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Schätze aus dem Wörter-Reich

(Stommeln/Pronsfeld) Kurze Form, lange Freude: Klaus Hansen, gebürtiger Eifeler und ehemaliger Professor an der Hochschule Niederrhein, hat ein neues Buch verfasst: "Draußen nur Ännchen".

07.10.2017
Fritz-Peter Linden
Stommeln/Pronsfeld Geht’s noch treffender? Dass gerade in der Republik eine Partei Furore macht, die den Bürgern gehörig Schiss einjagt (den einen vor den Flüchtlingen, den anderen vor ihrem immer unverhohlener rassistisch und demagogisch operierenden Personal), hat noch keiner so bündig dargestellt: Zweimal das Wort "Stimmenfang" aneinandergesetzt und die wesentlichen Buchstaben vergrößert - daraus macht Klaus Hansen dann kurzerhand den "stimmenfANGSTimmenfang". Wupp - und sitzt.
Es ist eine der zahlreichen, wie der Untertitel verspricht, Wortspielereien aus dem neuen Hansen-Buch. "Draußen nur Ännchen" heißt das frisch gebackene Werk des früheren Professors für Politik- und Kommunikationswissenschaften an der Hochschule Niederrhein. Der in Wirkichkeit ein stolzer Eifeler ist, auch wenn er längst in Pulheim-Stommeln wohnt: Hansen ist 1948 in Pronsfeld geboren und hat sich neben seinen akademischen Meriten (inklusive etlicher Fachpublikationen) auch mit dem Fußball befasst.
Und zwar in hoch erfreulicher Weise, wie wir hier bereits berichteten. Das resultierte in so schönen - und schön gestalteten - Büchern wie "Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne" oder "Der Kopf ist das dritte Bein des Fußballers".
Und auch "Ännchen" liefert viel zum Lachen - das eingangs zitierte Wortspiel ist eines der wenigen ernsten Beispiele. Stattdessen geht es gleich mit einem erfreulichen Lexikon von "Verlesern und Verhörern" los - ein Mini-Genre, das wir hier in der Prümer TV-Redaktion in allerhöchster Weise schätzen.
Hansen, der Sportsfreund, liest da zum Beispiel "Damentennis", wo es doch "Dementis" heißen müsste, "Fußball" statt "Fruchtfolge" und, angesichts der aktuellen Wahl nur zu verständlich, "Alkohol" statt "Wahllokal". Und, oha: Einen hat er sogar aus dem lieben Volksfreund geklau … pardon, entliehen: den mit der "Lacoste-Intoleranz" (statt Lactose-Intoleranz). Oder, Herr Hansen? Könne schon sein, antwortet der Herr Professor, "bin ja Tagedieb von Beruf". In dem Fall: Freispruch.
Eine ebenfalls für den Sprachspieler ergiebige Abteilung sind die, wie Hansen sie nennt, "Wortbrüche". Da finden wir, kreativ voneinander separiert, den "Flutsch Einwerfer", die "Mentholz Igarette", "Drucker Zeugnisse" und, fast schon Dada, das "Ruma Roma".
Schnell weg vom Alkohol: Auch auf dem Feld der Sinnsprüche, das wir längst abgegrast sahen, kann Hansen noch punkten: "Es gibt nichts Kompliziertes, außer man konstruiert es" heißt es in einer - siehe Abbildung links - liebevoll in Form des Eiffel-Turms gestalteten Sentenz. Die natürlich an den bekannten Satz von Erich Kästner erinnert (Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.)
Die Gestaltung des Buchs macht übrigens einen Teil der Freude aus, die man damit hat. Wobei Hansen den Anspruch hat, "eine neue literarische Gattung" vorzustellen: den visuellen Aphorismus. Anders gesagt: Der Text und seine optische Darreichungsform sind eine Einheit. Deshalb ist es auch ein Buch zum Gucken, Drehen und Wenden genauso wie zum Lesen.
Besonders gut: Es regt zum Selber-Weiterspinnen an. Und das alles für verbraucherfreundliche knapp 13 Euro, was will man da noch mehr. Höchstens, genau: noch mehr davon, bitte.
Wer also Lust am Wörter-Spiel hat und erleben will, wie sehr sich unsere Sprache dafür eignet, alles von einem echten Eifeler unterhaltend und gewitzt zubereitet, der sollte hier zugreifen. Und dabei auch an andere denken: Ist ja schon bald auch wieder Weihnachten.
Klaus Hansen:
Draußen nur
Ännchen.
Wortspielereien.
Roland Reischl Verlag,
Köln. Fester
Einband, 110 Seiten,
12,95 Euro.