Mögliche Grillplätze in Trier: Ihre Meinung ist gefragt
Die Einrichtung von 16 Grillplätzen in Trier könnte bis zu 25.000 Euro kosten, ihre jährliche Reinigung bis zu 70.000 Euro. Das geht aus nichtöffentlichen Unterlagen aus dem Rathaus hervor, die dem Trierischen Volksfreund vorliegen. Im Haushalt 2012 ist dafür bisher überhaupt kein Geld eingeplant. Welche Plätze gemeint sind, zeigt unsere Karte. Auch Ihre Meinung ist gefragt: Welcher Platz wäre Ihr Favorit?
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Grillen in Trier (Symbolbild)
Foto: Hannah Schmitt
Die frostigen Temperaturen sind für eine Debatte um Grillplätze zwar nicht besonders geeignet, dennoch wird diese in Trier mit Hochdruck geführt. Der Grund: 2011 hat der Stadtrat eine Grünflächen- und Spielplatzsatzung beschlossen. Darin steht, dass Grillen auf öffentlichen Flächen verboten ist. Ausnahme sollen von der Stadt ausgewiesene Grillflächen sein. Die gibt es aber bisher nicht, daher herrscht im Moment faktisch Grillverbot in Trier.
Was bei den arktischen Temperaturen kein Problem ist, könnte im Frühjahr recht schnell eines werden, denn besonders viele junge Leute nutzen gerne die öffentlichen Flächen als Grill- und Partyzone. Die Ortsbeiräte und die Stadtverwaltung haben deshalb Vorschläge gemacht, wo öffentliche Grillplätze entstehen könnten (der TV berichtete). Insgesamt sind 16 Standorte in der Diskussion (siehe Karte unten). Sechs von ihnen erteilt die Stadtverwaltung in einer dem TV vorliegenden „Diskussionsgrundlage“ eine Absage. Darunter ist auch der Palastgarten. Als Gründe benennt die Verwaltung unter anderem Störungen von Anliegern, Beschwerden von der Stadtbibliothek und hohes Konfliktpotenzial zwischen Nutzergruppen. Ein Grillplatz sei „der historischen Anlage nicht zuträglich“, heißt es. Andere Grillplätze etwa am Moselufer bei der Feuerwehr, am Zollkran oder an der Ruwermündung werden abgelehnt, weil sie zu nah am Wasser lägen. Hier führt die Stadtverwaltung einen von der Struktur- und Genehmigungsdirektion geforderten Mindestabstand von zehn Metern an.
Übersicht möglicher Grillstandorte im Stadtgebiet:
Thema ist nicht öffentlich
Diese Einschätzungen dürften für Diskussionen sorgen – allerdings erstmal hinter verschlossenen Türen. Denn der Punkt taucht auf der Tagesordnung der Sitzung des Dezernatsausschusses IV am Donnerstag im nicht-öffentlichen Teil auf.
Für Debatten dürften dabei vor allem die finanziellen Berechnungen sorgen, die das Stadtreinigungsamt aufgestellt hat. Demnach kostet die Herstellung einer Grillstelle 1450 Euro (siehe Extra). Auch die Unterhaltungskosten sind berechnet. Für das regelmäßige Saubermachen der drei Grillstellen im Palastgarten fallen demnach 13.950,75 Euro pro Jahr an. Würden alle vorgeschlagenen Grillplätze hergerichtet, entstünden der Stadt Kosten von 24.650 Euro und es kämen jährliche Reinigungskosten von 69.057 Euro auf die Stadtkasse zu. Bei den Stadtratsfraktionen rumort es angesichts der Zahlen in der „Diskussionsgrundlage“ heftig, denn sie halten die Kosten für viel zu hoch angesetzt.
Im Haushalt 2012 sind ohnehin bisher überhaupt keine Mittel eingeplant, wie Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) bei der jüngsten Stadtratssitzung mitteilte. Lediglich der Ortsbeirat Mitte-Gartenfeld hat Geld für den Palastgarten zurückgelegt – aber dort will die Verwaltung ja keine Grillplätze zulassen.
Sind das die richtigen Standorte? Was halten Sie von den Plänen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in einer kurzen E-Mail an echo@volksfreund.de. Oder machen Sie mit bei der anhängenden Umfrage!
Extra: Grillplätze
Die Grillplätze, die die Stadt derzeit plant, können aus einer oder mehreren Grillstellen bestehen. Für jede Grillstelle werden vier Quadratmeter gepflastert. Unmittelbar daneben sollen zwei Quadratmeter gepflastert werden, auf die ein 120 Liter fassender Müllbehälter gesetzt wird. Bei der Berechnung der Reinigungskosten hat das Stadtreinigungsamt vorausgesetzt, dass um jede Grillstelle im Umkreis von etwa zehn Metern sauber gemacht werden muss, hat An- und Abfahrt berechnet, die Abfallentsorgung sowie Lohnzuschläge an Wochenenden einkalkuliert. Von November bis März wird dabei von einer Reinigung pro Monat ausgegangen, von April bis Oktober von einer Frequenz von jeweils zwei Werktagen. Für drei Grillstellen an der Mosel am Nordbad kommt so beispielsweise ein Betrag von 10.463 Euro Reinigungskosten pro Jahr zusammen.
Meinung
Bürgernah geht anders
1450 Euro für den Bau einer Grillstelle von sechs Quadratmetern und Reinigungskosten von mehreren Tausend Euro pro Jahr – angesichts solcher Summen hat im Stadtrat manch einer den Verdacht, die „Diskussionsgrundlage“ aus dem Baudezernat sei vor allem eine Grillplatzverhinderungsberechnung. Denn dass die Baudezernentin keine große Freundin der Grillplätze ist, ist bekannt.
Gleiches gilt vermutlich für die Mitarbeiter von Grünflächenamt und Stadtreinigung, die die Berechnung erstellt haben. Die reinen Baukosten sind dabei nicht einmal das größte Problem. Mit ein bisschen Kreativität der Verwaltung könnten sie sich beispielsweise durch Sponsoring von Unternehmen leicht senken lassen.
Kopfzerbrechen dürften eher die doch ziemlich hoch angesetzten Folgekosten durch die Reinigung bereiten – die bisher ja nicht einmal im Haushalt vorgesehen sind. Müssen die wirklich so hoch sein? Wie setzen sie sich zusammen? Woher könnte das Geld kommen? Und überhaupt: Was spricht für diesen, was spricht für jenen Standort? Das alles sind Fragen, die viele Tausend junge Menschen in Trier interessieren, wie die Reaktionen vergangenes Jahr zeigten. Und sie interessieren sicher auch die Anwohner einiger der vorgesehenen Grillplätze. Viele Trierer würden da sicher gerne mitreden. Die Stadtverwaltung behandelt das Thema aber wie eine Geheimsache und versteckt die Diskussion im nichtöffentlichen Teil einer Dezernatsausschusssitzung. Von der oft beschworenen Transparenz und Bürgernähe der Verwaltung ist da wenig zu sehen. Schade.
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