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Studenten erforschen NS-Geschichte

Gruppe der Uni präsentiert im KZ Hinzert erste Ergebnisse zur Gestapo-Behörde in Trier

(Hinzert-Pölert) Ein Projektteam der Universität Trier hat in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert Forschungen über die Aktivitäten der Trierer Gestapo vorgestellt. Dabei beleuchteten die Studenten verschiedene Aspekte.

04.03.2013
Ursula Schmieder
Hinzert-Pölert. Eine Stütze des Nationalsozialismus war die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Dank vieler Denunzianten und V-Leute war sie allmächtig. Das gilt auch für den Trierer Teil der Behörde, wie ein Team der Uni Trier recherchiert hat. In der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert präsentierten Studierende um Thomas Grotum, Dozent für Neuere und Neueste Geschichte, erste Ergebnisse.
Angestoßen hat die Aufarbeitung der Umzug der Trierer Staatsanwaltschaft im Oktober 2011 in den ehemaligen Gestapo-Sitz in der Christophstraße (siehe Extra). Das Uni-Team beleuchtete verschiedene Aspekte.
Teammitglied Sebastian Heuft bezeichnet bei der gestrigen Präsentation der Forschungsergebnisse zum Beispiel die Trierer Behörde als "Presselenkungsorgan der Nationalsozialisten". Tageszeitungen wie der Trierische Volksfreund oder die Landeszeitung waren früh von Repressalien betroffen. Der Paulinus, das Wochenblatt des Bistums, zu dem Teile des Saarlands gehören, wurde erst 1938 verboten. Die Nazis sicherten sich so eine Mehrheit bei der Saar-Abstimmung, die zur Eingliederung ins Deutsche Reich führte. Unmittelbar danach wurden Druckgenehmigungen verweigert, Artikel zensiert oder verboten und Akten und komplette Zeitungsausgaben beschlagnahmt.
Bei der Verfolgung von "Rundfunkverbrechern" spielten Denunzianten ebenfalls eine gewichtige Rolle. Matthias Klein stieß bei seinen Recherchen auf einen Fall in Bernkastel-Kues, wo mit Hilfe der NS-Justiz ein Familienkonflikt ausgetragen wurde. Der von Frau und Sohn denunzierte Hörer ausländischer Sender wurde zu 15 Monaten Zuchthaus verurteilt. Ebenso konnten Einschüchterungen oder Drohungen zu Anzeigen motivieren.
Die politische Abteilung der Gestapo Trier, das gefürchtete Vernehmungskommando, war laut Katharina Müller oft im SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Sie erzwangen Geständnisse Inhaftierter mit Folter und waren verantwortlich für die Ermordung von 70 sowjetischen Kriegsgefangenen durch Zyankali-Injektionen. Nach dem Krieg endete weder die Geschichte der Gestapo noch die ihrer Köpfe. Als Beispiel nannte Teamleiter Grotum einen früheren Trierer Gestapo-Leiter, der nach 1945 im Saarland Karriere machte.
Die späte Aufarbeitung der Trie rer Gestapo-Geschichte wird durch die fehlenden Akten erschwert. Es gibt aber historische Quellen in anderen Archiven sowie Berichte von Augenzeugen oder Opfern. Laut Grotum belegen sie, dass die Trierer Gestapo verhörte und misshandelte und "in vielfältiger Weise an verbrecherischen Taten beteiligt war".
Extra
Die am 5. Mai 1933 in Trier eingerichtete Gestapo war von 1935 bis 1944 im ehemaligen Reichsbahndirektionsgebäude, Christophstraße 1, untergebracht. Davor war ihr Sitz am Hauptmarkt (heute H&M). Eine der wenigen erhaltenen Quellen ist ein Tagebuch des N-Referats der Gestapo-Außendienststelle Trier. In ihm sind 372 Fälle - allein für 1944 und 1945 - dokumentiert, in denen Menschen denunziert wurden. Das Projekt der Uni Trier konzentriert sich nicht nur auf die Gestapo selbst, sondern auch auf ihr Verhältnis zur Bevölkerung und zu anderen Institutionen. Die Aufarbeitung erfolgte in Kooperation mit der Staatsanwaltschaft und dem Justizministerium. Förderer sind der Freundeskreis der Universität und die Nikolaus-Koch-Stiftung. urs

 

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