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Lateinische Parolen gegen Atomkraft

Wissenschaftler Wilfried Stroh erhält Ausonius-Preis - Zentrum für Altertumswissenschaften feiert Zehnjähriges

(Trier) Er ist Lateiner aus Leidenschaft und beschäftigt sich intensiv mit der antiken Rhetorik, der Redekunst: der 72-jährige Wilfried Stroh. Für seine Forschung und seinen bis heute rastlosen und manchmal unkonventionellen Einsatz rund um die Sprache und Kultur der Antike hat der emeritierte Münchner Altphilologe den Au sonius-Preis 2012 erhalten.

25.06.2012
Katja Bernardy
Trier. Wer Latein totglaubte, wurde von Wilfried Stroh am Freitagabend eines Besseren belehrt. Nachdem Professor Uwe Jun, Dekan des Fachbereichs III der Uni Trier, ihm den diesjährigen Au sonius-Preis überreicht hatte, legte der 1939 in Stuttgart geborene Sohn eines evangelischen Pfarrers los: selbstverständlich erst mit klangvoller Stimme und stark gestikulierend in Latein.
Für eine Stunde wurde der Hörsaal zum Theatersaal, Stroh zum brillanten Redner, an dessen Lippen die rund hundert Gäste hingen. Kein Wunder, denn meisterhaft beherrscht der emeritierte Professor für Klassische Philologie an der Ludwig-Maximilian Universität in München das, worüber er nach jahrelanger Forschung geschrieben hat: die Rhetorik in der Antike, deren Gesetzmäßigkeiten auch heute noch gelten.

Unkonventionelle Wege


Er spricht - dann in Deutsch - über "Philosophie und Rhetorik" in der antiken Jugendbildung". Stroh verliert sich weder in Vorträgen noch in seinem Tun im Gestern. Er spannt mit seinen Erkenntnissen immer den Bogen zum Heute. Dadurch steuert der Preisträger wesentlich dazu bei, Latein und die Kultur der Antike lebendig zu halten. "Dabei geht er auch unkonventionelle Wege", sagt Professor Stephan Busch, der Stroh den Festgästen vorstellte.
So etwa hat er in München eine lateinische Oper von Mozart mit inszeniert oder mit lateinischen Sprechchören gegen Atomkraftwerke protestiert.
Sein Buch "Latein ist tot, es lebe Latein" wurde über die Fachgrenzen hinaus gelesen, er ist Initiator großer Römer-Inzenierungen in München. In der Römerstadt Trier ist er bislang schon mehrmals aufgetreten - auch als Au sonius.

Neun Fächer unter einem Dach


Die Preisverleihung war eingebunden in das Jubiläumsfest des Zentrums für Altertumswissenschaften. Es besteht seit nunmehr zehn Jahren und bietet neun Fächern und Fachdisziplinen (Alte Geschichte, Archäologie, Ägyptologie, Klassische Philologie, Papyrologie, Philosophie der Antike, Römisches Recht, Byzantinistik, frühchristliche Archäologie) ein Dach. Seine Aufgabe besteht darin, das Wissen über die antike Kultur, ihre materiellen Hinterlassenschaften, ihre Literatur und ihre Geschichte in Forschung und Lehre zu vertiefen.
Extra
Der mit 1500 Euro dotierte Ausonius-Preis wird jährlich von den Fachbereichen II und III der Universität Trier für besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Klassischen Philologie oder der Alten Geschichte verliehen. red