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Trier, Frankfurt, Manhattan

TRIER/FRANKFURT. In einem knappen Jahrzehnt von der Regionalliga in die Champions-League: Wovon Fußballclubs nur träumen können, hat in der Immobilien-Branche Ulrich Höller mit Beharrlichkeit und gutem Instinkt geschafft. Der Name des Unternehmens, das er leitet (Deutsche Immobilien Chancen), ist auch das berufliche Lebensprogramm des 41-jährigen Ex-Trierers mit großem Faible für seine alte Heimat.

18.01.2007
Von unserem Redakteur
ROLAND MORGEN
Viel Erfolg versaut den Charakter? Offenbar nicht bei Ulrich Höller. Von seinem jüngsten Coup erzählt er eher beiläufig: "Wir entwickeln das Degussa-Gelände in Frankfurt neu." Auf dem 6,5 Hektar großen Altstadt-Areal am Mainufer entstehen bis 2013 rund 90 000 Quadratmeter neue Handels-, Büro-, Wohn- und Hotelflächen. Investitionsvolumen: knapp eine halbe Milliarde Euro.

Branchen-Star mit gutem Riecher

Wenn Höller schon mal in Trier ist, dann schwelgt er gerne in Erinnerungen. Zum Beispiel ans Palais-Walderdorff-Projekt, das er 1997 einfädelte und im Auftrag der Nikolaus-Koch-Stiftung umsetzte. Oder an das Kornmarkt-Casino, dem er in Kooperation mit der Triwo AG ein strahlendes Äußeres und ein florierendes Innenleben gegeben hat. Beide Immobilien stehen für unterschiedliche Phasen in Höllers Karriere. Das Palais ("mein Lieblingsbaby") verwandelte er noch als alleiniger Geschäftsführer der lokalen Projektentwicklungsgruppe Waco vom städtischen Sanierungsfall zum attraktiven öffentlichen Anziehungspunkt. Seinen Beitrag zum Casino steuerte er bereits aus dem Frankfurter Hauptquartier des 2000 gegründeten Branchen-Giganten Deutsche Immobilien Chancen (DIC) bei, in dem die Waco aufgegangen ist.

Heute ist Höller Vorstandschef der DIC-Gruppe, eines börsen-notierten (SDAX) "ganzheitlichen" Immobilien-Konzerns mit institutionellen Investoren und Versicherungen als Aktionären, der kauft, verkauft, entwickelt und über eigenen Bestand im Wert von 2,3 Milliarden Euro verfügt.

Das Fachblatt "Immobilien-Zeitung" bezeichnete Höller kürzlich als "unumstrittenen Star der Frankfurter Immobilienbranche".

Der 41-Jährige reagiert darauf weder in effektheischendem Understatement noch widerspricht er.

"Ich gebe stets mein Bestes und entwickle mich weiter. Stillstand ist für mich Rückschritt", sagt er und bestätigt damit die Meinung alter Freunde oder Schulkameraden vom Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG). Der Uli sei kein Streber, aber einer, der stets nach neuen Zielen Ausschau halte und auch etwas dafür tue und Chancen nutze, statt nur zu träumen.

"Rückschritt" gab es für Höller nur einmal – mit dem VfL Trier, für den er drei Spielzeiten lang kickte. Es war aber nicht der Abstieg aus der Verbandsliga, der den ersten Berufswunsch "Fußballprofi" zunichte machte. Der in Essen geborene und auf der Weismark aufgewachsene Spross des Trierer Fachhochschulprofessors Oswald Höller hatte nach einer Lehre als Industriekaufmann bei Kirsch in Biewer längst vor, "in die Wirtschaft zu gehen". Auf Elite-Akademien in Oestrich-Winkel und London ließ er sich "auf Immobilien drillen". Damit war der Weggang aus Trier programmiert: "Die Musik spielt in Frankfurt". Und Höller musiziert kräftig mit.

Obwohl er und seine aus St. Matthias stammende Frau Beate (geborene Merlot) seit zehn Jahren Frankfurter und die beiden Kinder Nicolas (7) und Luisa (4) dort zur Welt gekommen sind, verspürt Höller eine "unglaublich starke emotionale Bindung" an die alte Heimat. Die besucht der "leidenschaftliche Weinfreund" gern mit Gästen im Schlepptau, die im Park-Plaza-Hotel (ein DIC-Projekt) logieren und denen er so ganz nebenbei auch das Palais Walderdorff und das Casino zeigt. Sich dann als "Vater" oder "Elternteil" der Vorzeigeobjekte outen zu können, das mache ihn "superstolz".

Dennoch sind die Stippvisiten an der Mosel seltener geworden: "Ich kann mir beruflich nichts Spannenderes vorstellen als die Immobilienbranche. Sie ist einer der größten volkswirtschaftlichen Zweige. Deshalb bin ich oft weltweit unterwegs." Dabei treibe ihn weniger das Geld ("Das ist ein schöner Nebeneffekt") als "die große Freude, etwas zu bewegen".

In die (europäische) "Champions League" der Branche hat es Höller mit der DIC längst geschafft. Wie sieht`s mit weiteren Zielen aus? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Ich würde gerne mal ein Hochhaus in New York bauen." Den Sprung von "Mainhattan" nach Manhattan hat Höller in sportlicher Hinsicht bereits mehrfach mit Bravour hinbekommen: "Ich bin schon dreimal beim New-York-Marathon mitgelaufen."

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