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(Video) Brand in Bistro in der Trierer Saarstraße - Drei Verletzte (Update 2)

(Trier) Zwei Passanten haben bei einem Feuer, das am Montagmittag in einem vietnamesischen Restaurant in der Saarstraße ausgebrochen ist, eine Frau aus den Flammen gerettet. Einer der Helfer, die Frau und ihre Tochter wurden wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert.

21.03.2016
Christiane Wolff


Mittagszeit. Nguyen Duong steht in der Küche ihres Bistros Thang Long in der Saarstraße. Für die vietnamesischen Frühlingsrollen Nem rollt sie Hackfleisch, Gemüse und Glasnudeln in Reispapier. Zur Vorbereitung. Gäste sind keine im Restaurant. 
Nguyen Duong gibt die vier mal 12 Zentimeter großen Teigrollen in den ölgefüllten Wok, der auf dem Gasherd steht. Plötzlich – so erzählt es ihr Ehemann Son Duong später dem Volksfreund – schlägt wohl eine Flamme von der Gasplatte in das heiße Fett. 
Nguyen versucht, den Brand zu löschen. Doch das Feuer breitet sich zu schnell aus, durch die Lüftungsanlage bis in den Dachstuhl.
Zur gleichen Zeit fährt Hassan Khan mit seinem Auto durch die Saarstraße. Der Trierer ist auf dem Weg zu einem Geschäftstermin. „Da sehe ich den Qualm und die Flammen aus dem Bistro schlagen – und eine Frau!“, berichtet er. Der 49-Jährige stoppt, springt aus seinem Wagen, ruft einer Passantin zu, sie solle die Feuerwehr rufen, und läuft ins Haus. „Mir war klar, dass die Frau da schnell raus muss, alles war voll schwarzem Qualm.“ Aber Nguyen Duong will ihr Restaurant nicht aufgeben. Sie reißt sich von Hassan Khan los und rennt wieder ins Haus, das sie zusammen mit ihrem Mann Son im Jahr 2000 gekauft hat. 
„Ich musste die Köchin richtig mit Gewalt packen, um sie nach draußen zu ziehen, sie wollte unbedingt versuchen, das Feuer selbst zu löschen – aber dafür war es schon viel zu spät“, sagt Khan. Ein Passant kommt ihm zu Hilfe. Gemeinsam gelingt es den Männern, Nguyen daran zu hindern, wieder in die Küche zu laufen. 

Die elfjährige Tochter der Familie ist zu diesem Zeitpunkt schon lange aus dem Haus gerannt. Die zweite Tochter, 12 Jahre alt, ist gerade Milch einkaufen, als das Feuer ausbricht. „Als ich zurückkam, hat unser Haus gebrannt. Meine Mama war ganz schwarz überall, und meine Schwester auch ein bisschen“, sagt das Mädchen.

Ihre Mutter, ihre Schwester und der junge Mann, der Hassan Khan zu Hilfe gekommen ist, werden mit dem Verdacht auf Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Khans Blutwerte sind in Ordnung. „Ich habe mir den Mund zugehalten und versucht, nicht zu atmen, als ich ins Haus bin“, sagt er.
„Der Mann hat meiner Frau wohl das Leben gerettet“, sagt Son Duong. Der 49-Jährige arbeitet in einer Trierer Autowerkstatt. Seine Frau hat ihn in der Werkstatt angerufen – als sie und ihre Tochter schon in Sicherheit waren. „Meine Ehefrau hat die Gefahr wohl völlig falsch eingeschätzt – sie wollte unbedingt unser Haus retten.“

Von der Saarstraße aus ist der Brandschaden nicht direkt sichtbar. „Aber die Flammen sind meterhoch aus dem hinteren Teil des Dachstuhls geschlagen“, sagt Thomas Reinholz, Einsatzleiter der Feuerwehr. Bei ihrer Ankunft kämpfen sich vier Feuerwehrleute durch Qualm und Flammen, um abzusichern, dass nicht noch weitere Menschen im Haus sind. „Der Sachschaden liegt mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich“, sagt Reinholz. Zur genauen Brandursache will sich der Einsatzleiter noch nicht äußern. „Das ist Sache der Polizei, die die Ermittlungen heute oder morgen aufnehmen wird.“

Das Haus ist vorerst unbewohnbar. Doch Son Duong ist gefasst. „Das Wichtigste ist, dass meinen Kindern und meiner Frau nichts passiert ist“, sagt der 46-Jährige. 
Die Saarstraße bleibt bis etwa 14 Uhr zwischen Hohenzollernstraße und dem Netto-Supermarkt gesperrt. Die Polizei leitet den Verkehr um, größere Rückstaus gibt es nicht. 
Viele Passanten bleiben stehen, um sich die Aufräumarbeiten der Feuerwehr anzuschauen. Darunter eine Frau aus der nahen Töpferstraße. Ihre Tochter geht zusammen mit dem älteren Mädchen der Nuongs zur Schule. „Ihr könnt erstmal bei uns wohnen, wir haben Platz“, beruhigt die Frau das Mädchen, das noch immer den Liter Milch in der Hand hält, den es einkaufen war, als ihr Zuhause in Flammen aufging.
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Im Einsatz waren etwa 35 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Trier, die Freiwilligen Feuerwehren Mitte und Olewig, mehrere Rettungswagen und ein Notarzt. 
 

 

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