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Neues Bildungszentrum in der Trierer Loebstraße für 44 Millionen Euro

Handwerksammer reißt alte Ausbildungswerkstätten ab - Neubau soll Ende 2019 bezugsfertig sein

(Trier) Der Schweißraum im Keller hat keine Fenster, im Treppenhaus fallen die Kacheln von den Wänden, und die Brandschutz-Vorkehrungen sind längst nicht mehr auf dem neuesten Stand. Deshalb will die Trierer Handwerkskammer (HWK) ihr altes Ausbildungszentrum in der Loebstraße abreißen und neu bauen - für 44 Millionen Euro.

20.01.2016
Christiane Wolff
Feilen, schweißen, sägen, Dauerwellen legen: 4700 Lehrlinge aus der ganzen Region haben im vergangenen Jahr Spezial- oder Weiterbildungskurse im Bildungszentrum der Trierer HWK in der Loebstraße besucht. "Zum Beispiel, weil ihre Ausbildungsbetriebe bestimmte Maschinen nicht selbst vor Ort haben, mit denen die jungen Leute allerdings lernen müssen umzugehen", erklärt Kreishandwerksmeister Herbert Tschickardt. Errichtet wurde das am Hauptsitz der HWK in der Loebstraße auf zwei Gebäude aufgeteilte Bildungszentrum in den 1960ern. Mittlerweile sind die Bauten in die Jahre gekommen. "Die Fassaden sehen noch gut aus, aber es gibt umfangreiche Bauschäden", sagt Thomas Sandner, Leiter des Bildungszentrums. Eine Sanierung würde sich allerdings nicht lohnen. "Wir haben das ausgerechnet: Die Gebäude instandzusetzen, würde 87 Prozent von dem kosten, was in einen Neubau zu investieren ist", sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Manfred Bitter. Für Bund und Land gelten Sanierungen ab 70 Prozent der Neubaukosten als unwirtschaftlich und damit nicht förderfähig. Da die HWK allerdings auf Zuschüsse angewiesen ist, wird neu gebaut (der TV berichtete).

Was kostet das? Planung und Bau inklusive Ausstattung kosten insgesamt knapp 44 Millionen Euro (davon 4,7 Millionen für die Ausstattung mit Maschinen, Computern etc.). Der Bund gibt 18,5 Millionen Euro als Zuschuss, das Land insgesamt 12,9 Millionen Euro. Bleiben 12,5 Millionen, die die Handwerkskammer gut zur Hälfte aus Rücklagen bezahlt und zur Hälfte aus Krediten.

Was hat das Handwerk davon? Das Bildungszentrum soll mit modernster Technik ausgestattet werden. "Die Qualität der Ausbildung entscheidet nicht nur darüber, wie und wo junge Menschen ihren Platz in der Gesellschaft finden. Auch die Betriebe sind auf gut ausgebildeten, motivierten Nachwuchs angewiesen", sagt Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, der der Kammer am Dienstag die Förderzusage des Bundes überreichte.

Was ändert sich für Lehrlinge? Das gewohnte Bildungsangebot bleibt grundsätzlich bestehen, insbesondere Lehrgänge für Elektrotechniker, Friseure, Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, KFZ-Mechatroniker, Maler und Lackierer, Fahrzeuglackierer, Metallbauer, Raumausstatter, Tischler und Karosseriebauer. Neu wird sein, dass in Trier die zentrale Ausbildungsstätte für Zahntechniker aus ganz Rheinland-Pfalz eingerichtet wird.

Wann geht’s los, und wann wird’s fertig? Der Bau II des alten Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) soll im Juli 2016 abgerissen werden. Die Lehrgänge werden dann in eine der alten Hallen der angrenzenden ehemaligen Papierfabrik Ehm verlegt, die mittlerweile den Trierer Stadtwerken gehören. Der Rohbau des neuen BTZ soll im Juli 2017 fertig sein, der Innenausbau bis März 2019. "Der Zeitplan ist sehr ambitioniert, aber machbar", sagt Projektleiter Thomas Sandner. Nach dem Umzug in das neue Gebäude wird auch der Bau I des alten BTZ abgerissen. An dessen Stelle sollen 160 neue Parkplätze entstehen.

Wie wird das neue Berufsbildungszentrum aussehen? Das dreigeschossige Gebäude, das aus der Luft gesehen in etwa die Form des Großbuchstabens P haben wird, erhält eine Fassade aus anthrazitfarbenen Klinkersteinen und dunklen Blechen. Dazu kommt viel Glas. Das neue BTZ wird im Passivhausstandard gebaut, also so gut gedämmt sein, dass der Heizenergiebedarf weit unter den gesetzlichen Forderungen liegen wird.

Die Investition in das Gebäude soll auch eine Investition in die Jugend, die Handwerksbranche und die Region sein. "Wir haben in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine extrem niedrige Jugendarbeitslosigkeitsquote von acht Prozent", erklärte Staatssekretär Rachel, "das liegt auch an unserem guten System der dualen Ausbildung, die sich Betriebe und Staat teilen."

 

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