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02.10.2017
Natascha Kittler

Spielend unterwegs auf dem richtigen Weg

(TRIER) Studenten der Hochschule Trier zeigen, wie blaue Spielfiguren als Metapher für die deutsche Demokratie funktionieren können.

TRIER Unzählige einäugige blaue Gestalten schlüpfen aus gepunkteten Eiern und wandern kreuz und quer durch ein Labyrinth aus verzweigten Wegen. Links vom Spielfeld fließt kochend heiße Lava, rechts tut sich ein tiefer Abgrund auf. Das anlässlich des Tags der Deutschen Einheit am 3. Oktober entwickelte Onlinespiel "Rette die Blunies" soll demokratische Grundwerte auf eine besondere, digitale Weise vermitteln.
Das Spiel ist das Ergebnis einer Kooperation der Studiengänge Informatik und Intermediales Design der Hochschule Trier. Insgesamt 25 Studenten haben ein halbes Jahr lang an Design und Programmierung getüftelt. Unterstützt wurde die Hochschule dabei sowohl vom rheinland-pfälzischen Wissenschafts- als auch vom Wirtschaftsministerium sowie der Staatskanzlei. Acht Spiellevels sind so entstanden, in denen die Blunies stetig dazulernen und auf den Spieler wachsende Herausforderungen warten.
Mentorin Prof. Linda Breitlauch vom Fachbereich Gestaltung erklärt das Spielprinzip: "Die Blunies sind ein fiktives Völkchen, und der Spieler ist die Regierung. Er kann die Bluniekratie durch Verschieben der Felder im Labyrinth steuern. Allerdings muss er aufpassen, dass alle Blunies in der Mitte bleiben und keiner links oder rechts rausfällt, so dass alle heil am Ziel ankommen. Und er muss die Bewohner für verschiedene Gefahren ausrüsten."
Der studentische Projektleiter Frank Kramp ergänzt: "Die Blunies verkörpern das Volk, denn am Tag der Deutschen Einheit geht es genau darum. Sie können nicht aktiv gesteuert werden, sondern der Spieler kann nur die Weichen für sie stellen. Auf diese Weise wird der Individualismus unserer Gesellschaft dargestellt."
Das spezielle Design der Figuren ist gewollt, denn durch deren Geschlechtslosigkeit und die blaue Hautfarbe kann keine genaue Zuordnung stattfinden. Kramp sagt: "Die Blunies verkörpern die Vielfalt, so dass sich jeder damit identifizieren kann."
Die Hindernisse, die sich den Blunies in den Weg stellen, sind bedeutsamen Meilensteinen der Geschichte der Bundesrepublik entlehnt. Dazu gehören beispielsweise eine plötzlich auftauchende unüberwindbare Mauer und klebrige Korruptionssümpfe, die ein weiteres Vorwärtskommen unmöglich machen. Spitze Fallen aus Fake-News schnappen nach den Blunies und verwandeln sie in Wutbürger.
Die Lösung zur Überwindung der Hindernisse liegt in der Ausbildung. Der Spieler kann Handwerksbetriebe, Kunstakademien oder Journalistenschulen für die Blunies bauen und auf diese Weise seine Bevölkerung gebildet gegen die Gefahren ankämpfen lassen. Der Wert einer guten Ausbildung ist laut Breitlauch eine grundlegende Aussage des Spiels: "Bildung ist etwas ganz Wichtiges. Uns war besonders wichtig zu vermitteln, dass alle Ausbildungen gut sind und gebraucht werden."
Kerngedanke des Spiels ist jedoch, Werte wie den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Verliert ein Spieler zu viele Blunies an den Abgrund oder an die Lavaströme, ist das Level beendet und muss von vorne begonnen werden. Laut Breitlauch eine Metapher für einen essenziellen Grundsatz: "Alle Menschen sind gleich wert, und jeder ist wichtig." Kramp fügt hinzu: "Wir wollen Freiheit, demokratische Werte und die Bedeutung von Kunst, Kultur und Pressefreiheit rüberbringen."
Kramp betont auch das positive Licht, das auf diese Weise auf das Spiel als generelles Medium geworfen wird: "Normalerweise werden Computerspiele von Politikern und Eltern als eher unliebsames Element und nicht als Kunstmedium betrachtet. Aber durch die politische Unterstützung bekommt die Gamebranche eine neue Chance."
Ab dem heutigen Montag wird das Spiel fertiggestellt sein und kann unter www.rette-die-blunies.de ausprobiert werden. Zudem wird es als App für Android und IOS verfügbar sein.