region/trier
aus unserem Archiv vom 10. Juli 2012
Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Trierer Innenstadt: 1000 Studenten protestieren gegen Spardiktat

Rund 1000 Studenten sind am Dienstagabend vom Viehmarkt durch die gesperrte Balduinstraße bis zur Porta Nigra gezogen, um gegen die Kürzungen der Hochschul-Finanzierung durch das Land zu protestieren. Die Demo verlief laut Polizei ohne Zwischenfälle.

Podcast
Fotostrecke
"Brückenbau statt Bildungsklau – Nein zum Hochmoselübergang“ steht auf dem Banner, das eine Handvoll Senioren bei der Studentendemo vor sich herträgt. „Das ist natürlich Quatsch. Dann könnte man ja jeden anderen Ausgabeposten anführen“, kommentiert Anglistik-Student Marc Sandifer den Versuch der Gegner des millionenschweren Brückenprojekts, Straßenbau und Bildung gegeneinander auszuspielen. 
 
Zwar wisse noch niemand, welche konkreten Auswirkungen die weiteren Etatkürzungen bei den Hochschulen seitens der Landesregierung haben werden. „Aber bei uns in der Anglistik steht schon fest, dass nächstes Jahr zwei Professorenstellen zumindest eineinhalb Jahre lang nicht wieder besetzt werden. Ich bezweifele, dass dann noch alle Veranstaltungen so angeboten und belegt werden können, wie es die Studienordnung vorschreibt“, befürchtet Sandifer. Schon jetzt ist das jährliche Haushaltsloch der Uni rund 3,5 Millionen Euro groß. „Weil das Land bei den Personalkosten die Tariferhöhung nicht berücksichtigt hat und zusätzlich das Budget für die Professorenstellen stark gekürzt wurde, wird das Defizit allerdings auf 7,5 Millionen Euro anwachsen“, erklärt Uni-Präsident Michael Jäckel. Bis Ende 2013 sei der Ausgleich durch Einsparungen – wie die Nicht-Besetzung von Stellen – und das Abschmelzen von Rücklagen wohl machbar. „Ich werde ab nächster Woche mit den Fachbereichen sprechen, wo noch Einschränkungen möglich sind“, sagt Jäckel. „Aber 2014 wird uns der Ausgleich auch durch solche, schon jetzt sehr schmerzliche Maßnahmen nicht mehr möglich sein.“ 
 
Auch Professor Ulrich Brinkmann ist bei der Demo dabei. „Wenn künftig tatsächlich noch mehr Professorenstellen unbesetzt bleiben oder gar gestrichen werden, glaube ich, dass Studiengänge geschlossen werden müssen“, kritisiert der Soziologe die Sparpolitik des Landes. „Und dann würden die Uni Trier an Bedeutung verlieren und immer weniger Studenten anziehen“, beschreibt er die möglichen Folgen.
 
Auf dem Viehmarkt, vor der Landesbehörde Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion und am Balduinbrunnen tun Studenten und Professoren von Universität und Fachhochschule kund, was sie von der Sparpolitik halten. Die Uni-Leitung habe die Informationen über die drohenden Kürzungen nicht offen kommuniziert, kritisiert Luzie Sennewald. „Wenn wir im Oktober an die Uni zurückkommen, werden die Weichen für die Stellenkürzungen und -streichungen schon gestellt sein“, appelliert die Studentin an die rund 1000 Demonstranten, die Proteste fortzusetzen.
 
Und auch Helga Schnabel-Schüle, ehemalige Vizepräsidentin der Uni, geht den amtierenden Präsidenten Jäckel scharf an: „Die Uni-Leitung sagt, alles müsse jetzt auf den Prüfstand, als gäbe es noch Möglichkeiten zum Sparen. Das ist töricht“, ruft die Politik-Professorin den Demonstranten zu. Die 58-Jährige kritisiert auch Mainz: „Die Landesregierung soll wenigstens klar sagen, dass die Situation an den Hochschulen suboptimal ist, aber trotzdem weiter gespart werden muss. Stattdessen wird so getan, als hätten wir Luxusprobleme. Dabei können wir schlicht an keiner Stelle mehr sparen!“ 



Das könnte Sie auch interessieren:



Kommentare via facebook





Anmeldung
Benutzer: Passwort:
Login merken

Sie haben noch keinen Login? Hier kostenlos registrieren.
Haben Sie Ihr Passwort vergessen?