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Was vom Lager übrig blieb

Es müssen nicht immer Goldfunde sein, die Archäologen frohlocken lassen. Auf dem Petrisberg tun es auch unscheinbar wirkende Bodenverfärbungen. Sie geben Zeugnis von dem gewaltigen Militärlager, das die Römer 30 v. Chr. — 13 Jahre vor der Gründung Triers — dort errichteten.

13.08.2009
Von unserem Redakteur Roland Morgen
Trier. Was hat der Petrisberg mit Kleopatra und Mark Anton zu tun? Wenig, vermutet der Laie. Sehr viel, weiß Landesmuseums-Archäologe Hartwig Löhr (61). Er leitet die 2002 begonnenen Grabungen auf Triers "Hausberg". Und die belegen: Im Frühjahr 30 v. Chr. bauten die Römer dort oben ein gewaltiges Militärlager. Es umfasste 50 Hektar (so viel wie Länderspiel-taugliche 50 Fußballfelder) und bot Platz für 10 000 Soldaten plus dazugehörige Reit- und Zugtiere. Die einschüchternde Machtdemonstration und Verfügbarkeit einer "schnellen Eingreiftruppe" schien Rom dringend geboten. Denn es herrschte Bürgerkrieg. Auf der einen Seite Octavian (der spätere Trierer Stadtgründer Augustus), auf der anderen — in Ägypten — Mark Anton und seine Geliebte Kleopatra. Die Treverer dachten damals wohl globalstrategisch und glaubten, gut zwei Jahrzehnte nach der Eroberung ihres Stammesgebiets durch Julius Caesar wieder Herren im eigenen Haus werden zu können. Doch weit gefehlt. Octavians Feldherr Nonius Gallus schlug laut antiker Geschichtsschreibung 29. v. Chr. den Treverer-Aufstand nieder. Heute ist Löhr sicher: "Sein Basislager hatte er auf dem Petrisberg errichtet."
 
Es war eine der größten Anlagen dieser Art in Nordwest-Europa und ist das einzige bekannte Militärlager seiner Zeit. Unter Hartwig Löhrs Leitung suchen Archäologen-Teams seit 2002 nach Spuren; im Rahmen der Landesgartenschau 2004 (LGS) auf dem Petrisberg zählte eine "Schau-Grabung" zu den Attraktionen.
 
Viele Römer-Relikte sind für ungeübte Augen schwer zu erkennen, für Fachleute aber sehr aussagekräftig. Löhr: "Die Bauten bestanden ausschließlich aus Holz und Lehm und waren mit Schindeln bedeckt, so dass die von anderen antiken Ausgrabungen oder Fundstellen bekannten Mauern oder Dachziegel hier gänzlich fehlen."
 
Die kurz vor dem Abschluss stehende jetzige Grabungsaktion dürfte die letzte auf dem Petrisberg sein. Gleich neben dem LGS-Verwaltungsgebäude, auf einer der wenigen noch freien Bauparzellen, hat das Landesmuseum das Tor des Lagers ausgemacht und den inneren der beiden Verteidigungsgräben angeschnitten. Gestern wurde der der vierte und letzte Pfosten des neun Meter breiten Tores nachgewiesen — anhand der "Störungen", die das Pfostenloch hinterlassen hat.
 
Dem Militärlager widmet das Landesmuseum einen Bereich seiner neuen Dauerausstellung (Eröffnung am 13. Oktober). Schließlich ist das Lager von großer regionalhistorischer Bedeutung. Löhr bringt sie auf einen einleuchtenden Nenner: "Der Auftritt der 10 000 Soldaten hat die Treverer binnen kurzer Zeit davon überzeugt, dass sie doch lieber Römer werden wollten."