region/trier

Von der Fernseh-Soap zur Bühne: Schauspieler Erwin Aljukic spielt zum letzten Mal am Theater Trier

„Es wird mir schon schwer fallen, wieder zu gehen": Schauspieler Erwin Aljukic hat mit dem TV über seine Gastrolle am Theater Trier gesprochen.

09.05.2017
Karin Pütz
13 Jahre lang spielte Erwin Aljukic in der ARD-Vorabendserie „Marienhof“ den EDV-Techniker Frederik Neuhaus. Wenn er mit seinem Rollstuhl durch die Fußgängerzone fährt, wird er immer noch darauf angesprochen, obwohl die Serie bereits vor sechs Jahren eingestellt wurde. 

Der Grund, warum sich der 40-jährige Schauspieler mit der Glasknochenkrankheit in Trier aufhält, ist die Theaterproduktion „Der Ring – Babybabyballaballa“. Einen Monat lang spielte er den Zwergenkönig Alberich. „Ich habe mich im Ensemble vom ersten Moment an willkommen gefühlt. Das ist angesichts der besonderen Situation des Theaters keine Selbstverständlichkeit“, sagt er und fügt hinzu: „In 13 Jahren Marienhof habe ich das nie so erlebt.“ 

Überhaupt sei die Zeit bei der Fernsehserie kein Glücksfall gewesen. Er sei auf die Rolle des ewigen guten Kumpels festgelegt gewesen und habe keinerlei Mitsprache beim Drehbuch gehabt. 
Bei „Der Ring – Babybabyballaballa“ sei das anders gewesen. Regisseur Thomas Goerge habe sich von Erwin Aljukic sogar inspirieren lassen. Die Rolle des Alberich sei letztlich nicht eindimensional böse, sondern zeige auch etwas Verletzliches, was ihm Zuschauer auch nach der Vorstellung bestätigten. „Das Niveau der Stücke, die in Trier gespielt werden, ist sehr hoch. Ich glaube, die Trierer wissen gar nicht, was sie an ihrem Theater haben“, sagt Aljukic.

 „Es wird mir schon schwer fallen, wieder zu gehen“, fügt der Münchener mit bosnischen Wurzeln hinzu. 
Gerne würde er weiterhin am Theater Trier spielen und vor allem auch entgegen seiner äußeren Erscheinung besetzt werden. Auf die Frage, ob der aufgrund seiner Erkrankung nur 1,14 Meter große Aljukic auch den Helden Siegfried gespielt hätte, antwortet er nach nur kurzer Überlegung: „Ja – auch das hätte ich mir vorstellen können!“ 

Nachdem in Trier an diesem Mittwoch der letzte Vorhang für „Der Ring“ gefallen ist (19.30 Uhr, Theater Trier), wird er zusammen mit Kater Milan wieder nach München ziehen. „Dort ist alles viel hektischer als hier – in Trier gehen die Menschen tatsächlich langsamer.“ Auch die große Anzahl an historischen Bauwerken habe ihm imponiert. Die „seltsame“ Verkehrsführung in Trier wird er indes nicht vermissen, sagt er und grinst schelmisch über das ganze Gesicht. 

Ihm ist wichtig, dass er schauspielerisch mit weiteren Projekten am Ball bleibt. „In dieser Branche muss sich jeder beweisen, und unter meinen körperlichen Bedingungen muss ich immer 200 Prozent geben, um zu zeigen, dass ich was kann.“ 
Gelegenheit hat er schon ab Juni bei einem Stück eines inklusiven Tanzprojekts im baden-württembergischen Lahr.