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Wenn Pipi zum Problem wird - Missstände in den Toiletten der Grundschule in Trier-Euren

Eltern beschweren sich über Missstände in den Toiletten der Grundschule in Trier-Euren - Nur ein Einzelfall?

(Trier) Vier bis acht Stunden am Tag verbringen Kinder in der Grundschule. Diese Zeit kann für einen Sechsjährigen ganz schön lange werden, wenn er sich nicht zur Toilette traut. Müssen sich Kinder ekeln, aufs Klo zu gehen? Das behaupten Eltern der Johann-Hermann-Grundschule in Euren.

07.12.2015
Andrea Weber
Der Uringestank, der einem beim Betreten der Jungentoiletten der Johann-Hermann-Schule in Euren entgegenschlägt, lässt einen erst mal einen Schritt zurücktreten. Obwohl alle Toiletten abgezogen sind, ist der Geruch erdrückend. In manche Toiletten wurde Papier gestopft, in anderen hängen Reste von Kot.

In den Mädchentoiletten ist der Gestank zwar nicht so penetrant, aber es sieht noch schlimmer aus: Verpinkelte Klobrillen, Papier in den Toiletten, Kotspuren. Und in manchen nicht nur Spuren, sondern ganze Geschäfte - das sagt zumindest Susanne Ehmanns vom Amt für Gebäudewirtschaft, ehe sie schnell den Abzug drückt. 

Sie, Schulleiterin Petra Schneider-Jung und Julia Morbach vom Amt für Schulen und Sport sind zu einem Ortstermin in den Toiletten versammelt. Anlass dafür ist die Beschwerde eines Vaters an den TV, dass sich in der Johann-Hermann-Grundschule Kinder ekeln müssten, auf Toilette zu gehen. Er berichtet von "abartigem Gestank durch defekte Abflüsse". Türen seien nicht absperrbar, Klodeckel defekt oder nicht vorhanden, und es gebe weder Klobürsten noch Toilettenpapier. Die sanitären Anlagen seien schon seit mehr als 30 Jahren in diesem Zustand.

Der Vater, der nicht namentlich genannt werden möchte, macht die Stadt Trier als Trägerin der Schule für die Missstände verantwortlich. Sie stelle keine Mittel für Reparaturen und eine Sanierung der sanitären Anlagen zur Verfügung. Der Pressesprecher der Stadt, Ralf Frühauf, dementiert.

Er macht das Verhalten der Kinder für den unangenehmen Zustand der Toiletten verantwortlich. Klobürsten gebe es keine, "da die Kinder damit entweder ‚Fechtkämpfe’ ausüben oder - was weitaus schlimmer ist - die Fäkalien an den Bürsten an den Wänden verschmieren", teilt er auf Anfrage mit. Und die Geruchsbelästigung entstehe dadurch, dass die Kinder vergäßen, zu spülen. Bei einer Begehung Anfang Oktober sei die Hälfte der Mädchentoiletten nicht abgespült gewesen.

Schneider-Jung sieht für den Zustand der Toiletten verschiedene Gründe: Zum einen seien Eltern in der Hygieneerziehung gefordert. In der Schule gebe es diese regelmäßig, und die Kinder würden regelmäßig dazu aufgefordert abzuziehen. "Ich habe sogar schon mit den Kindern gemeinsam abgezogen, um ihnen zu zeigen, dass da kein Geist rauskommt." Denn das sei der zweite Grund: Die Schultoiletten in der Johann-Hermann-Schule sind noch mit einem veralteten Druckspülsystem ausgestattet. Das sei tierisch laut und spritze. Außerdem hätten die Kleinsten manchmal gar nicht die Kraft, die Spülung zu betätigen. Deshalb hält sie es für sinnvoll, es durch ein moderneres und sparsameres auszutauschen. Außerdem bittet sie die Stadt um den Austausch einzelner Toiletten, in denen sich der Urinstein festgesetzt hat. Denn: "Auch in den Ferien, als die Toiletten gar nicht benutzt wurden, hat es noch nach Urin gerochen", sagt sie.

