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Trumps Einreiseverbot trifft Triererin

(Trier/New York) Studenten haben sich bei einer Simulation der Uno in New York so geschickt angestellt, dass sie eine Auszeichnung erhielten. Dabei hätte die Trierer Delegation die Reise wegen des Einreise-Dekrets der US-Regierung beinahe nicht vollständig antreten können.

21.04.2017
Helena Belke
16 Nachwuchs-Diplomaten von der Uni Trier haben zusammen mit 2000 Studenten aus der ganzen Welt am Projekt "Model United Nations" (MUN) teilgenommen. Ein halbes Jahr lang haben sie sich auf die große Simulation der Uno-Generalversammlung in New York vorbereitet. Die Aufgabe: In die politische Lage eines anderen Landes schlüpfen und dessen Interessen auf internationalem Parkett möglichst wirkungsvoll vertreten. Gefragt ist dabei nicht nur ein guter Überblick über das aktuelle Weltgeschehen, sondern auch glaubwürdiges Auftreten, geschicktes Verhandeln und überzeugende Reden.

Auch die Trierer Politikstudentin Hanar Shirin und Jurastudentin Mareike Mackert haben sich in diese Herausforderung gestürzt. Beide sind beeindruckt, wie realistisch das Rollenspiel ablief. Shirin schildert: "Besonders bei den informellen Gesprächen wurde von allen Seiten knallhart verhandelt." Der Trierer Delegation fiel es zu, in New York das Land Nicaragua zu vertreten. Um ein Gefühl für diese Nation zu bekommen, ließen die Teilnehmer sich von nicaraguanischen Konsulatsmitarbeitern ihre Sicht auf das kleine zentralamerikanische Land beschreiben. Lachend wirft Mackert ein: "Poor but proud, also arm, aber stolz, haben wir in der Gruppe irgendwann immer als Leitspruch benutzt."

Während der gesamten Projektlaufzeit hatte Hanar Shirin keinen Gedanken daran verschwendet, dass es mit ihrer Reise nach New York Probleme geben könnte. Mit ihrer kurdischen Familie ist sie vor knapp 20 Jahren aus dem Irak geflohen. Seit vielen Jahren hat sie nur noch einen deutschen Pass. Da sie den Irak jedoch im Jahr 2013 noch einmal bereist hatte, musste sie einen Visumsantrag stellen.

Die Absage per E-Mail traf Hanar Shirin, die aus Angst vor Repressionen ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wie ein Schlag. "Das kam mir so absurd vor", erzählt die 25-Jährige kopfschüttelnd. "Hussein hat uns Kurden im Irak unterdrückt, für mich ist Amerika der Retter! Und gerade kämpft der irakische Teil meiner Familie an der Seite der USA gegen den IS." Doch unzählige Anrufe in der US-Botschaft änderten nichts an dem Einreiseverbot. "Du wirst in ein Sammelbecken geworfen und plötzlich bist du böse", erklärt sie ihr Empfinden.

Mareike Mackert nickt und schlägt den Bogen zu ihrem Projekt: "Das ist genau das, was wir gelernt haben: Auf nationaler Ebene werden mit weitreichenden Folgen irgendwelche Gesetze beschlossen, und die Uno kann nichts dagegen tun."

Gerade noch rechtzeitig wendete der US-Bundesrichter James Robart im Februar das Blatt - auch für Shirin. Mit seinem Urteil hob er das Dekret Trumps auf, und die junge Studentin konnte sich in den längst gebuchten Flieger setzen.

Unverhofft vollständig trat die Trierer "Nicaragua-Delegation" so Mitte März ihren Weg in die US-Metropole an. Dort hinterließ die kleine Truppe sichtlich Eindruck. Mit sechs von acht Positionspapieren konnten die jungen Diplomaten sich durchsetzen. Und mit ihren frei vorgetragenen Reden überzeugten sie die Veranstalter, von denen sie zum Abschluss als "Ausgezeichnete Delegation" geehrt wurden.

Ein Höhepunkt für die beiden Studentinnen war jedoch die bewegende Eröffnungsrede der Bürgerrechtlerin Hina Shamsi, welche mit Blick auf viele Studenten, denen Trumps Dekret tatsächlich die Projektteilnahme verhagelt hatte, der studentischen "Generalversammlung" zurief: "Ihr seid nicht nur alle willkommen, ihr werdet auch alle gebraucht!"