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Radstation am Trierer Hauptbahnhof eröffnet frühestens im Sommer

(Trier) Der Bau der Fahrradgarage verzögert sich erneut. Denn es gibt noch keine Baugenehmigung.

14.11.2017
Christiane Wolff
Das Karl-Marx-Jahr 2018 steht vor der Tür. Milljunen Touristen – wie man an der Mosel so schön sagt – werden nach Trier strömen. Wer per Bahn anreist, wird von der Stadt zuerst eine ihrer hässlichsten Seiten zu sehen bekommen: den Hauptbahnhof. Dessen ramponierte Fassade hat die Bahn vor Monaten mit rohen Spanpressplatten ausgebessert. Das Pressholz verleiht dem denkmalgeschützten Gebäude die Optik eines schlecht zusammengezimmerten Gartenhäuschens.
 
Wer das Hauptportal hinter sich gelassen hat, vor dem erstreckt sich linker Hand eine 550 Quadratmeter großen Baustelle – die dort bis mindestens August 2018 bleiben wird.
 
Denn anders, als von den Trierer Stadtwerken (SWT) zuletzt angekündigt, wird die dort geplante Radstation nicht zum Frühjahr fertig werden. „Vielmehr werden wir erst im Frühling, sobald der Winter zu Ende ist, mit den Bauarbeiten beginnen können“, bestätigt SWT-Architekt Christian Reinert am Dienstag auf TV-Nachfrage.
 
Grund für die Verzögerung ist, dass die SWT bei der Planung des lang gestreckten, etwa 55 mal zehn Meter großen Riegels nicht berücksichtigt hatte, dass der Neubau in der Denkmalschutzzone des Hauptbahnhofs liegt. Auch der bei der Stadtverwaltung angesiedelten unteren Denkmalbehörde war dieser Umstand nicht aufgefallen, als die Stadt 2013 die SWT mit dem Bau der Radstation beauftragte (der TV berichtete mehrfach).
 
Der Architektur- und Städtebaubeirat (ASB) – ein unabhängiges Gremium, das bei allen größeren Bauvorhaben in der City gehört werden muss – erhob Einspruch. Die SWT mussten umplanen: Der Baukörper wurde weiter vom Einzeldenkmal Hauptbahnhof abgerückt, die Fassade zurückhaltender gestaltet und für den Anstrich ein hellerer Ton gewählt.
 
Zufrieden war der ASB damit allerdings noch nicht, er forderte weitere Nachbesserungen. „Wir mussten den Abstand zum Hauptgebäude des Bahnhofs noch mal um einen Meter vergrößern und die Fassade noch mal in wenigen Details umgestalten“, erklärt SWT-Architekt Reinert. Im August gab der ASB schließlich grünes Licht für die mehrfach verbesserten Pläne. Im September beantragten die SWT bei der Stadtverwaltung die Baugenehmigung.
 Der Bauantrag werde zurzeit geprüft, erklärte der städtische Pressesprecher Michael Schmitz auf TV-Nachfrage. Insgesamt seien zehn Ämter und Behörden an dem Verfahren beteiligt. Diese würden zwar alle mit Hochdruck an der Sache arbeiten. Wann die Genehmigung letztlich erteilt werden könne, sei allerdings „wegen der Vielzahl der nötigen Stellungnahmen nicht zu prognostizieren“, sagt Stadtsprecher Schmitz.
 
„Wir gehen davon aus, dass die Genehmigung Anfang Januar vorliegt“, hofft SWT-Architekt Reinert. Sobald der Winter vorbei sei – etwa im März – könnten dann die Bauarbeiten beginnen. Weil das Gebäude aus schnell montierbaren Modulen errichtet werde, betrage die eigentliche Bauzeit nur rund sechs Monate. „Und weil wir wirklich wollen, dass die Radstation dann möglichst schnell fertig wird, werden wir versuchen, diese Bauzeit zu optimieren“, verspricht Reinert. „Wir hoffen, dass im August zumindest die Fahrradgarage und die Fahrradwerkstatt in Betrieb gehen können.“
 
Dass auch dieser Zeitplan schnell Makulatur sein könnte, räumt Reinert allerdings ein. Schließlich muss nicht nur die Stadt seinem Bauantrag zustimmen, sondern auch die Bahn. Denn der Bau des Gebäudes wird sich zeitweise auch auf den Betrieb des direkt dahinter liegenden Gleisstrangs auswirken. Deshalb muss auch die Deutsche Bahn ihr OK geben. Und die Bahn ist nicht gerade bekannt dafür, Vorgänge schnell zu bearbeiten. „Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt“, sagt Reinert.
 
Außer Fahrradgarage und -werkstatt sowie Büros für die Bundespolizei soll in dem Bau auch eine neue öffentliche Toilettenanlage untergebracht werden. Die Stadtwerke sind allerdings nur zuständig für die Bereitstellung der Räume. WCs und Waschbecken lässt die Bahn dann von einem Partnerunternehmen einbauen. 
Bis dahin müssen Trier-Besucher weiter die veralteten Toiletten im Untergeschoss des Hauptbahnhofes nutzen, zu denen eine steile Treppe nach unten führt. Wer gehbehindert ist oder schweres Gepäck dabei hat und aufs stille Örtchen muss, der wird seinen Trier-Besuch gleich in den ersten Minuten verfluchen.
 
Radstation am HBF, was bisher geschah:
 
2006: Stadt, Bahn und Bürger entwickeln gemeinsam die Idee einer Radstation am Hauptbahnhof.
2008: Mainz sagt einen Zuschuss für die Radgarage zu.
2013: Die Stadt Trier beauftragt die Stadtwerke mit dem Bau der Radstation.
2016:  Bei ihren Planungen haben Stadt und SWT übersehen, dass das Baugelände zur Denkmalschutzzone des Bahnhofs gehört. 
Frühjahr 2017: Der Architektur- und Denkmalpflegebeirat empfiehlt, die Baupläne denkmalgerecht zu ändern.
September 2017: Die Stadtwerke reicht den geänderten Bebauungsplan bei der Stadt ein. 
März 2018: geplanter Baubeginn
 
Kommentar
Bitte ein bisschen leiser schimpfen
 
"So einen Murks hat selbst mein Vater früher nicht fertig gebracht, wenn er aus irgendwelchen Resten was in seinem Schrebergarten gezimmert hat“, beschwerte sich kürzlich ein Freund bei mir über die Optik der Eingangstür zum Trierer Hauptbahnhof. Treffender kann man’s kaum umschreiben: Die angeschraubten Sperrholzplatten sind hässlich, unprofessionell und alles andere als angemessen für den Hauptbahnhof der ältesten Stadt Deutschlands mit ihren Millionen Touristen. 
Aber auf den Mega-Konzern Bahn schimpft es sich leicht – auch der Trierer Stadtvorstand tut das gerne. Zumindest in den nächsten Monaten sollten die Stadtvorderen allerdings ein bisschen leiser meckern. Denn dass direkt vor dem Trierer Hauptbahnhof im Karl-Marx-Jahr 2018 eine Baustelle die Milljunen Besucher begrüßt und es weit und breit keine barrierefreie Toiletten gibt – das haben Stadt und Stadtwerke ganz alleine hingemurkst.
c.wolff@volksfreund.de