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Müll, Leerstand und eine schöne Aussicht: Beliebtes Ausflugsziel Weisshaus in Trier verwaist

(Trier) Der Dreck ist erst mal weg, die Frage bleibt: Was passiert mit dem Weisshaus, das seit Ende 2014 verwaist und zudem renovierungsbedürftig ist? Die Stadt, der das Grundstück gehört, will mit Experten ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept erarbeiten.

24.02.2016
Rebecca Schaal
Dem Stress der Stadt kurz entfliehen. Ein paar Kilometer rausfahren, sich die Hektik mal von oben ansehen, das Hupen nur in der Ferne hören. Ansonsten gibt es nur Vogelgezwitscher und Motorsägenlärm. Und Schilder, die ein Restaurant, Café, einen Biergarten und einen Blick über Trier ankündigen. Auch wenn Porta Nigra und Dom an diesem Februarmorgen im Nebel verschwinden - die Aussicht hält, was sie verspricht. Für den Rest gilt das nicht: Wer Speisen, Getränke oder Sitzgelegenheiten sucht, der kann das lange tun; das Weisshaus ist seit Ende 2014 verwaist (siehe Hintergrund).

Ein Umstand, der Horst Erasmy sehr stört. "Je länger das Weisshaus leer steht, desto schlimmer wird es. Die Schäden werden ja nicht weniger", sagt der Ortsvorsteher von Trier-West/Pallien (CDU). Was dort oben erschwerend hinzukommt: Das Gelände vermüllte zusehends, und die schöne Aussicht auf Trier war offenbar vor allem an Silvester beliebt. Die Jahreswechsel-Feierer gingen wieder, es blieben jede Menge Reste von Feuerwerkskörpern, Flaschen und sonstiger Unrat.

Ortsvorsteher Erasmy, der im Weisshauswald nach eigener Aussage öfter mit seinen Hunden spazieren geht, störte das so sehr, dass er kurzerhand selbst anpackte: "Es ist ja so: Ist der Dreck einmal da, wird er immer mehr. Ich habe deshalb selbst Müll eingesammelt und säckeweise mitgenommen." Zwischenzeitlich sei die Lage an der Abfallfront aber besser geworden.

Das liegt vor allem daran, dass eine von der Stadt seit Anfang 2015 beauftragte Firma kürzlich aufgeräumt hat. "Wir achten sehr darauf, dass das Umfeld des Weisshauses nicht verwahrlost", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier. "Weil das Weisshaus aber ein beliebter Aussichtspunkt ist und sich sehr viele Besucher auf dem Gelände aufhalten, aber nicht jeder seinen Müll in den dort vorgesehenen Abfallbehälter entsorgt, kann es kurzzeitig zu Verunreinigungen kommen." Mindestens zweimal die Woche werde dort aber saubergemacht.

Damit ist aber nur das kleinere Weisshaus-Problem gelöst. Das viel gravierendere: Nach wie vor ist kein Pächter für das städtische Grundstück in Sicht. Laut Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) werden in Sachen Gastronomie und Gewerbenutzung die mittlerweile gültigen Standards nicht mehr erfüllt. "Es gibt großen Renovierungsbedarf", sagt er, ohne genaue Zahlen zu nennen. Eines sei aber klar: Ehe die Stadt Geld in einen Umbau investiere, müsse zunächst ein Nutzungskonzept her. Das sähe auch die CDU-Stadtratsfraktion gerne, die sich vor zwei Wochen an den OB gewandt hat. Sie sei besorgt darüber, "dass es bisher keine Folgenutzung gibt. Dies ist einerseits unter touristischen Gesichtspunkten bedenklich. Vor allem jedoch fehlt dem stadtnahen Naherholungsgebiet Weisshauswald und somit unserer gesamten Heimatstadt ein liebgewonnenes und traditionsreiches ,Stück Trier’", heißt es in dem Schreiben, unterzeichnet vom Fraktionsvorsitzenden Udo Köhler.

Die Stadt will nun zunächst klären, welche Art der Nutzung auf dem Areal denkbar wäre. Weniger aussichtsreich als das Weisshaus waren allerdings die Gespräche, die Leibe zu diesem Zweck bislang mit Gastronomen geführt hat. Ein reines Ausflugslokal werde demnach nicht laufen. Denkbar sei eine Erweiterung um einen Hotelbetrieb, mit dem der Pächter das Ausflugslokal dann quersubventionieren könne. Doch auch das wird von Wirten mit Skepsis bedacht - dafür reichten einige Zimmer unter dem Dach nicht aus. Um weitere Ideen für ein belastbares Nutzungskonzept zu bekommen, will Leibe bald Fachleute aus der Stadt zusammentrommeln und an einen Tisch bringen. Für den OB ist eines jedoch klar: "Wir sollten jetzt nicht in Hektik verfallen und das Gebäude in einen Topzustand versetzen - und hinterher bringen wir’s nicht an einen Pächter."
Meinung
Erst die Pflicht …

,… dann die Kür. Die lautet in diesem Fall Weisshaus. Die Pflicht, das sind zum Beispiel die vielen sanierungsbedürftigen Sporthallen, die die Stadt Trier derzeit plagen. Es wäre in der Tat schwer zu vermitteln, wenn ein - zugegeben wunderschönes - Ausflugsziel ohne Pächter zurechtgemacht wird, während andernorts der Beton von der Decke bröckelt und viele Schulen und Sportvereine nicht wissen, wo sie trainieren sollen. r.schaal@volksfreund.de
Extra
Die Geschichte des Weisshauses geht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück: 1823 ließ der damalige Trierer Oberbürgermeister Wilhelm von Haw die Privatvilla im - für die damalige Zeit sehr modernen - preußisch-klassizistischen Stil erbauen. 1863 erwarb Prinz Heinrich der Niederlande, Statthalter des Großherzogtums Luxemburg, die Ländereien. 1879 gründeten Bürger den Weisshaus-Verein mit dem Ziel, den Erholungspark frei zugänglich zu halten. Zwei Jahre später verpachtete der Verein das Haus; der Restaurantbetrieb wurde aufgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die wirtschaftliche Lage des Weisshauses immer schwieriger, in den 1970er Jahren drohte es gar zu verfallen. 1981 schlossen sich engagierte Trierer Bürger - allen voran Ex-Oberbürgermeister Klaus Jensen - zur Bauherrengemeinschaft Weisshaus zusammen. Für 1000 Mark konnten Anteile gekauft werden. Das machte eine Renovierung und einen Anbau möglich. Seit April 2014 gehört das Weisshaus der Stadt. Die letzten Pächter, das Ehepaar Adamkiewicz, ging vor rund 14 Monaten in Ruhestand, nach dem sie das Weisshaus fast 20 Jahre lang bewirtschaftet hatten. Seitdem steht es leer. bec

 

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