Frühauf teilt mit, einige Keramiken, also Toiletten, Urinale und Waschbecken, seien bereits ausgetauscht worden. Allerdings nicht in der Grundschule in Euren, wie er auf Nachfrage einräumt. Schneider-Jung betont aber, dass die Stadt sich - gerade in letzter Zeit - bemühe. Erst kürzlich seien Lüftungsanlagen installiert worden, die rund um die Uhr liefen.

Außerdem sei der Grundreinigungsturnus erhöht worden, teilt Frühauf mit - von bisher einmal im Jahr in den Sommerferien auf bis zu dreimal im Jahr (in den Weihnachts- und Osterferien). Zuletzt wurden die Toiletten der Johann-Hermann-Grundschule in den Sommerferien grundgereinigt. Das heiße, einfach etwas gründlicher, erklärt Hausmeister Bach, allerdings nicht mit Hochdruckreinigern. Susanne Ehmanns vom Amt für Gebäudewirtschaft versichert, dass die Schulen ab sofort dreimal im Jahr mit Hochdruck gereinigt würden.

Die Johann-Hermann-Grundschule ist anscheinend nicht die einzige in Trier, deren Toiletten sanierungsbedürftig sind. 2014 hätten einige Grundschulen um die Erneuerung ihrer sanitären Anlagen gebeten, teilt Frühauf mit. Die Gebäudewirtschaft und das Schul- und Sportamt wollten diese nun je nach Zustand nach und nach sanieren. Wann genau allerdings die Toiletten der Eurener Grundschule saniert werden, die Frage lässt Frühauf unbeantwortet.
Liebe Leserinnen, liebe Leser: Die Toiletten in der Eurener Schule sind anscheinend kein Einzelfall. Wo müsste die Stadt Ihrer Meinung nach noch aktiv werden? Schreiben Sie uns an echo@volksfreund.de. Bitte Ihren Namen und Ihre Kontakt infos nicht vergessen!
Meinung
Tabuthema Toiletten

Wasserlassen und seinen Stuhlgang zu verrichten, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Dass Kinder in Trier sich ekeln müssen, diese Grundbedürfnis zu erfüllen, ist beschämend. Noch beschämender ist allerdings, dass dieses anscheinend weit verbreitete Problem nicht angegangen wird. Eltern trauen sich nicht, offen darüber zu sprechen, weil sie Nachteile für ihr Kind befürchten, Mitarbeiter von Schulen wollen es sich nicht mit ihrem Träger, in diesem Fall der Stadt, verscherzen. Und Mitarbeiter der Stadt dürfen nur das sagen, was das Presseamt zulässt. Weil es sonst peinlich werden könnte, da nicht genug Geld da ist, alle Schultoiletten zu sanieren, die es nötig hätten. Das darf nicht sein. Kinder haben ein Recht darauf, auf saubere Toiletten zu gehen. Und Lösungen können nur gefunden werden, wenn ein Problem offengelegt wird. Die Stadt muss auch so unangenehme Themen wie Toiletten transparent machen. Und dazu gehört, Betroffenen zuzuhören und sich die Zustände anzuschauen. Schaut hin, nicht weg! a.weber@volksfreund.de
Extra
Insgesamt hat die Stadt in diesem Jahr bis Mitte Oktober 2015 nach eigenen Angaben rund 12,13 Millionen Euro für Baumaßnahmen an Schulen und in den Unterhalt schulischer Einrichtungen investiert. Davon wurden 1,7 Millionen Euro für Baumaßnahmen an Grundschulen und 1,6 für den Bauunterhalt von Grundschulen verwendet. Insgesamt wurden also rund 3,3 Millionen Euro für städtische Grundschulen ausgegeben. Für die Johann-Hermann-Grundschule wurde laut Frühauf in den letzten drei Jahren für Baumaßnahmen eine Gesamtsumme von 636 128,29 Euro verausgabt (131 858,18 Euro in 2015, 385 424,30 Euro in 2014 und 118 845,81 Euro in 2013). aweb

 

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