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Pfalzeler haben Angst um ihre Vierbeiner: Hündin Aska frisst Rattengift und stirbt

Legt jemand absichtlich Köder aus, um Tieren zu schaden?

(Trier) Der Horror eines jeden Hundebesitzers: Der geliebte Vierbeiner frisst in einem unbeobachteten Moment etwas, das sich erst später als Gift herausstellt. Einer Hündin in Pfalzel konnte nicht mehr geholfen werden: Sie musste eingeschläfert werden.

06.03.2016
Rebecca Schaal
Trier. Zuerst hat er sich nichts dabei gedacht. "Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass sich ein Hund mal übergibt", sagt Pascal Federkeil. "Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass es sich um Gift handeln könnte." Tut es aber, wie die Tierklinik Trier nach umfangreichen Untersuchungen laut Federkeils Mutter, Gabriele Weiland, herausfindet. Die Klinik selbst will "keine Angaben zu unseren Patienten" machen.

Für Hündin Aska kommt der - ohnehin nicht ganz einfache - Nachweis des Rattengifts im Blut zu spät: Sie muss eingeschläfert werden, um weiteres Leiden zu vermeiden. Weiland findet eindringliche Worte: "Aska ist elendig krepiert. Das ist so unfassbar traurig." Der erst vierjährige Schäferhund-Collie sei eine quirlige, liebenswerte Hündin gewesen - "wir haben alle sehr gelitten".

Die Nachricht verbreitet sich schnell in Pfalzel, auch im sozialen Netzwerk Facebook wird vor den Giftködern gewarnt. Ob es Vorsatz war? Das muss die Polizei herausfinden, die wegen der Vergiftung ermittelt. Joachim Hagen von der Polizeiinspektion Schweich: "Nach Angaben der Tierärzte dürfte es sich zweifelsfrei um Rattengift handeln. Ob das Gift absichtlich verteilt wurde, um Hunden oder Katzen zu schaden, oder ob es ausgelegt wurde, um Ratten zu bekämpfen, können wir noch nicht beurteilen."

Ein Hundehasser in Pfalzel? Diese Frage treibt die Tierfreunde dort seit einigen Tagen um. "Bislang habe ich davon nichts mitbekommen, es gab keine Gerüchte", sagt Federkeil.
Die Angst der Herrchen und Frauchen ist jedenfalls groß, wie Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel bestätigt. "Die Menschen sind gewarnt. Ich habe Hundebesitzer getroffen, die ihrem Vierbeiner einen Maulkorb gekauft haben, damit er beim Spaziergang nichts fressen kann", sagt sie.

Eine Hundebesitzerin aus Pfalzel meldet sich beim TV, will aber nicht namentlich genannt werden. Sie habe einen frei zugänglichen Garten und Angst, dass dort Gift ausgelegt werden könnte, wenn ihre Identität öffentlich gemacht wird. "Die Pfalzeler lassen ihre Hunde nicht mehr frei herumlaufen", sagt die Frau. "Zunächst haben hier im Ort viele gedacht, dass es sich bei der Nachricht vom vergifteten Hund um einen üblen Scherz handeln könnte." Es sei ihr aber wichtig, dass alle erfahren, dass der Hund am Gift gestorben sei.

Sie spricht ein weiteres Thema an - sollte es so sein, dass in Pfalzel Haustiere absichtlich vergiftet werden: "Auch Hundebesitzer sollten ganz allgemein mehr Rücksicht nehmen. Manche Straßen sind hier richtig vollgekotet. Dem wäre nicht so, wenn die Besitzer die Hinterlassenschaften ihrer Hunde einsammeln würden."
Wo genau Aska das Gift aufgenommen hat, ist unklar. Federkeil wohnt in der Straße Im Flürchen, von dort aus sei er mit Aska regelmäßig an die Mosel spazierengegangen. In einem unbeobachteten Moment muss sie den Köder dann gefressen haben - denn ihr Herrchen hat davon nichts mitbekommen.

Auch die Frage nach dem Wann kann nicht eindeutig beantwortet werden. "Je nach aufgenommenem Giftwirkstoff können die ersten Symptome zwischen 30 Minuten und mehreren Tagen nach Giftaufnahme auftreten", teilt René Svars von der Tierklinik Trier auf TV-Anfrage mit.
Federkeil und seine Familie sind nach wie vor fassungslos. "Ich habe sogar schon überlegt, ob mir jemand ganz gezielt schaden wollte", erzählt er. "Ich wüsste jedoch nicht, wer das sein sollte."
Extra
Was ist zu tun, wenn mein Hund Rattengift gefressen hat? Tierarzt René Svars rät: "Die meisten Vergiftungen mit Rattengiften sind auf unachtsamen Umgang mit Giftködern zurückzuführen. Die beste Vorsorge ist der Verzicht auf Giftstoffe im eigenen Haus und Garten. Das gilt übrigens auch für andere Gifte wie zum Beispiel Schneckenkorn." Bekommt der Hundehalter mit, dass sein Tier einen Giftköder gefressen hat, solle tierärztlicher Rat eingeholt werden. "Liegt die Aufnahme des Köders noch nicht lange zurück, so kann ein Emetikum verabreicht werden, das zum Erbrechen des Gifts führt. Hilfreich für den Tierarzt ist hier auch immer die Verpackung der Giftköder, die Informationen zu dem enthaltenen Giftstoff liefert." Und wenn ein Hund während eines Spaziergangs etwas aufnimmt, von dem nicht klar ist, was es war? "Dann sollte er in den nächsten Tagen aufmerksam beobachtet werden", empfiehlt Svars. bec
Extra
Immer wieder gibt es in Trier und Umgebung Hinweise auf Giftköder, die - absichtlich ausgelegt oder nicht - von Hunden gefressen werden. Nicht immer kann das Gift nachgewiesen werden. Im November 2015 wurde ein Hund in Mariahof lebensgefährlich durch einen wohl vorsätzlich ausgelegten Giftköder verletzt; das Tier überlebte. Im März 2014 hatte es auf demselben Rundweg einen ähnlichen Vorfall gegeben. Mitte 2014 war gleich aus mehreren Stadtteilen Ähnliches gemeldet worden: Damals sollen Hunde im Ruwertal, auf der Tarforster Höhe und in Ehrang Giftköder gefressen haben. Das geplante und vorsätzliche Auslegen präparierter Giftköder wird in Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes geregelt. Demnach drohen einem Täter, der ein Tier "ungerechtfertigt tötet" oder es "roh und quälerisch misshandelt" eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. bec

 

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