Sanierung von Sportstätten: Schulsport verliert gegen Vereinsfußball
Zwei große Sportstätten - den Fußballplatz in Trier-Irsch und die Toni-Chorus-Halle in der City - würde die Stadt Trier gerne im nächsten Jahr sanieren. Geld ist allerdings wohl nur für ein Projekt da. Der Sportausschuss hat sich für den Fußballplatz entschieden - gegen das Votum des Stadtsportverbandes und von Dezernentin Angelika Birk.
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Trier. Immer wieder tropft es durchs Dach der Toni-Chorus-Sporthalle in der Ausoniusstraße. Auch der Schwingboden stammt noch aus den 1960er-Jahren. Das städtische Sportamt beurteilt den Zustand der Halle als "äußerst sanierungsbedürftig", mit einer "kurzfristigen Schließung" müsse gerechnet werden.
Auch der Sportplatz in Trier-Irsch ist in einem desolaten Zustand: Bei Regen kann nicht gespielt werden, bei trockenem Wetter stehen die Spieler in Staubwolken.
Nach Möglichkeit sollen beide Projekte im nächsten Jahr saniert werden. Das Dilemma: Das rheinland-pfälzische Sportministerium gewährt voraussichtlich nur für eins der beiden Projekte einen Zuschuss, und aus eigener Finanzkraft kann die Stadt das zweite Projekt nicht umsetzen.
Der städtische Sportausschuss - besetzt mit Vertretern der Stadtratsfraktionen - musste sich deswegen in seiner jüngsten Sitzung entscheiden.
Der Stadtsportverband - Dachverband aller 110 Trierer Sportvereine mit insgesamt rund 25 000 Mitgliedern - und Sportdezernentin Angelika Birk hatten sich für die Sanierung der Toni-Chorus-Halle ausgesprochen. Denn dort trainieren nicht nur allabendlich die verschiedenen Sportgruppen des Postsportvereins Trier (PST). "Die Halle ist auch für den Schulsport unersetzlich", betonte Birk. Von Montag bis Freitag ist die Halle bis zum späten Nachmittag für den Schulsport der drei Berufsbildenden Schulen und der Ausonius-Grundschule reserviert. "Muss die Halle geschlossen werden, kann dieser Schulsport nicht mehr stattfinden, weil wir keinerlei Kapazitäten in anderen Hallen haben", argumentierte die Sportdezernentin, die auch für das Ressort Schulen zuständig ist.
"Randlagen unterstützen"
CDU, SPD, FWG und FDP ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie votierten für den Irscher Sportplatz - und überstimmten damit die Grünen und die Linke. "Wenn der Sportplatz nicht saniert wird, stirbt der Irscher Sportverein aus", argumentierte Bernd Michels von der CDU. "Die Stadt kann nicht immer nur in die City investieren, sondern muss auch mal Vereine in Randlagen unterstützen", erklärte Hans-Willi Triesch (SPD).
Kaum freie Trainingszeiten
Und obwohl Dezernentin Birk versprach, dass der Tennenboden des Irscher Sportplatzes für mehrere Tausend Euro zumindest so weit hergestellt werden soll, dass der Platz wieder gut zu bespielen ist, stimmte auch die FDP für die Komplett-Sanierung: "Den Irschern wurde bereits 2007 die zügige Umwandlung in einen Kunstrasenplatz versprochen", argumentierte Joachim Gilles.
"Wir brauchen die Toni-Chorus-Halle für den Schulsport", hielt Christiane Wendler (Grüne) dagegen. "Und außerdem würde eine Investition in den Sportplatz mal wieder nur dem Fußball zugutekommen - die Halle dient auch mal anderen Sportarten." Und auch Marc Gleißner von der Linken sprach sich für die Toni-Chorus-Halle aus: "Wir sind hier keine Lobby-Vertretung der Stadtteile, sondern ein gesamtstädtischer Ausschuss, der zum Wohle der gesamten Stadt entscheiden muss."
