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Waldgebiet oberhalb von Trier-Euren: Motorsägen statt Waldesruh

(Trier) Keinen Gewinn gemacht hat die Stiftung Vereinigte Hospitien bislang bei der Bewirtschaftung ihres Waldes oberhalb von Euren. Mit dem Wechsel des zuständigen Forstbetriebs hat sich das geändert: Das Holz soll nun Rendite bringen.

11.02.2016
Christiane Wolff
Die „Lange Schneise“, der „Dicke Koost-Weg“: Seit Jahrzehnten sind die ausgedehnten Wege durch den Eurener Wald beliebt bei Wanderern, Joggern, Hundeherrchen und -frauchen. Nicht nur der Eifelverein hat dort Routen ausgeschildert. Auch der Premiumwanderweg Moselsteig führt durch das Gebiet am Hang zwischen Euren und Herresthal.

Doch wandern, spazieren- oder gassigehen ist auf den ehemals gut in Schuss gehaltenen Wegen schon seit Wochen nicht mehr möglich: Die schweren Fahrzeuge der Waldarbeiter haben überall tiefe, matschige Gräben gezogen. Stellenweise haben sich die riesigen Reifen der Maschinen mehr als einen halben Meter tief in die Wege gegraben. 
Selbst der Geländewagen mit Vierrad-Antrieb von Hans-Alwin Schmitz gerät da in Schwierigkeiten. Dem Eurener Ortsvorsteher verschlägt es die Sprache. „Unglaublich, das sieht hier aus wie nach einem Bombeneinschlag“, seufzt Schmitz – und meint damit noch nicht einmal die Wege, sondern den Zustand des Waldes insgesamt: Unmengen von Bäumen haben die Forstarbeiter in dem alten Mischwald in den vergangenen Monaten gefällt. 

Allerorts stapeln sich riesige Holzberge, darunter uralte Buchenstämme mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter. Sorgfalt haben die Arbeiter nicht walten lassen: Die Waldstücke liegen voller zurückgelassener Baumteile. Überall hängt noch rot-weißes Flatterbandband in den Ästen, wohl Überbleibsel von Absperrungen. Auf einem ehemals dicht bewachsenen Hang ragen nur noch vereinzelte, junge Buchen in den Himmel. Dazwischen Baumstumpf neben Baumstumpf. Zumindest für das Laienauge ist es ein Bild der Verwüstung.

Dabei war der Eurener Wald bis vor einem Jahr ein intakter Erholungswald – bewirtschaftet und gepflegt vom Trierer Forstamt. Doch die Vereinigten Hospitien, denen der Wald gehört, waren mit den nachhaltigen, ökologischen Wirtschaftsplänen des Forstamtes nicht zufrieden. Die staatliche Stiftung kündigte dem Forstamt als Dienstleister und beauftragte stattdessen ein privates Forstunternehmen aus Luxemburg.

Bis dahin gehörte der riesige Wald der Vereinigten Hospitien zu einer Reviergemeinschaft mit den Ortschaften Fusenig, Langsur und Trierweiler. „Bei der Bewirtschaftung unserer Reviergemeinschaft durch das Trierer Forstamt kam unterm Strich immer eine Schwarze Null raus – das Geld aus dem Holzverkauf wurde reinvestiert in Neuanpflanzungen und zum Beispiel die Erhaltung der Wege“, berichtet Matthias Daleiden, Ortsbürgermeister von Trierweiler. „Aber die Vereinigten Hospitien sind offenbar daran interessiert, Gewinn aus ihrem Wald zu erwirtschaften – weshalb sie unsere Reviergemeinschaft dann ja auch verlassen haben“, sagt Daleiden.

Auf TV-Nachfrage bestätigt das Trierer Forstamt: Die seit Anfang 2015 „örtlich starke Holzmassenentnahmen“ im Eurener Wald seien „offenbar sehr stark an ökonomischen Zielen und der Erzielung hoher Umsatzrenditen“ orientiert, erklärt Forstamtschef Gundolf Bartmann. Die Forstarbeiten würden „überwiegend nicht den waldbaulichen Grundsätzen von Landesforsten“ entsprechen, macht Bartmann deutlich.

Anfang Februar hat Bartmann sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage gemacht. „Die Eingriffe sind sehr stark – aber sie verstoßen nicht gegen das Landeswaldgesetz – sofern die Hospitien in den betroffenen Beständen zumindest in den nächsten sieben Jahren keine weiteren Bäume fällen lassen“, sagt der Förster.

Für Ende Februar hat das Forstamt in seiner Funktion als Waldaufsichtsbehörde den Leiter der Stiftung, Hubert Schnabel, zum Gespräch eingeladen und den „Einschlagsvollzug 2015 und die Planung 2016“ zu besprechen.
Die Vereinigten Hospitien hatte der TV bereits Ende Dezember um Auskunft zu den Änderungen bei der Bewirtschaftung des Eurener Waldes gebeten. 

Auf mehrfache Nachfrage erklärte Hospitiendirektor Hubert Schnabel am vergangenen Mittwoch allerdings, dass er vor dem Gesprächstermin mit dem Forstamt keine Stellungnahme abgeben werde. 

Einschlagzahlen, Rendite, Forstwirtschaftspläne: Für den Trierer Marco Wagner, der oft im Eurener Wald unterwegs ist, sind das Begriffe, in die sich der Wert des Hospitienwalds nicht pressen lässt. „Der Eurener Wald ist ein Rückzugs- und Erholungsraum für ganz viele Menschen. Jetzt werden hier uralte Bäume gefällt, alles ist zerstört – und das nur aus Profitgründen. So kann eine staatliche Stiftung doch nicht mit der Natur umgehen!“
 
Meinung 
Wichtiger als der Profit

Von Christiane Wolff

„Alten, kranken, behinderten und pflegebedürftigen Menschen helfen und nach Bedarf deren Heim sein“: Das ist – laut Satzung – der Stiftungszweck der Vereinigten Hospitien, die mehrere Wohn- und Pflegeheime unterhalten. Dafür braucht es Geld, keine Frage. Und das kann man nun mal auch aus dem Verkauf von Holz erwirtschaften. Den Eurener Wald dafür allerdings von einem natürlich belassenen Erholungswald in einen reinen Nutzwald umzubauen, ist eine schlechte Idee. Denn Wälder helfen Menschen, sich wohl und heimisch zu fühlen. Warum also auf der einen Seite zerstören für das man sich auf der anderen Seite einsetzt? Auch wenn sich der massive Holzeinschlag im Rahmen des teilweise wachsweichen Waldgesetzes bewegt: Als staatliche Stiftung des öffentlichen Rechts sind die Vereinigten Hospitien den Bürgern stärker verpflichtet, als irgendein Privatbesitzer, für den der Wald nicht mehr als ein Wirtschaftsbetrieb ist. Welchen Sinn macht es, dass die Stadt in den Erhalt des Erholungswalds Weißhauswald alljährlich Hunderttausende Euro investiert, wenn wenige Meter weiter ein intakter Erholungswald, der einer öffentlichen Einrichtung gehört, aus Renditestreben zerstört wird? Keinen.  c.wolff@volksfreund.de
 

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