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Multimillionär will Trier Museum spenden

(Trier) Der Multimillionär und Kunstsammler Hans Grothe will in Trier ein Museum für moderne Kunst bauen, um darin einen Teil seiner Sammlung auszustellen. Der Duisburger sagt zu, alle Kosten zu übernehmen. Doch so einfach ist die Sache dann doch nicht.

18.02.2016
Christiane Wolff
Ein schwerreicher Kunstsammler, der in der Stadt, in der er studiert hat, ein Museum hinstellt, dessen Bau alleine schon zehn bis 15 Millionen Euro kosten soll. Der darin auch noch rund 40 Werke seiner Sammlung ausstellen will – geschätzter Wert: 60 Millionen Euro. Und das, ohne finanzielle Verpflichtungen für Trier. Die Sache klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Doch diesen Deal hat der Duisburger Baulöwe Hans Grothe Trier angeboten. 

Der Kontakt war über einen gemeinsamen Bekannten von Triers Ex-Oberbürgermeister Klaus Jensen entstanden, ebenfalls gebürtiger Duisburger. Schon vor zwei Jahren war Grothe wegen des Museumsbaus im Trierer Rathaus zu Gast. Die Sache nahm konkrete Formen an: Das Trierer Architekturbüro Roth prüfte für Grothe mehrere potenzielle Standorte. „Wir haben uns sechs Grundstücke angesehen, unter anderem das ehemalige Seilbahngelände an der Mosel. Am besten geeignet scheint uns allerdings das Areal des alten Polizeipräsidiums in der Südallee“, sagt Helmut Roth.

Auch für Grothe, ebenfalls Architekt, kommt von den untersuchten Standorten nur das Polizeigelände vis-à- vis der Kaiserthermen infrage.

Nun sind die Tage des alten, größtenteils leer stehenden Polizeigebäudes am Kaiserthermenkreisverkehr zwar gezählt. Aber bis mindestens 2019 will das Land, dem auch das Gelände gehört, dort noch Räumlichkeiten nutzen. Eine Alternative zu der Immobilie, die wegen Schäden aufgegeben werden soll, hat die Polizei allerdings noch nicht gefunden. Außerdem gehört das Areal zu den Geländen, die die Stadt als mögliche Standorte für den Neubau ihrer Feuerwehrhauptwache prüft.

Neben diesen Hürden gibt es weitere Hemmnisse: „Im Gegenzug für den Museumsbau möchte ich das Grundstück nicht zum Marktwert kaufen müssen, sondern zu einem moderaten Preis“, erklärt Grothe im Gespräch mit dem TV. Das Problem: Wenn die Stadt das Gelände vom Land erwirbt, dürfte sie es nicht einfach zum Vorzugspreis an Grothe weitergeben. „Wir kämen um eine öffentliche Ausschreibung definitiv nicht herum, schließlich handelt es sich um ein attraktives Grundstück in sehr guter Lage“, sagt Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Für Grothe kommt allerdings nicht infrage, dass er trotz des von ihm finanzierten Museumsbaus mit anderen Bietern um das Areal feilschen soll.
Hotel soll Geld bringen
Das Land gibt sich zugeknöpft. Zwar hat es zwischen dem für den Geländeverkauf zuständigen Finanzministerium und Grothe bereits Gespräche gegeben. Wie die Eigentumsverhältnisse geregelt werden könnten, sei allerdings „noch völlig offen“, erklärt Ministeriumssprecher Horst Wenner auf TV-Nachfrage. „Natürlich sind wir weiterhin sehr an einem Museum für modere Kunst interessiert – Trier ist schließlich nicht nur eine alte Stadt, sondern auch eine moderne!“, betont Triers Oberbürgermeister Leibe – selbst Fan zeitgenössischer Kunst. Für Ende März hat Leibe deshalb einen Experten aus dem Finanzministerium nach Trier eingeladen. In einer Stadtvorstandssitzung soll darüber gesprochen werden, welche rechtlichen Vorgaben für den Verkauf des Areals gelten.

