontinent verständigen zu können.

Gäste aus China und Japan


Zum internationalen Ido-Treffen in Echternach, in das die DIG-Versammlung eingebettet war, kamen in der Tat auch Gäste aus China und Japan.
Die Rolle als Welthilfssprache nimmt heute jedoch mehr und mehr das Englische ein. Auch dazu hat es Versuche gegeben, ein Basis-Englisch mit nur 850 Grundwörtern zu schaffen.
Ist Ido damit überflüssig? "Nein", sagt Schmidt. "Einerseits haben im Englischen Muttersprachler - die es im Ido nicht gibt - einen Vorteil. Andererseits verstümmelt man beim Basis-Englisch die Sprache."
Allerdings gibt auch Groth zu: "Der Reichtum und die Möglichkeit zu Spielereien sind auch im Ido reduziert."
Dass Ido bald wirklich als Welthilfssprache etabliert wird, davon gehen auch die Idisten, wie sie sich selbst nennen, nicht aus. Die Hoffnung verlieren sie aber nicht. Groth: "Man weiß ja nie, was die Geschichte bringt." daj

idolinguo.de
Ka vu parolas Ido? Sprechen Sie Ido? Pardonez, ube esas la Porta Nigra? Entschuldigung, wo ist die Porta Nigra? Trier esas bela ed anciena urbo. Trier ist eine schöne und alte Stadt. Ni salutas la lekteri di ca jurnalo. Wir grüßen die Leser dieser Zeitung. daj Plansprachen: Im Gegensatz zu natürlichen Sprachen, die sich über Jahrtausende entwickelt haben, sind Plansprachen künstlich konstruiert. Ziel ist meist, mit begrenztem Wortschatz und einfachen Grammatikregeln eine leicht erlernbare Hilfssprache zu schaffen. Das 1879/80 von Johann Martin Schleyer erfundene Volapük stellte sich als zu kompliziert heraus. 1887 schuf Ludwik Zamenhof die bislang erfolgreichste Plansprache Esperanto, die heute 500 000 bis zwei Millionen Menschen beherrschen. Der französische Mathematiker und Philosoph Louis Couturat entwickelte daraus 1907 mit Erweiterungen Ido. daj

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