Den PST, dem die Toni-Chorus-Halle gehört, hat die Entscheidung des Sportausschusses überrascht: "Wir sind schon sehr enttäuscht und fragen uns, warum der Ausschuss sich gegen die Empfehlung des Stadtsportverbands und gegen die Dezernentin entschieden hat", sagt Thomas Lorenz vom PST-Präsidium. Der PST will nun die Parteien noch mal zu Vor-Ort-Terminen einladen, um auf die Wichtigkeit der Halle aufmerksam zu machen. "Nicht nur der Schulsport könnte bei einer Schließung nicht mehr stattfinden. Die Stadt müsste dann - wie für alle anderen Vereine - auch für die PST-Sportler in anderen Hallen Trainingszeiten bereitstellen", sagt Lorenz.
Darunter könnten dann allerdings auch die anderen Sportvereine leiden - denn in den Trierer Sporthallen ist schon jetzt kaum noch eine Trainingszeit frei.
Meinung
Unvernünftige Entscheidung
Der Sportausschuss hat falsch entschieden. Nicht, weil dem Fußball mal wieder Priorität eingeräumt worden ist gegenüber anderen Sportarten. Nicht, weil ein kleinerer Verein gegenüber einem großen Verein der Vorzug gegeben wurde. Sondern aus finanziellen Gründen: Der Kunstrasenplatz kostet im übernächsten oder überübernächsten Jahr noch in etwa so viel wie heute. Wird dagegen ein ohnehin schon marodes Gebäude nicht saniert, explodieren die Kosten wegen der zunehmenden Folgeschäden. Schon in Kürze könnte der PST-Halle dann das gleiche Schicksal bevorstehen wie der Trierer Eishalle. Da waren die Sanierungskosten nach jahrelangem Nichtstun so hoch, dass sie nicht mehr zu stemmen waren. Die Halle ist seitdem geschlossen. Und es gibt noch einen zweiten Aspekt, den CDU, SPD, FWG und FDP außen vor gelassen haben: Meldet die Stadt in Entfernung von nur rund 1,5 Kilometern Luftlinie vom nagelneuen Tarforster Kunstrasenplatz bei der Finanzaufsicht den Bau einer weiteren Kunstrasenanlage an, dann könnte die ADD diese Investition als unnötig abweisen. Die Sanierung einer Halle dagegen, auf die Trier wegen des Schulsports angewiesen ist, hätte wohl größere Chancen, vom Land bezuschusst zu werden. Der Stadtrat sollte sich daher gut überlegen, ob er die Entscheidung des Sportausschusses auch in diesem Fall einfach durchwinkt - oder doch noch Vernunft walten lässt. c.wolff@volksfreund.de
Extra
Bis 15. November muss dem Mainzer Sportministerium gemeldet werden, ob die Priorität des Stadtrats der Sanierung des Irscher Sportplatzes oder der Toni-Chorus-Halle gilt. Dass beide Projekte gefördert werden, ist unwahrscheinlich. Die Sanierungskosten für die Toni-Chorus-Halle belaufen sich auf rund 900 000 Euro. 100 000 Euro davon würde der PST übernehmen. Der Landeszuschuss würde sich auf rund 320 000 Euro belaufen, 480 000 Euro müsste die Stadt finanzieren. Der PST hat 3200 Mitglieder. Für den Schulsport in seiner Toni-Chorus-Halle erhält er von der Stadt ein Nutzungsentgelt von 80 000 Euro jährlich, zum Beispiel um die Energiekosten von mehreren Tausend Euro pro Monat zu decken. Die Umwandlung des Irscher Sportplatzes in einen Kunstrasenplatz würde bis zu 800 000 Euro kosten. Der Landeszuschuss beliefe sich auf etwa 280 000 Euro belaufen, die Stadt müsste die übrigen 520 000 Euro zahlen. Der SV Irsch hat 583 Mitglieder, die SSG Kernscheid, die in Irsch trainiert, 435. woc
Statt auf Kunstrasen müssen die Irscher und Kernscheider Fußballer auf einem maroden Tennenplatz spielen. Seit 2007 warten sie auf die Sanierung ihrer Sportanlage. TV-Fotos (2): Friedemann Vetter
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