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Trier soll grüner und bunter werden - Viel Arbeit im Nells Park

(Trier-Nord) Das Beispiel Nells Park zeigt es: Auf die neue Chefin des Grünflächensamtes und ihr Team kommt viel Arbeit zu. Auch Überzeugungsarbeit am Bürger. Und die Schnullerfee könnte bald beschäftigungslos werden.

09.09.2017
Roland Morgen
Trier-Nord Der Mann, der in der TV-Lokalredaktion anrief, nannte seinen Namen nicht, nur sein Anliegen, und das im Befehlston: "Schauen Sie sich mal den Nells Park an! Und schreiben Sie darüber!" Was genau er meinte, ist leider nicht bekannt, da er das Telefonat beendete, ohne die Gelegenheit zum Gespräch zu bieten. Der TV hat sich den Park zwei Mal angeschaut. Eindruck beim ersten Mal: Alles wie immer. Könnte etwas sauberer sein, aber müsste eine Note vergeben werden, würde es für eine Drei reichen. Beim zweiten Mal ist auf Bitte des Reporters Grünflächenamt-Leiterin Christine-Petra Schacht dabei, mit Gärtnermeister Michael Feiten (48) im Schlepptau.

Eindruck jetzt: sauberer, glatte Zwei. Den Nells Park vor dem Pressetermin mal schnell auf Vordermann gebracht? "Nein", sagt die Amtschefin. "Wir reinigen regelmäßig. Und das ist auch unser Problem. Unsere Gärtner sind mehr mit der Beseitigung und Entsorgung von Müll und Hundedreck beschäftigt als mit ihren eigentlichen Aufgaben, wie etwa mit dem Schneiden von Hecken und der Entwicklung von Grünanlagen." Und wie zur Bestätigung: In 20 Metern Entfernung lässt ein Mann seinen Hund einfach auf den Weg "machen" und will dann weitergehen. Erst, als er merkt, dass er beobachtet wird, packt er eine Tüte aus und sammelt die Hinterlassenschaften seines Vierbeiners ein.
Gärtnermeister Feiten deutet auf eine leere Stelle im Rosengarten des Nells Park hin: "Hier stand drei Jahre lang eine hohe Kräuterspirale. 1,20 Meter hoch, Durchmesser: zweieinhalb Meter. 2016 haben wir sie zurückgebaut." Mindestens 30-mal sei das aus lose aufgesetzten Mauersteinen bestehende Gebilde zerstört und wieder aufgebaut worden. "Aber irgendwann ist das Maß voll. Bedauerlich."

Christine-Petra Schacht: "Viele Menschen nutzen die Parks, fühlen sich aber nicht verantwortlich. Ich möchte das ändern." Die neue Leiterin sieht auch das eigene Amt in der Pflicht: "Wir müssen raus aus dem stillen Kämmerlein und den Bürgern zeigen: Da passiert etwas, und wir können mitmachen."
Vorbild: die Aktion "Münster bekennt Farbe". Das dortige Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit unterstütze die Münsteraner mit Know-how, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. Resultat: "Die Stadt ist in den letzten zwölf Jahren ein gutes Stück grüner, ja bunter geworden. Auch die Trierer könnten Farbe bekennen. Etwa durch Übernahme von Baum- oder Beetpatenschaften."

Erste Maßnahme, mit der ihr Amt stärker als bisher in Erscheinung treten will, sei ein "Schnullerbaum": Bald werde ein Baum bestimmt (fünf sind in der Auswahl), an dem ein Kind seinen Schnuller selbst an einen Ast hängen und sich so von ihm verabschieden kann.
Hoch und runter geht es mit einem städtischen Steigerfahrzeug, hinterher bekommt das Kind eine Urkunde. Das macht die Schnullerfee beschäftigunglos und beschert Schachts 87-köpfigem Team noch mehr Arbeit. Aber: "Ich habe das Gefühl, alle ziehen mit."

Zurück zum Nells Park: "Er hat viel Potenzial und wir viel guten Willen. Wir werden einiges tun", kündigt die Amtschefin an. Das wäre ganz im Sinne der Initiative Renaissance Nells Park. Mitgründerin Denise Kraft-Pütter, Geschäftsführerin des Nells Park Hotels, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Raimund Ackermann (62), "regelmäßiger Besucher und treuer Fan", zeigt sich jedenfalls "begeistert. Ich finde den Park toll. Noch toller wäre es, wenn der Rosengarten aufgepeppt würde."
"Machen wir", verspricht Christine-Petra Schacht.
Extra: AMTSLEITERIN AUS DER FREIEN WIRTSCHAFT

Christine-Petra Schacht (52) leitet seit 1. Juli das Grünflächenamt der Stadt Trier. Die gebürtige Wuppertalerin ist Nachfolgerin von Franz Kalck, der 2016 in Ruhestand ging. Eine schnelle Wiederbesetzung des Postens scheiterte an der kurzfristigen Absage eines bereits ausgewählten Amtschefs. Christine-Petra Schacht bewarb sich auf die erneute Ausschreibung. Die habe sie vor allem deshalb angesprochen, weil auch praktische betriebswirtschaftliche Erfahrung verlangt wurde. Die gelernte Landschaftsarchitektin mit BWL-Zusatzausbildung hat zuletzt als Büroleiterin des renommierten Berliner Architekturbüros Brenner gearbeitet. In ihren ersten Wochen im neuen Job hat "die bekennende Provinz- und Naturfreundin" im Stadtteil Heiligkreuz gewohnt. Mit ihrem Mann und dem jüngeren der beiden Söhne (21 und 19) ist sie in ein Eigenheim "mit großem Garten" in Kinderbeuern (Kreis Bernkastel-Wittlich) gezogen.