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Verbotene Paradiese im Grünen: Im Waldstück zwischen Trier-Euren und -Zewen gibt es mehr als 100 Schwarzbauten

(Trier) Die Stadtverwaltung hat ein Waldstück zwischen Euren und Zewen als potenzielles neues Wohngebiet ins Auge gefasst. Dabei leben dort schon längst Menschen – in mehr als 100 Schwarzbauten. Kommt das Neubaugebiet, müssten die Garten- und Wochenendhäuschen wohl abgerissen werden.

21.02.2016
Christiane Wolff
Vom Holzverschlag Marke Eigenbau bis zu gepflegten Häuschen mit Gardinen, Gartenzäunen und Rasenanlagen: Mehr als 100 Hütten stehen links und rechts der Wege durch den Waldhang zwischen Euren und Zewen. Autos und Mofas parken oberhalb des sogenannten Promillewegs im Wald. Die Kamine der Holzöfen qualmen, andere heizen wohl mit Gas, wie große Druckbehälter vermuten lassen. Dazwischen Grünschnittberge, Bretterstapel und Müllhalden.

Die Schwarzbaukolonie ist über Jahrzehnte entstanden. Schon auf Luftbildern aus den 1960ern sind die Häuschen zu sehen. 2006 brannte dort nachts ein Wohnwagen mit angebautem Wintergarten ab. Ein Mann, der in dem Dauercamper wohnte, starb in den Flammen. Im März 2014 erschoss – offenbar nach jahrelangem Nachbarschaftskrieg – einer der Kleingärtner einen anderen.

Die Stadt hat sich an das heiße Thema bislang nicht herangetraut. Fest steht allerdings: Für Bauten ohne Rechtsgrundlage besteht auch nach Jahrzehnten kein Gewohnheitsrecht. Die Stadt könnte den Abriss jederzeit, mit angemessener Frist, verfügen.

Aktuell wird die Sache durch die derzeitige Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans (FNP). Dieser regelt unter anderem, welche Areale im Stadtgebiet in den nächsten Jahren als neue Wohngebiete ausgewiesen werden sollen.

Der Entwurf des FNP ist fertig. Darin vorgemerkt: Das – mit Schwarzbauten durchsetzte – Waldstück zwischen Euren und Zewen. Sollte das Außengelände zwischen den beiden Stadtteilen tatsächlich zum Neubaugebiet werden, müssen die illegalen Häuschen weg. „Die Stadt würde den Grundstücksbesitzern dann die Parzellen abkaufen“, sagt Triers Baudezernent Andreas Ludwig.

Weil das Gelände dann sogenanntes Bauerwartungsland wäre, lägen die Grundstückspreise mindestens beim Zehnfachen von dem, was das Außengelände bislang wert ist. „Für eine Parzelle, die bislang für 2000 Euro verkauft werden könnte, müssen wir dann 20?000 Euro bezahlen“, erklärt Ludwig.

Für die Schwarzbauten werden deren Besitzer beim Ankauf durch die Stadt nicht entschädigt. „Die Leute erhalten nur Geld für das Grundstück“, betont Ludwig. Die Grenze des im Flächennutzungsplan vorgesehenen Baugebiets reicht etwa bis zur Hälfte der Schwarzbaukolonie. Außerhalb des Bauerwartungslands bleibt das Gelände Außenbereich. Sofern die Stadt nicht zur Erschließung oder etwa für Grünzüge oder Spielplätze des Neubaugebiets weitere Flächen benötigt, bleiben diese Parzellen im Besitz ihrer Eigentümer. „Schwarzbauten, die dort stehen, müssen dann aber trotzdem abgerissen werden“, sagt Ludwig. „Wir können nicht innerhalb des Baugebiets den Leuten ihre illegal gebauten Häuser ohne Entschädigung wegnehmen, und direkt nebendran die Schwarzbauten weiter dulden – das wird keinesfalls gehen.“

Auch Hans-Alwin Schmitz, Ortsvorsteher von Euren, weiß, dass das Ärger geben wird: „Den man sich hätte sparen können! 50 Jahre lang hat die Stadt weggesehen, in denen die Kolonie mehr und mehr gewachsen ist. Die Leute haben wohl gedacht, dass das immer weiter geduldet wird. Hätte man frühzeitig eingegriffen, wären nie so viele Schwarzbauten entstanden.“
Extra
Im Entwurf des Flächennutzungsplans 2030 ist außer dem Waldstück zwischen Euren und Zewen eine Fläche zwischen dem Brubacher Hof und dem Gut Mariahof auf dem Wolfsberg als potenzielles Wohngebiet vorgesehen. Nur eins von beiden Arealen soll tatsächlich zum Neubaugebiet entwickelt werden. Noch bis Freitag, 4. März, kann sich die Öffentlichkeit an der Entscheidung beteiligen: Im Internet (www.trier.de, Stichwort: Bauleitplanung) und im Rathaus können Argumente für und wider die Areale eingereicht werden. Zurzeit gibt es seitens der Bürger mehr Widerspruch gegen das Areal bei Mariahof als gegen das Gebiet zwischen Euren und Zewen (der TV berichtete). Neben der Bürgermeinung fließen in die Entscheidung auch andere Dinge ein, zum Beispiel, wie gut die Gebiete an den Verkehr angebunden werden können und welche Kosten dafür zu erwarten sind. Aus dieser Sicht schlägt das Pendel für Mariahof aus: „Denn Euren wäre wesentlich aufwendiger zu erschließen als Mariahof“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig. Die Voruntersuchungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Entscheidung für eines der beiden Gebiete soll in der zweiten Jahreshälfte fallen.
Meinung
Von Christiane Wolff 

Nicht mit zweierlei Maß messen

Die Stadt hat dem illegalen Wildwuchs im Eurener Wald über Jahrzehnte tatenlos zugesehen. Dabei ist Bauen ohne Baugenehmigung eine Ordnungswidrigkeit, die mit sechsstelligen Bußgeldern geahndet werden kann. Und zusätzlich mit Abrissverfügungen. Bei anderen lässt die Verwaltung nicht so viel Milde walten: Im Weißhauswald wurden vor ein paar Jahren mehrere Hütten rigoros zwangsgeräumt und abgerissen. Und jeder, der an seinem Haus irgendwas verändern will und dafür vorschriftsgemäß einen Bauantrag stellt, weiß, wie akribisch die Behörde dann die Einhaltung der Gesetze prüft. Selbst wenn das Areal zwischen Euren und Zewen nicht zum Wohngebiet wird, kann die Stadt die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Es wäre ungerecht jenen gegenüber, denen die Stadt in normalen Wohngebieten den Bau eines Carports oder eines neuen Balkons mit Hinweis auf die Vorschriften verwehrt. c.wolff@volksfreund.de

 

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