Dass sein Angebot mit Skepsis betrachtet wird, kann Grothe verstehen. „Stadt und Land wollen schließlich keinem Scharlatan aufsitzen und sind deshalb zurückhaltend“, sagt er. „Aber mein Angebot ist seriös!“ Er wolle dabei nicht als großer Spender oder Kunstmäzen auftreten. „Ich bin zwar bereit, eine größere Summe in das Projekt zu stecken, aber grundsätzlich müssen sich das Museum – und auch die Unterhaltungskosten – gegenfinanzieren“, sagt der Baumogul. Deshalb will er zusätzlich zum Museum auf dem Gelände ein Hotel oder Wohnungen bauen. „Der Gewinn aus Hotelbetrieb, den Mieten oder dem Wohnungsverkauf würde dann in eine Stiftung fließen, aus der die Folgekosten des Museums gedeckt werden könnten.“

Dagegen, dass er seine Bilder nach kurzer Zeit wieder abhänge und die Stadt mit einem leeren Museum da stünde, könnte Trier sich zudem vertraglich absichern. „Ich würde mich verpflichten, die Sammlung 25 bis 30 Jahre in Trier zu belassen“, sagt Grothe. „Es wäre eine Win-win-Situation: Die Stadt hätte ein tolles Museum und ich einen Platz, um meine Bilder sicher und trocken aufzuhängen.“

Käme tatsächlich eine 30-jährige Leihfrist zustande, würden Grothes Erben über den weiteren Verlauf der Sache entscheiden. Denn Hans Grothe ist 84 Jahre alt. „Aber selbst wenn die Bilder dann weg kämen: Das Lager des Trierer Landesmuseums ist doch voll mit alten Schätzen – die dann dort prima ausgestellt werden könnten.“
Meinung 
Vorurteilsfrei prüfen!

Hans Grothe macht gar keinen Hehl daraus, dass sein Angebot nicht uneigennützig ist: Kunstwerke, die ausgestellt werden, gewinnen an Bekanntheit – und damit an Wert. Stadt und Land brauchen dem Duisburger Spekulanten daher auch nicht als Almosenempfänger gegenübertreten, sondern als selbstbewusste Geschäftspartner. Dinge wie Unterhaltungskosten und eine lange Leihfrist müssten – und könnten – im Fall des Falles vertraglich wasserdicht geregelt werden. Was nicht passieren darf, ist, dass das Land aus lauter Angst toter Kater spielt. Ja, beim Nürburgring ist das Land mit seinen privaten Partnern ganz böse auf die Nase gefallen. Und auch beim Schlosshotel Bad Bergzabern lief die Sache nicht so, wie Ex-Ministerpräsident Kurt Beck es sich für seine Heimatstadt erträumt hatte: Statt wie geplant den privaten Betreiber an der Finanzierung zu beteiligen, zahlte das Land die Sanierung des barocken Schlossanbaus schließlich doch komplett selbst – um ihn nachher für einen Apfel und ein Ei dem privaten Pächter zu überlassen. 
Trotz dieser Pleiten muss Grothes Angebot vorurteilsfrei geprüft werden! Es könnte eine Riesenchance für Trier sein.
c.wolff@volksfreund.de
 
Extra Hans Grothe
Der Duisburger Hans Grothe, 84, wird vom Manager-Magazins an Stelle 405 der 500 reichsten Deutschen geführt, geschätztes Privatvermögen: 300 Millionen Euro. Der Baulöwe besitzt neben der weltweit größten Sammlung von Kiefer-Bildern auch Werke von Georg Baselitz und Jörg Immendorf. In Mannheim beteiligt sich Grothe derzeit mit einer sechsstelligen Summe an einem Neubau der Kunsthalle. Auch in anderen Städten hat Grothe Ausstellungsräume für seine eigenen Werke mitfinanziert, zum Beispiel in Duisburg. Der heute 84-Jährige hat von 1949 bis 1952 an der damaligen Trierer Staatsbauschule Architektur studiert.
Extra Die Kunst
Anselm Kiefer, geboren 1948, ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Maler Deutschlands. Seine Bilder sind monumental, oft mehrere Meter breit und hoch, meist in dunklen Farben gehalten und mit Materialien wie Stroh und Blei ausgestaltet. In Trier will Grothe bis zu 40 Kiefer-Bilder ausstellen. Der Versicherungswert liege insgesamt bei rund 60 Millionen Euro, sagt Grothe. „Für die Ausstellung benötige ich Räume mit etwa 6,50 Metern lichter Höhe und insgesamt rund 1500 Quadratmeter Fläche.“ Das Museum selbst soll ein eher schlichter Bau werden, „und keinesfalls in Konkurrenz zu den Kaiserthermen treten“. 
 
 

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