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Schach macht Kinder schlau

Schach spielen schärft die Wahrnehmung und steigert die Lesefähigkeit. Eine Studie der Universität Trier könnte dazu beitragen, dass Schachunterricht ein Wahlpflichtfach an Schulen im Land wird.

25.07.2010
Von unserer Mitarbeiterin Sandra Blass-Naisar
Trier. Bernd Mallmann, Referent im Schulschachbezirk Trier, will beim Kultusministerium in Mainz dafür kämpfen, dass Schach künftig als Wahlpflichtfach an Real- und Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz unterrichtet werden kann. Er beruft sich dabei auf konkrete Ergebnisse: Über vier Jahre lang, von 2003 bis 2007, lief eine Studie der Uni Trier in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schulschachstiftung und der Grundschule Trier-Olewig. Eine Stunde Schachunterricht wurde in den wöchentlichen Stundenplan aufgenommen und dafür eine Stunde Mathematik "geopfert".
 
Das "Zentrum für Psychologische Diagnostik, Begutachtung und Evaluation" (Zdiag) der Uni Trier mit Professorin Sigrun-Heide Filipp erhielt den Auftrag zu prüfen, inwieweit der Schachunterricht positive Auswirkungen auf die geistige Entwicklung von Schülern hat. Die Egbert-Grundschule diente als Kontrollschule ohne Schachunterricht.
 
Das Ergebnis: In den ersten beiden Schuljahren ließ sich - vor allem bei leistungsschwachen Schülern - "eine signifikante Verbesserung des Wahrnehmungsvermögens und der Konzentration" feststellen. Im zweiten Schuljahr wurde ein "signifikanter Intelligenzanstieg" nachgewiesen. "Deutlich höhere Werte bei Leistungsmotivation und Sozialkompetenz" zeigten sich in den Klassenstufen 3 und 4.
 
Der Gründer und Ehrenvorsitzende der Deutschen Schulschachstiftung, Kurt Lellinger aus Trier, sieht sich in seinem leidenschaftlichen Plädoyer für das Schulschach bestätigt. "Beim Vera-Test 2006, dem Nachfolge-Test von Pisa, schnitten die Olewiger Schachschüler beim Leseverständnis zweieinhalb Mal so gut ab wie der Landesdurchschnitt und in Mathe doppelt so gut."
 
Für Achim Schmitt, Präsident des Schachbundes Rheinland-Pfalz und des Schachbezirks Trier steht fest: "Schach schult das visuelle Vorstellungsvermögen. Man braucht abstrakte Logik und ganz viel Gefühl und Intuition." Sich in den Gegner hineinzuversetzen, schule Sensibilität und Sozialkompetenz.
 
Im Mittelalter gehörte Schach zur Ausbildung adliger Sprösslinge, doch wer vor kurzem bei der Trierer Schachwoche und den Jugendmeisterschaften zugesehen hat, konnte feststellen, dass das "Spiel der Könige" keiner wie auch immer gearteten Elite vorbehalten ist. Da saßen Jungen und Mädchen jeden Alters und Temperaments.
 
"Schach hat so viele Facetten", sagt die 14-jährige Chiara. "Es kann ein gemütliches Spiel sein mit viel Zeit zum Nachdenken. Es kann aber auch die reinste Schlacht werden, in der die Figuren nur so vom Brett fegen."