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"Seit ich denken kann, tanze ich": Yvonne Braschke hat sich mit Leib und Seele der Bühne verschrieben

Yvonne Braschke hat sich mit Leib und Seele der Bühne verschrieben

(Trier) Das Leben der freiberuflichen Musicaldarstellerin und Choreografin Yvonne Braschke ist abwechslungsreich. "Tarzan" in Hamburg, "West Side Story" in Kaiserslautern, "Der kleine Horrorladen" in Trier - Traum oder Tortur?

01.04.2015
Karin Pütz
Trier. "In der zehnten Klasse habe ich im Rahmen einer Studienfahrt das Musical ,Cats\' gesehen. Das war der ausschlaggebende Punkt." Yvonne Braschke strahlt, wenn sie von den Anfängen ihrer Tanzkarriere spricht. Bis sie jedoch selbst auf der Musicalbühne steht, sollten allerdings noch einige Jahre - und gute drei Studiensemester Mathematik und Wirtschaft - vergehen. Mit diversen Jobs sparte sie sich das Geld für die Ausbildung an der Stage-School Hamburg zusammen, die sie im Mai 2005 als ausgebildete Bühnendarstellerin in den Sparten Schauspiel, Gesang und Tanz verließ.
Es folgten Engagements in verschiedenen Städten, wobei sie nie ihr größtes Ziel aus den Augen verlor: beim Musical "Tarzan" in Hamburg mitzuspielen. In drei aufeinanderfolgenden Jahren nahm sie an den Auditions (Vorsprechen oder -singen) teil, bis sie es 2010 schaffte, einen der Gorillas sowie ein fliegendes Insekt zu spielen. "Ein echter Knochenjob, extrem anstrengend", sagt sie - aber ihr Traum hatte sich erfüllt.
Allerdings nur für ein Jahr, denn ein Leben als Musicaldarstellerin ist unstet, und eine Garantie auf eine Dauerstellung gibt es nicht. In der Musicalsparte ist es an den meisten Häusern nicht üblich, über Jahre hinweg feste Ensembles anzustellen. Für Yvonne Braschke ist das kein Nachteil. "Ich bin gerne freie Künstlerin, weil man sich dann die Stücke aussuchen kann. Ich bewerbe mich für die Produktionen, die mich interessieren, und bin an keinen Spielplan gebunden." So gehört auch die Europatournee 2008 mit DJ Bobo zu ihren Highlights. Aus der Not, sich in Übergangszeiten ohne Engagement immer wieder etwas einfallen zu lassen, um Geld zu verdienen, entwickelte sich ihre Kreativität in eine weitere Richtung. Unter dem Label "KNUP" näht sie Taschen, Schals und Accessoires aus gebrauchten Kleidungsstücken und LKW-Planen.
Allerdings kommt sie zurzeit kaum dazu - beim Theater Trier spielt sie bei "Urmel aus dem Eis" ein Schwein, im Kasino Trier improvisiert sie im Format "Maestro", in Kaiserslautern tanzt und singt sie in der "West Side Story" - und zwischendurch lernt sie ihren Text für das Theaterstück "Frau Müller muss weg". Dass sie außerdem im Studio von Bernadette Wacht als Tanzdozentin unterrichtet, Workshops gibt und Karnevalstanzgruppen trainiert, ist kaum zu glauben. Aber genau das ist das Leben, wie die quirlige 1,65 Meter große 34-Jährige es sich vorgestellt hat.
Dass ihr das Pendeln zwischen verschiedenen Städten immer schwerer fällt, je älter sie wird, gibt sie offen zu. Bei der Frage, wo sie eigentlich zu Hause sei, zögert sie. "Meine Heimat, das ist Hof an der Saale." Und nach einer kurzen Pause: "In Trier bin ich zu Hause." Deshalb wäre es für sie ein weiterer Glücksfall, immer wieder mal vom Theater Trier als Choreografin engagiert zu werden. Den bevorstehenden Intendantenwechsel sieht sie positiv: "Ich glaube, dass Karl Sibelius ein großer Gewinn für Trier ist."