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Raubüberfall im Trierer Stadtteil Mariahof: Zweiter Zeuge im Gefängnis

(Trier) Zwei Männer sollen sich nach dem brutalen Raubüberfall auf einen Rentner in Trier-Mariahof im Februar 2015 darüber unterhalten haben, dass ein Landsmann in die Tat verwickelt sein könnte. Vor Gericht konnte sich am Montag allerdings auch der zweite Mann nicht mehr an das Gespräch erinnern. Prompt ließ Staatsanwalt Wolfgang Barrot auch ihn verhaften.

25.01.2016
Christiane Wolff
„Ich habe gehört, dass K. in eine Schlägerei verwickelt war, die Sache mit dem alten Mann. Der K. ist ein schlechter Kerl, halt dich von dem fern.“ Diese beiden Sätze sollen so oder sehr ähnlich in einem Gespräch zwischen V. und O. gefallen sein. Das haben V. und O. jedenfalls beinahe wortgleich und unabhängig voneinander bei ihrer polizeilichen Vernehmung im Frühjahr zu Protokoll gegeben. Für die Staatsanwaltschaft war danach klar: Der „alte Mann“ aus dem Gespräch ist der 83-Jährige, der im Februar in seiner Wohnung in Mariahof fast zu Tode geprügelt worden war, und K. der Täter. Zusammen mit seinem angeblichen Komplizen H. sitzt K. seit November auf der Anklagebank des Trierer Landgerichts (der TV berichtete mehrmals).

Doch die beiden Zeugen V. und O. erinnern sich nicht mehr daran, jemals etwas von einer Schlägerei, in die K. verwickelt gewesen sein soll, gehört zu haben.

Staatsanwalt Wolfgang Barrot hatte V. deswegen bereits im Dezember festnehmen lassen (TV vom 9. Dezember). Am Montag beschuldigte Barrot auch den Zeugen O. der Falschaussage vor Gericht. Noch im Verhandlungssaal klickten die Handschellen.
„Ich spreche schlecht Russisch“
„Kein Wort habe ich so gegenüber der Polizei gesagt“, hatte O. zuvor beteuert – übersetzt von einem gerichtlich bestellten Dolmetscher. „Ich spreche schlecht Russisch. Ich hab’ damals gar nicht verstanden, was die Polizei von mir will.“Auch V. hatte sich auf Übersetzungs- und Verständigungsfehler im Verhör berufen, um die Diskrepanz zwischen seiner damaligen und seiner heutigen Aussage zu erklären.

Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht: V. und O. sind Tschetschenen und sprechen Tschetschenisch. Die Übersetzerin, die die Polizei bei beiden Vernehmungen dabei hatte, spricht allerdings Russisch. „Wie lange haben sie denn Russisch in der Schule gelernt?“, hakt Rechtsanwältin Bosch nach. „Schule?“, antwortet O., „bei uns war Krieg, ich war nicht in der Schule.“ Beim Polizeiverhör habe O.s Ehefrau dessen Aussagen vom Tschetschenischen ins Russische übersetzt. Die Dolmetscherin der Polizei dann weiter ins Deutsche.

Auch jede Nachfrage der Polizei musste auf diesem Weg zweifach übersetzt werden. „Hat die Polizei Ihnen denn das Protokoll mit Ihrer Aussage, das auf Deutsch verfasst wurde, noch mal ins Tschetschenische übersetzt, damit Sie prüfen konnten, ob alles richtig aufgeschrieben wurde?“, fragt Bosch, die einen der beiden Angeklagten verteidigt. „Nein“, sagt O.

Mit der Verhaftung des zweiten Zeugen ist die Beweislage in dem Indizienprozess am Montag noch schwieriger geworden. Denn außer einem Stück Packpapier mit der Adresse des Opfers und Fingerabdrücken des Angeklagten K. darauf, hat die Staatsanwaltschaft keine harten Beweise. Weder Tathergang, die genaue Tatzeit oder die Höhe der Beute konnten bislang schlüssig nachgewiesen werden. Angesetzt sind noch zwei weitere Prozesstage.
 

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