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aus unserem Archiv vom 17. Januar 2010
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Origineller Auftritt

Der eine ist wortgewaltiger Meister des Pathos, der andere Minimalist: Zusammen sind Sebastian Krämer und Marco Tschirpke ein originelles Traumpaar der musikalisch-literarisch-kabarettistischen Unterhaltung. Das zeigte ihr Auftritt mit deutscher Liedkultur in der Tufa in Trier.

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Trier. (ae) "Ich 'n Lied - du 'n Lied" ist das Motto des Auftritts, bei dem sich Sebastian Krämer und Marco Tschirpke am Flügel und mit völlig unterschiedlichem Humor abwechseln. Eines haben die beiden jedoch gemeinsam: das gekonnte Spiel mit den Erwartungen der Zuhörer.
 
Sebastian Krämer, im Anzug und ganz Entertainer, lässt seine Werke meist mit Piano-Musik in klassisch-romantischem Stil beginnen. Dazu singt er Textzeilen, die nach Phrasen aus gängigen Schlagern klingen. Doch damit führt er die Zuhörer auf eine völlig falsche Fährte. Denn was so harmlos anfängt, nimmt eine verblüffende Wende.
 
Nicht nur in seinem berühmten Deutschlehrer-Lied. Im "Lied zum Weltfrauentag" zum Beispiel lässt er die Beziehung einer Frau zu ihrem Lebensgefährten mit dem netten Refrain "aber er bringt dich zum Lachen" in einem Mord enden.
 
Marco Tschirpke, der Jeans, und T-Shirt trägt, weckt hingegen mit verheißungsvollen Moderationen Spannung. Dazu gehörte beim Auftritt in Trier zum Beispiel: "Ich habe mich mit dem Werk Peter Hacks beschäftigt und etwas von ihm bearbeitet."
 
Dann setzt er sich ans Klavier und singt: "Ob dein Feind stirbt oder du, in beiden Fällen hast du Ruh." Und das war's. Der Zuhörer stutzt und fragt sich: Kommt da noch was? Nein, bestenfalls das nächste Lied: "Die Freundin auf dem Bild ist unscharf aber treu." Nach höchstens 60 Sekunden hat er mit seinen "Lapsusliedern" das gleiche erreicht wie Krämer in epischen Minuten, und das Publikum tobt.
 
Die beiden gleichaltrigen Künstler (35) kultivieren ihre Unterschiede aufs Feinste, auch die ihrer Herkunft. Tschirpke nimmt den DDR-Sozialismus auf die Schippe, Krämer das westdeutsche Bildungsbürgertum. Im Verlauf des Programms zitieren beide aber auch augenzwinkernd den Stil des Gegenübers oder werfen ihre sprachliche und musikalische Virtuosität zusammen. All das beschert dem Publikum einen Ritt durch Höhen und Tiefen von Poesie und Banalität mit komischen Ausblicken auf das alltägliche Leben.
 



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