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Millionen Euro für neues Lernen an den Trierer Hochschulen

(Trier) Studierende und Lehrkräfte profitieren bei der Digitalisierung nicht nur von schnellem Internet. Dossier zum Thema: Schöne neue Welt

20.04.2017
Rainer Neubert
18.000 junge Menschen studieren in Trier an der Universität und an der Hochschule. Freie und schnelle Internetverbindungen sind für sie dort eine Selbstverständlichkeit. Doch die Digitalisierung der Hochschulbildung bedeutet viel mehr als W-Lan mit 20.000 Megabit pro Sekunde. „Die Hochschulen stehen vor großen Veränderungen“, sagt der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf. Die Erwartungen seien hoch. „Wir versprechen uns neue Möglichkeiten in der Lehre und zusätzliche Chancen für lebenslanges Lernen.“

Was das konkret bedeuten kann, haben 70 Experten aus ganz Deutschland von 2014 bis 2016 im Rahmen des Hochschulforums Digitalisierung diskutiert. Der Trierer Universitätspräsident Michael Jäckel hat eine der sechs Themengruppen geleitet. „Wir werden noch viel Geld in eine neue Informationsinfrastruktur investieren müssen“, ist er überzeugt. Denn die zukünftige Lehre werde weder ausschließlich an einem festen Hochschulstandort stattfinden, noch alleine über Online-Studiengänge. 

Sichtbares Zeichen neuer Anforderungen wird auf dem Campus die Erweiterung der Universitätsbibliothek sein. Flexibel zu nutzende Lernbereiche für einzelne Studierende und Gruppen sollen dort ebenso bald Wirklichkeit sein wie ein multifunktionales geisteswissenschaftlich-mathematisches Lehr-Lern-Labor. „Die Mitmach-Philosophie, die in vielen Bereichen des Alltags um sich greift, erreicht auch das akademische Leben“, sagt Michael Jäckel und erhält dafür Zustimmung von Hochschulpräsident Norbert Kuhn: „Studierende erarbeiten sich zunehmend den Lernstoff selbst und nutzen die Vorlesungen, um Antworten auf noch offene Fragen zu bekommen und ihr Wissen zu vertiefen. Der Dozent wird zum Mentor.“ 

Alleine in die besonders von der Digitalisierung betroffenen ingenieurwissenschaftlichen Fächer der Hochschule Trier investierten Bund, Land und Wirtschaftsunternehmen mehrere Millionen Euro. „Die Produktionsprozesse in der Wirtschaft sind deutlich automatisierter als vor zehn Jahren. Darauf müssen wir unsere Studierenden vorbereiten.“ Ein wichtiger Aspekt dabei seien allerdings auch die Themen Privatsphäre, IT-Sicherheit und Cyberattacken. 
Auch Unipräsident Michael Jäckel mahnt: „Wenn jeder Studierende seinen eigenen Computer mitbringt, ist die Datensicherheit eine Herausforderung.“ 

Er hat zudem einen Kostenfaktor im Blick, den er pro Jahr auf einen fünfstelligen Betrag schätzt: „Open Access heißt nicht kostenfrei. Wenn alle Medien für Lehre und Forschung auch digital angeboten werden sollen, wird das teuer.“ Würde es allerdings nach den Studierenden gehen, könnte sich die Uni für die Digitalisierung der Hochschulbildung noch viel Zeit nehmen. Jäckel: „Es wundert mich, wie gering der Wunsch ist, in Seminaren Dinge anders zu machen.“ 

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