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Weltweite Aktion "Critical Mass" fordert bessere Infrastruktur für Radfahrer - auch in Trier

(Trier) Die Critical Mass fordert eine bessere Infrastruktur für Radfahrer. Diese globale Fahrrad-Aktion ist auch in Trier präsent.

20.04.2017
Nathalie Hartl
Bis zu 40 Fahrradfahrer finden sich zur monatlichen Critical Mass auf dem Viehmarkt ein. Die lose Bewegung engagiert sich seit 1992 weltweit und will auf Probleme des Radverkehrs hinweisen. Auch in Trier findet die Aktion seit mehreren Jahren statt.

Unter ihnen sind viele junge Leute mit sportlichen Fahrrad-Modellen, aber auch Mütter, die ihren Nachwuchs auf dem Kindersitz transportieren. "Wir sind keine Punks, die auf dem Fahrrad sitzen, sondern eigentlich bunt gemischt", sagt Klaus, der selbst hin und wieder an den Treffen teilnimmt.

Die Teilnehmer wollen darauf aufmerksam machen, dass es neben Autos, LKW & Co. auch nicht-motorisierten Verkehr gibt, der seinen Platz in der Infrastruktur braucht. Denn wenn keine speziellen Fahrradwege angelegt worden sind, beginnt schnell der Kampf um die Fahrbahn, der häufig mit Hupen, Klingeln, verbalen Attacken und riskanten Überholmanövern ausgefochten wird.

Auch die Critical Mass, die als ganze Fahrradkolonne auf den Straßen unterwegs ist, bleibt von Aggressionsaufwallungen nicht verschont. Mehrfach kam es bei vergangenen Treffen schon zu Stresssituationen. Vor allem entlang der Alleen rund um die Innenstadt steigt der Adrenalinspiegel, wenn sich Autos der Gruppe gefährlich nähern. Gesetzlich gesehen sind die Radfahrer im Recht: Wenn sich mehr als 15 Fahrradfahrer zu einer Gruppe zusammenfinden, bilden sie laut Straßenverkehrsordnung einen geschlossenen Verband. Fährt der Anfang des Fahrrad-Konvois noch bei grün über eine Ampel, darf der Rest des Verbands auch nach dem Umschalten auf Rot folgen. "Vielen Verkehrsteilnehmern ist diese Regelung nicht bekannt, weshalb sie dann mit Unverständnis reagieren." Damit keine Autos die Critical Mass stören, blockieren geübte Teilnehmer kurzfristig die Einfahrt und sichern damit den Gruppenzusammenhalt. "In Zukunft möchten wir Flyer drucken, die wir Autofahrern geben können, wenn sie drängeln," sagt Dominik, der in der Bewegung sehr aktiv ist. Er verstehe grundsätzlich, dass sich Menschen behindert fühlen, wenn sie nicht wissen, worum es bei einer Critical Mass geht. Das Prinzip lautet also Aufklärung.

Organisiert werden die Treffen über Facebook, wobei die Aktion keinen konkreten Veranstalter hat, sondern ein globales Phänomen darstellt. Die Trierer Gruppe zählt immerhin knapp 700 Mitglieder. Bei den nächsten Fahrten soll es kreativ zugehen, um noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren. "Vielleicht regen wir wieder eine Motto-Fahrt an. Wir dachten zum Beispiel an 90er-Jahre-Mode mit vielen Neonfarben," sagt Dominik und lacht.