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Mozart, Moderne und Miteinander

Jubel für "Die Zauberflöte" - Porta-Nigra-Schüler und Ensemble des Stadttheaters stehen gemeinsam auf der Bühne

(Trier) Herzerwärmend, erfrischend, künstlerisch anspruchsvoll und mit hohem Unterhaltungswert haben Schüler der Porta-Nigra-Schule und das Stadttheater eine moderne Version von Mozarts "Zauberflöte" präsentiert. Das Publikum im ausverkauften Theater war begeistert.

31.05.2013
Sybille Schönhofen
Trier. Was mit Mozarts Oper alles geht, hätte sich der Meister bei der Premiere 1791 selbst wohl kaum so vorstellen können. Da traten 80 Kinder der Porta-Nigra-Schule gemeinsam mit Profis des Stadttheaters auf und lieferten eine eigene Version der "Zauberflöte" ab, für die sich das komplette Publikum mit Jubel und Applaus von den Sitzen erhob. Dank eines neuen Textes und einer aktualisierten Handlung war die Oper auch für die vielen Kinder auf der Bühne und im Saal nachvollziehbar und aufgrund der Kürzung von drei auf eine Stunde gut durchzuhalten.
Dabei verzichtete das Ensemble mit dem Philharmonischen Orchester unter Victor Puhl nicht auf die berühmten Arien, bei denen besonders Silja Schindler als Königin der Nacht brillierte. Als zweiter Gesangsstar neben ihr stand Papageno auf der Bühne. Amadeu Tasca ist die perfekte Besetzung in dieser Kooperation mit der Förderschule. Sympathisch, warmherzig und erfrischend unprätentiös ging der Tenor mit manch ungeplanter Reaktion der Kinder um, ohne dabei aus seiner Rolle zu fallen. In der Projekt-Fassung spielt der Vogelfänger einen Galeristen, der im Auftrag der Königin der Nacht gemeinsam mit dem arbeitslosen Tänzer Tamino (René Klötzer) ihre Tochter Pamina (Susanne Wessel) im Theater des Sarastro (Pawel Czekala) aufspüren und nach Hause bringen soll. Wunderbar die Anspielung auf die eigene Situation des Stadttheaters in dem Lamento der Königin der Nacht über die schlechte wirtschaftliche Lage der Schauspielhäuser. Überhaupt eine schöne Idee, die Kernfrage über die berufliche Richtungsentscheidung der Pamina als Hintergrund der Handlung zu thematisieren: finanzielle Sicherheit oder persönliche Erfüllung in der Kunst?

Klassik, Pop und Rap


Einen weiteren Glanzpunkt setzt die Inszenierung, in dem sie in einer Casting-Szene nach dem Vorbild von "Deutschland sucht den Superstar" Schülern das Forum bietet, ihr Talent zu zeigen, losgelöst vom Mozart\'schen Korsett. Die Schüler begeisterten souverän mit der "Ode an die Freude", einer Pop-Ballade und einem Rap, so dass Jurymitglied Dieter Lintz, Leitender Redakteur des TV, sich zu dem Urteil hinreißen ließ: "Bushido ist ein gepflegter Scheißdreck dagegen." Insgesamt waren die Kinder die Stars des Abends, getragen von den engagierten Tänzern, Musikern und Sängern des Theaters. Authentischer geht es nicht.
Die gelungene Kooperation zeigte bei der Premiere, welch großartige Projekte mit einem Ensembletheater möglich sind. Eine deutliche Botschaft an die anwesenden Politiker wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Oberbürgermeister Klaus Jensen, Bürgermeisterin Angelika Birk und Kulturdezernent Thomas Egger.
Extra
Schnapszahl: Vor 222 Jahren wurde die Oper "Die Zauberflöte" zum ersten Mal aufgeführt. Komponiert hat sie Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Eine Trierer Förderschule mit vielen behinderten Kindern hat die Oper gemeinsam mit Künstlern des Trierer Theaters vier Monate lang einstudiert und auf die Bühne gebracht. Damit die Geschichte jeder verstehen kann, ist sie so umgeschrieben worden, als würde sie heute spielen, und es wurden viele lustige Szenen eingebaut. Da fuhr sogar eine Sängerin mit dem Motorrad auf die Bühne. Das Wichtigste an einer Oper ist aber die Musik - und die ist nicht verändert worden - nur etwas Modernes wurde hinzugefügt, zum Beispiel der Rap "Mit freundlichen Grüßen" von den Fantastischen Vier. So etwas war dem Komponisten Mozart noch völlig unbekannt. Beim Publikum kam es aber super an. Leider gibt es nur noch eine Vorstellung am 6. Juni, und die ist auch schon ausverkauft. sys