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Viel Lärm – nicht nur auf der Trierer Weststrecke

(Trier) Mit der Ruhe auf der Weststrecke ist es vorbei. 31 Güterzüge sind dort täglich nach Angaben der Deutschen Bahn durchschnittlich in diesem Jahr gefahren. Auf der Hauptstrecke östlich der Mosel waren es 37.

14.10.2015
Rainer Neubert
Wenn Güterzüge über Schienen rattern, ist Ruhe ein Fremdwort. Weil Lärm krank macht, gleichzeitig aber immer mehr Güterverkehr von den überlasteten Straßen auf die Schiene verlagert wird, haben sich Landesregierung, Bund und Europäische Union zum Ziel gesetzt, den Bahnlärm bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Dass die EU diese Vorgabe nun um zwei Jahre verlängern will, hat die deutschen Politiker zu heftigem Protest veranlasst. Für die Menschen, die im Moseltal, in der Eifel oder im Saartal an einer der Bahnlinien leben, scheint das zumindest kurzfristig nicht von Bedeutung. 
 
„Stimmt nicht“, sagt Jürgen Konz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für Rheinland-Pfalz und das Saarland. „Wenn schon ein lauter Waggon aus dem Ausland in einem Güterzugverbund gekoppelt ist, hört sich das an, als würde der ganze Zug rumpeln.“ Je enger aber die Zeitvorgaben für eine Umrüstung der Züge zum Beispiel auf Flüsterbremsen (siehe Extra) gesetzt seien, desto eher seien die ersten Waggons auch aus dem Ausland leiser.
Konz, der selbst unweit einer Bahnstrecke wohnt, war auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Katarina Barley in seine Geburtsstadt Trier gekommen, um gemeinsam mit dem Europa-Abgeordneten Ismail Ertug und Gustav Herzog, stellvertretender verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, über das Thema Bahn und Lärm zu diskutieren. 
 
Herzog zerstreut zwar mit Verweis auf Verkehrsgutachten die Befürchtungen, Mosel- oder Eifelstrecke seien als Entlastung für das Mittelrheintal vorgesehen. Dass dort täglich 180 Güterzüge rollen und die Lärmbelastung demnach die in Trier um ein Vielfaches übersteigt, wird aber die Anwohner, vor allem die an der Weststrecke, nicht beruhigen. Denn anders als auf der anderen Moselseite gab es hier in den vergangenen Jahren keine Lärmschutzmaßnahmen. 
 
Täglich 31 Züge im Westen
 
Angesichts der von Jürgen Konz für 2015 genannten durchschnittlich täglich 31 Güterzügen auf der Strecke will aber von einer gelegentlichen Nutzung als Ausweichstrecke niemand mehr so richtig sprechen. „Wenn ein Betreiber dort fahren will, muss die Deutsche Bahn die Trasse bereitstellen“, macht der Konzernbevollmächtigte klar. Der bekennende Verfechter von Lärmsanierungsmaßnahmen nennt auch die Zahl der Güterzüge auf der Osttrasse: täglich 37 seien es in diesem Jahr durchschnittlich gewesen. 
 
An Wochenenden seien im Westen deutlich weniger Züge unterwegs. „In der Nacht wurden maximal drei Züge gezählt.“ Allerdings seien wegen Bauarbeiten am 10. und 11. Oktober erneut insgesamt 15 Umleitungszüge mehr über Trier-West gefahren. Dies werde am 7. und 8. November noch einmal der Fall sein. 
 
3,8 Millionen Euro sind in Trier bislang in Lärmsanierungsmaßnahmen wie Schallschutzwände, Schallschutzfenster und -lüfter investiert worden. „Nach Vorgaben des Lärmsanierungsprogramms des Bundes gilt Trier damit derzeit als saniert“, sagt Konz. Er weiß allerdings auch, dass darin die bis vor zwei Jahren kaum befahrene Weststrecke nicht enthalten ist. Die Deutsche Bahn hat nun wegen der neuen Haltepunkte für die geplante Reaktivierung der Strecke für den Personennahverkehr ein umfassendes Prüf- und Genehmigungsverfahren (Planfeststellung) eingeleitet, das auch ein Lärmgutachten beinhaltet. Frühestens zum Jahresende 2020 sollen hier Personenzüge auf den Gleisen rollen. Bis dahin investiert das Land Rheinland-Pfalz 19 Millionen Euro in den Bau der Haltepunkte Kaiser-Wilhelm-Brücke, Römerbrücke, Euren, Zewen und Kreuz Konz. Zusätzlich wird ein neuer Haltepunkt in der Hafenstraße den derzeitigen Bahnhof Ehrang ersetzen. 
 
