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Strafanzeigen gegen Pfalzeler Firma - Kunststoff-Recyclingbetrieb Eu-Rec: Defekt an neuer Geruchsvernichtungsanlage

Kunststoff-Recyclingbetrieb Eu-Rec: Defekt an neuer Geruchsvernichtungsanlage

(Trier) In die neue, behördlich angeordnete Geruchsvernichtungsanlage der Pfalzeler Recyclingfirma Eu-Rec hatten die Anwohner große Hoffnungen gesetzt. Doch im Stadtteil stinkt es immer noch. Das Gesundheitsamt empfiehlt die Stilllegung der Firma. Dossier zum Thema: Topthemen

09.06.2015
Christiane Wolff
Trier. Margret Pfeiffer-Erdel ist außer sich. "Das stinkt, als würde man mit dem Kopf in einer Kloschüssel stecken, in die vorher jemand nicht nur sein großes Geschäft erledigt, sondern sich auch noch übergeben hat", versucht sich die Pfalzeler Ortsvorsteherin an einer Beschreibung der üblen Düfte, die an Fronleichnam und am Wochenende wieder durch den Stadtteil waberten. Ihr Mann habe sich übergeben müssen von dem Gestank, ihre Schwiegertochter ebenfalls. Mehrere Dutzend Anwohner hatten sich bei der Stadtteilchefin beschwert, per Telefon und Mail. Der "nach Gülle riechende Gestank" sei nicht mehr auszuhalten, schimpft ein Pfalzeler. Eine Familie in der Residenzstraße schickte am Samstagabend Gäste, die zum Grillen vorbeigekommen waren, kurzerhand wieder nach Hause. "Man konnte sich draußen nicht aufhalten, ins Haus gehen ging auch nicht, weil es so warm war, man aber die Fenster wegen des Gestanks nicht zum Lüften öffnen konnte", ärgert sich der Gastgeber.
Der Geruch strömt von der im nahen Industriegebiet liegenden Recycling-Firma Eu-Rec, die benutzte Kunststofffolien - zum Beispiel Gelbe Säcke - zu Granulat verarbeitet, in den Stadtteil. "Seit eineinhalb Jahren stinkt es immer wieder - und es passiert nichts! So langsam verlieren wir das Vertrauen in die Behörden, irgendwie scheinen uns die nicht ernst zu nehmen", klagt Ortsvorsteherin Pfeiffer-Erdel.
Dabei hat die zuständige Aufsichtsbehörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, zumindest in den vergangenen Monaten der Eu-Rec bereits mehrere Auflagen gemacht. Zuletzt die Installation einer Geruchsvernichtungsanlage (der TV berichtete). Diese ist seit 1. Juni in Betrieb - bislang ohne den erhofften Effekt.

Polizei bestätigt Gestank


Neun Pfalzeler Bürger haben nach dem vergangenen Wochenende Strafanzeigen wegen Geruchsbelästigung und Körperverletzung gestellt. Die Polizei hatte vor Ort die Geruchsbelästigung überprüft und gegenüber der SGD Nord den Gestank bestätigt. Auch das Gesundheitsamt hat sich eingeschaltet. Bei der vorigen Stinkewelle im April hatte das Amt Kohlefilter in Pfalzel aufgehängt, um mögliche Schadstoffe festzustellen (der TV berichtete). Seit kurzem liegen die Ergebnisse vor: "Wir haben keinerlei direkt gesundheitsschädigenden Substanzen festgestellt", beruhigt Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamts, auf TV-Nachfrage. "Aber es gibt Substanzen, etwa Buttersäure oder Schwefelwasserstoff, die zwar nicht wirklich gesundheitsgefährdend sind, aber so sehr stinken, dass sie bei sensiblen Menschen zu erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen wie Übelkeit führen." Der durch puren Gestank ausgelöste Stress könne im Körper zudem zu hormonellen Veränderungen führen, die dann wiederum durchaus gesundheitsschädlich sein könnten. "Daher muss in Pfalzel unbedingt etwas passieren", fordert Michels. Der SGD Nord hat der Gesundheitsamtschef empfohlen, dass der Eu-Rec die Verarbeitung von Kunststofffolien so lange untersagt werde, "bis durch den Einbau geeigneter Filtermaßnahmen eine erneute Geruchsbelästigung auszuschließen ist".
Die SGD Nord hatte der Eu-Rec eine solche Stilllegung bereits angedroht für den Fall, dass es trotz des am 1. Juni installierten Geruchsvernichtungssystems weiter stinkt. Die zweiwöchige Testphase läuft noch bis Montag.
Unternehmen bedauert Vorfall
"Wir bedauern sehr, dass es zwischenzeitlich wieder gestunken hat", erklärt Eu-Rec-Rechtsanwalt Paul Henseler. Grund sei ein technischer Defekt der neuen Geruchsvernichtungsanlage gewesen. "Nachdem wieder Gerüche ausgetreten waren, haben wir sofort die Installationsfirma mit der Wartung beauftragt", sagt Henseler. Noch am Montag sei eine defekte Membran ausgetauscht und ein zusätzliches Gerät eingesetzt worden (siehe Extra). Seitdem hat es nicht mehr gestunken. "Die Frist, binnen derer wir in Absprache mit der SGD Nord testen, ob die Geruchsvernichtungsanlage funktioniert, läuft noch bis Montag. Erst dann kann entschieden werden, ob sie die gehoffte Abhilfe schafft. Wir bemühen uns jedenfalls sehr, dass sich die Situation bessert - aber vor einem technischen Defekt ist leider niemand sicher", bedauert Henseler.
Extra
Die neue Geruchsvernichtungsanlage der Eu-Rec funktioniert so: Die Anlage ist direkt im Abluft-Kamin der Recycling-Firma installiert. Eine Messung der Kaminluft hatte ergeben, dass dort die Geruchsstoffkonzentration mit 2000 Geruchseinheiten pro Kubikmeter Luft deutlich über dem zulässigen Grenzwert von 500 Geruchseinheiten liegt (der TV berichtete). Die neue Anlage spritzt in den Kamin über feine Düsen einen Nebel, der Stoffe enthält, die die Geruchsteilchen binden und auflösen. Die Anlage nutzt dafür eine Pressluftpumpe. Weil diese Pumpe offenbar zu feuchte Luft angesaugt hatte, hatte sich am Donnerstag eine Membran in dieser Pumpe zugesetzt. Die Membran wurde am Montag ausgetauscht. Ein neues Trocknungsgerät soll sicherstellen, dass die Pumpe keine zu feuchte Luft mehr ansaugen kann. woc