Ob allerdings für die gesamte Strecke von Ehrang bis Zewen aktiver oder passiver Schallschutz kommt, kann auch Jürgen Konz nicht sagen. Der wirbt mittlerweile für niedrige Schallschutzwände, wie sie in Igel entstehen sollen. Dort war wegen des Ausbaus der Strecke nach Luxemburg ebenfalls ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Ergebnis: Die Deutsche Bahn wurde zu mehr Lärmschutz verpflichtet. Allerdings musste sich die Bahn per Privatklage davon überzeugen lassen, dass mehrere Meter hohe Wände nicht überall das Maß der Dinge sind. Der im Herbst geplante Baubeginn verzögert sich weiter. „Wir stehen mit dem ursprünglich beauftragten Unternehmen in Verhandlungen“, sagt Konz. „Es will die niedrige Lärmschutzwand nicht zu denselben Konditionen bauen.“
 
In den westlichen Stadtteilen Triers blicken viele Menschen mit Interesse nach Igel. Heike Feldmann-Koch aus Trier-Zewen ist eine von denen, die den Lärm durch Güterzüge nicht einfach hinnehmen wollen. „Es ist inzwischen so laut, dass das Geschirr im Schrank wackelt. Ich wünsche mir, dass hier eine Schallschutzmauer gebaut wird“, sagt sie.
Bis die Entscheidung darüber gefallen ist, werden vermutlich mehr „leise“ Güterzüge über die Schienen rollen. Wie viele, das hängt von den Politikern im Land, Bund und in Europa ab. 

Extra Flüsterbremsen an Güterzügen

Die Deutsche Bahn AG ist in elf Geschäftsfelder und weitere Beteiligungen unterteilt. Die DB Netz verwaltet im Auftrag des Bundes das 33?000 Kilometer lange Schienennetz. In DB Schenker Rail sind die Aktivitäten im Schienengüterverkehr gebündelt. Mit 60?000 Güterwagen verfügt DB Schenker über etwa ein Drittel aller in Deutschland zugelassenen und verkehrenden Güterwagen. Die Deutsche Bahn verfolgt konsequent das vom Bund geförderte Lärmsanierungsprogramm, wonach bis 2020 der Schienenverkehrslärm in Deutschland halbiert werden soll. Bis Ende 2020 sollen auch alle Güterwagen der Deutschen Bahn mit Flüsterbremsen ausgestattet sein. Diese sorgen dafür, dass die Stahlräder der Waggons beim Bremsen nicht ungleich beansprucht, unrund und laut werden. Ein wirksamer Lärmschutz ergibt sich allerdings erst dann, wenn alle Bahnbetreiber und Wagenhalter ihre Flotten mit insgesamt 120?000 Waggons auf Flüsterbremsen umrüsten. Denn schon ein lauter Waggon in einem Zugverbund macht die Wirkung aller leisen Wagen zunichte. Die Verantwortlichen der Deutschen Bahn fordern deshalb mehr „Druck“ der Politik auf die privaten Unternehmen. 


Meinung

Noch fünf Jahre …

Auch wenn in der Statistik der Bahn die Tage berücksichtigt sind, in denen wegen Bauarbeiten oder aus anderen, traurigeren Anlässen die Hauptstrecke nicht und die Weststrecke intensiv befahren wurde: dass über die bis vor zwei Jahren kaum genutzte Trasse in diesem Jahr schon fast so viele Güterzüge gerumpelt sind wie über die Hauptstrecke, gibt allen recht, die sich über eine deutlich stärkere Lärmbelästigung beklagen.

Denn anders als in Ehrang, Pfalzel und östlich der Mosel gibt es im Westen zwischen Pallien und Zewen bislang so gut wie keinen Lärmschutz. Wer da nahe an den Gleisen wohnt, muss noch einige Jahre starke Nerven beweisen. Denn frühstens 2020, mit der Fertigstellung der neuen Haltepunkte, werden auch hier Lärmschutzmaßnahmen wie Schallschutzwände oder Schienenstegdämpfer für mehr Ruhe sorgen. Wo das sein wird, muss im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die Haltepunkte geklärt werden, das erfahrungsgemäß mehrere Jahre dauert.

Ob dann die leisen Schienenbusse die Situation noch einmal deutlich verändern, weil sie regelmäßig die Strecke für Güterzüge blockieren, wird sich zeigen müssen. Denn es werden in einigen Jahren mit Sicherheit mehr Waren auf Schienen unterwegs sein. In jedem Fall bekommt auch für die Menschen in Trier die Umrüstung der Güterzüge zu Leisetretern eine deutlich größere Bedeutung. 

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